Börsenplätze in Deutschland

Bulle und Bär als Symbol für Gewinn und VerlustWenn es um das Thema Börse geht, fällt den meisten Menschen in Deutschland nur der Standort Frankfurt am Main ein. Hier befindet sich in der Tat der größte und wichtigste inländische Börsenplatz. Aber es gibt noch einige weitere Börsen, die sowohl regionale als auch überregionale Bedeutung haben.

Welche Börsenplätze gibt es in Deutschland?

Frankfurt am Main – die Königin der Börsen

Der DAXAllen voran steht natürlich die Börse in Frankfurt. Sie ist international von größter Bedeutung und konkurriert mit London um den Titel des wichtigsten europäischen Handelsplatzes. Als Finanzplatz steht Frankfurt in Deutschland unangefochten auf Platz eins. Nicht umsonst hat hier die Europäische Zentralbank ihren Sitz, doch auch die Deutsche Bundesbank residiert nach wie vor in Frankfurt. Der Börsenhandel selbst wird heute allerdings nicht mehr klassisch auf dem Parkett abgewickelt, sondern seit Mitte 2011 über die elektronische Handelsplattform Xetra. Hier werden Aktien und andere Wertpapiere sowie Währungen gehandelt. Für Termingeschäfte steht den Händlern die Plattform EUREX zu Verfügung, wo mit Futures und Optionen gehandelt wird. Der Deutsche Aktien-Index (DAX) ist als Leitindex der wichtigste seiner Art in Deutschland und bildet die Entwicklung der 30 wichtigsten Unternehmen ab, die in Frankfurt gelistet sind.

Schwäbische Effizienz in Stuttgart

Die Stuttgarter BörseDie Schwaben können gut mit Geld umgehen – sagt eine Volksweisheit. Und tatsächlich ist der zweitgrößte deutsche Börsenplatz in der Landeshauptstadt von Baden-Württemberg zu finden. Immerhin werden hier jedes Jahr bis zu 100 Milliarden Euro Handelsvolumen erreicht, die vor allem durch den Handel mit Derivaten an der sogenannten EUWAX zustande kommen. Weitere Aktivitäten werden in den Bereichen Anleihen und ausländische Wertpapiere geboten, für die es eigene Börsensegmente gibt. Seit 2010 wird ein besonderes Augenmerk auf mittelständische Unternehmen gelegt. Mit dem „Bond-M“ können in Stuttgart Unternehmensanleihen platziert und gehandelt werden.

Hanseatisches Flair in Hamburg und Hannover

Börse HamburgZu einer gemeinsamen Börse haben sich die Standorte Hamburg und Hannover mit der BÖAG Börsen AG zusammengeschlossen. Sie gelten als Regionalbörsen und haben im Konzert der großen Börsenplätze eher eine geringere Bedeutung, wenn es um den normalen Wertpapierhandel geht. Führend ist dieser Standort jedoch im Bereich des Fondshandels. Auch deswegen rangiert die Börsen AG auf dem dritten Platz hinter Frankfurt und Stuttgart.

Berliner Börse: Festverzinsliches in der Hauptstadt

Die Hauptstadt Deutschlands besitzt eine eigene Börse, die jedoch in erster Linie regionale Bedeutung hat. Bis zum Jahr 2007 war sie mit der Börse Bremen verbunden, doch diese Zusammenarbeit wurde beendet und der Börsenplatz Bremen verschwand von der Karte der Finanzwelt. Grund dafür ist der zunehmend elektronische Handel, der den Bedarf für eine Bremer Regionalbörse weiter reduzierte. In Berlin versucht man daher, auch andere Schwerpunkte zu setzen und wirkt dem rückläufigen Umsatz beim Aktienhandel durch eine verstärkte Konzentration auf den Handel mit festverzinslichen Wertpapieren entgegen.

Börse Düsseldorf mit eigenem NRW-Index

Börse Düsseldorf AGDas bevölkerungsreichste Bundesland Nordrhein-Westfalen verfügt über lediglich einen Börsenplatz. Er ist vom Umsatz her von geringer Bedeutung, konzentriert sich mit seinem Angebot aber vor allem auf Privatanleger, was sich in besonders günstigen Konditionen für DAX- und Fondshandel widerspiegelt. Als Ergänzung zum DAX führt man hier einen eigenen Aktienindex für Nordrhein-Westfalen, den NRW-MIX.

Die Börse München ist ein Allrounder

Auch in Bayern gibt es einen eigenen Börsenplatz, der sich in der Landeshauptstadt München befindet. Obwohl man zu den kleineren Börsen in Deutschland zählt, legt man Wert auf ein komplettes Angebot für Anleger. Als Alternative zum Frankfurter Xetra-Handel kann man hier das elektronische Handelssystem MAX-ONE nutzen. Die Angebotsspanne in München umfasst neben Aktien und Renten auch Fonds. Ähnlich wie in Stuttgart bietet man mit M:access ein spezielles Börsensegment für mittelständische Unternehmen an, die für eine Aufnahme besonders hohe Kriterien für die Transparenz erfüllen müssen.

Worin liegen die Vorteile mehrerer Börsenplätze?

Vorteile und Nachteile abwägenWie bereits in der Auflistung gezeigt, bieten vor allem die regionalen Börsenplätze spezielle Angebote, die auf Privatanleger oder Mittelstandsunternehmen ausgerichtet sind, die sich an den „großen“ Börsen nicht wohl fühlen. Warum es überhaupt noch mehrere Börsen in Deutschland gibt, hat natürlich auch historische Gründe. Früher liefen die Warenströme über andere Handelszentren als heute, so war beispielsweise Augsburg der erste Standort einer Börse im eigentlichen Sinne, ist aber mittlerweile durch München überflüssig geworden. Vorerst bieten die kleineren Standorte noch einige Vorteile. Dies gilt vor allem für regional tätige Unternehmen, die auf dem großen Parkett nicht genügend Kapital anziehen könnten. Doch im Zuge der Globalisierung und der Verbreitung des elektronischen Handels wird der eigentliche Standort einer Börse immer unwichtiger werden, weswegen nach Ansicht vieler Finanzexperten letztlich nur die größten überleben werden.

Was sind Arbitragegeschäfte?

Im Zusammenhang mit der Börse liest und hört man immer wieder von sogenannten Arbitragegeschäften, die besonders risikolos sein sollen. Im Prinzip nutzt man dabei einfach unterschiedliche Preise aus, die für identische Waren auf unterschiedlichen Märkten erzielt werden können. Wird beispielsweise ein bestimmtes Produkt in Hongkong billiger gehandelt als in New York, kann man ohne großes Risiko große Mengen des Produktes in Hongkong kaufen und gleichzeitig in New York verkaufen. Arbitrage funktioniert allerdings immer nur vorübergehend, da sich diese Preisunterschiede (die oft nur gering sind und sich daher nur bei großen Mengen bemerkbar machen) früher oder später angleichen. Durch den elektronischen Handel, der die Abwicklung von Kauf und Verkauf in Sekundenschnelle ermöglicht, ist Arbitrage heute eine oft anzutreffende Variante des Börsenhandels.

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Hier schreibt Thomas Gödert

Online-Redakteur Finanzen. Arbeitet seit 2012 bei BergMedia.net. Thomas Gödert ist auch auf Google+ und Twitter aktiv.
Kategorie: Depot

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