Cost of Cash Studie 2013: 12,5 Milliarden Euro pro Jahr kostet Bargeld in Deutschland

viele GeldscheineVon wegen, Bargeld kostet nichts! Eine Studie der Steinbeis-Hochschule berechnet zum ersten Mal die tatsächlichen Kosten, die durch die Bereitstellung und Verwendung von Bargeld im täglichen Leben entstehen. Die wahren Kosten liegen demnach bei ca. 150 Euro pro Person und Jahr. In der von der von der Berliner Steinbeis-Hochschule vorgestellten Studie wurde erstmals alles zusammengerechnet, was die Verwendung und Bereitstellung der unterschiedlichen Zahlungsmittel insgesamt kostet. Bisher wurden oft nur diejenigen Kosten betrachtet, die bei den Banken und Geldinstituten entstehen.

Nachteile von Bargeld aus volkswirtschaftlicher Sicht

Allein die volkswirtschaftlichen Kosten belaufen sich laut Studie auf rund 8 Milliarden Euro. Zu diesem Posten gehören zum einen die Herstellung, zum anderen die Haltungskosten bei Privatpersonen. In der Herstellung teilen sich die meisten Aufwendungen in die Produktionskosten, Bearbeitungskosten, Transportkosten und Bewachungskosten auf.

Auf der Privatseite entstehen jedoch ebenfalls Kosten, die oft nicht bedacht werden: Allein durch die Lagerung zuhause entstehen negative Zinseffekte, die in vielen Fällen nicht nötig sind. Deswegen raten alle Finanzberater zu Recht, nicht übermäßig viel Geld „auf der hohen Kante“ zu haben. Nicht nur, dass die Entwendung aus dem Haus, der geheimen Schublade oder auch dem privaten Safe einfacher ist, als bei einer Bank, auch verliert Geld durch die Inflation täglich an Wert. Dem kann nur durch eine zinsbringende Kapitalanlage entgegengewirkt werden.

Nirgends ist Geld so unsicher wie zu Hause!

Ein EinbrecherAuch wenn vor allem die ältere Generation gerne mit der Begründung der Sicherheit größere Geldmengen zuhause lagert, ist dies einer der unsichersten Orte für Geld. Denn: Geld und andere Wertgegenstände sind fast immer nur zu 20% bis 25% von der Hausratversicherung abgedeckt. Entwendet ein Dieb oder Räuber die zu Hause liegenden Bargeldreserven, wird der festgestellte Schaden nur unzureichend reguliert. Bedenkt man zusätzlich die negativen Zinseffekte, zeigt sich, wie gefährlich ein derartiges Verfahren ist.

Auch Geldinstitute haben immense Kosten

Die „kostenlose Bargeldversorgung“, die viele Banken für ihre Kunden per Girokonto anbieten ist für sie in jedem Fall ein Minusgeschäft. Die Studie der Steinbeis-Hochschule hat ergeben, dass jährlich allein für den Umgang mit Bargeld und der Zurverfügungstellung seitens der Banken insgesamt 6,5 Milliarden Euro aufgewendet werden muss. Diese Kosten entstehen natürlich durch den Transport und Transfer zwischen den Banken, aber auch durch die Bereitstellung der Auszahlungsautomaten.

Die deutsche Liebe zu Bargeld

Die Liebe zu BargeldManch einer ist sich dieser Kosten gar nicht bewusst. Das ist auch daran zu sehen, dass die Deutschen nach wie vor eine besondere Liebe zu Bargeld haben. Vor allem Einzelhändler sind durch die Notwendigkeit genügend Bargeld als Wechselgeld bereitzuhalten und durch die Cash-Leidenschaft der Deutschen die Leidtragenden dieses Systems. Durch effizientere Zahlungsmethoden und Systeme könnte ein Teil der 150€ Bargeldkosten pro Person und Jahr eingespart werden, so Prof. Kleine.

Kartennutzung als Vorteil für Banken und Verbraucher

Die Gesamtkosten bargeldloser Zahlungssysteme wie Kreditkarten, EC-Karten oder Debitkarten belaufen sich laut der Studie aktuell bei lediglich auf 10% der 12,5 Milliarden Euro. Würden vermehrt Karten zur Zahlung genutzt, könnten vor allem die Kosten für die Produktion und Verteilung des Geldes eingespart werden.

Auch die Verbraucher haben einen besonderen Vorteil durch die Verwendung von Karten: Sie können die negativen Zinseffekte minimieren. Verwendet man etwa vor allem eine Kreditkarte, welche Zinsen auf ihr Guthaben gewährt, gleicht dies schon beim normalen Umlaufgeld die Inflationsentwertung auf.

Gespannt auf Querschnittdaten

Nachdem diese Studie ein erstes Mal angestoßen wurde, bleibt zu hoffen, dass sie in regelmäßigen Abständen wiederholt wird. Die daraus entstehenden Erkenntnisse über die Entwicklung des Zahlungsverhaltens und der volkswirtschaftlichen Kosten sind für mich persönlich ein sehr spannendes Feld.

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Hier schreibt Georg Hartmann

Georg Hartmann publiziert seit 2009 Fachinformationen zu Finanzthemen.
Kategorie: Girokonto

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