Der aktuelle Stand der SEPA-Umsetzung in Deutschland

Single Euro Payment Area wird neuer Standard im Jahr 2014SEPA (Single Euro Payment Area), das Verfahren für einen europaeinheitlichen bargeldlosen Zahlungsverkehr tritt am 1. Februar 2014 in allen Euro-Ländern in Kraft. Der europäische Zahlungsverkehrsraum dient der Stärkung des europäischen Binnenmarktes. Der Übergang zum SEPA-System erfordert etliche Umstellungen wie die Veränderung von Briefköpfen, die Anpassung von IT-Systemen und die Integration der SEPA-Lastschriftprozesse. Noch haben jedoch bei weitem nicht alle Unternehmen, Vereine und öffentliche Verwaltungen die technischen Voraussetzungen für einen SEPA-Start geschaffen.

Die SEPA-Umstellung könnte auf den 1. August 2014 verschoben werden!
Das geht aus einer Pressemeldung der Bundesbank hervor.

Kritische Einschätzung der deutschen Bundesbank

1. Februar 2014 ist SEPA StichtagAm 19. Dezember 2013 zog Bundesbankvorstand Carl-Ludwig Thiele eine kritische Zwischenbilanz zu den SEPA-Vorbereitungen in Deutschland: Im November 2013 seien erst 32 Prozent (Oktober: 21 Prozent) aller Überweisungen im SEPA-Format durchgeführt worden. Von den täglich 25 Millionen Überweisungen in Deutschland mit einem Gesamtvolumen von 227 Milliarden Euro erfolgten 17 Millionen noch nach dem alten Standard.

Besondere Probleme bei der Vorbereitung des SEPA-Lastschriftverfahrens

Im November 2013 seien sogar nur zehn Prozent aller Lastschriften (Oktober: drei Prozent) nach den SEPA-Regeln durchgeführt worden. Ab dem 1. Februar benötigen Lastschriften einreichende Unternehmen eine Gläubiger-Identifikationsnummer („Creditor Identifier“), sie sie zuvor online bei der deutschen Bundesbank beantragen müssen. Die Deutschen Bundesbank hat bisher jedoch erst 1,25 Millionen Gläubiger-Identifikationsnummern vergeben, obwohl es nach Angaben des Statistischen Bundesamtes 580.000 Vereine und 3,6 Millionen Unternehmen in Deutschland gibt. Wenngleich nicht alle von ihnen das Lastschriftverfahren nutzen, ist nach Einschätzung der Deutschen Bundesbank von einem erheblichen Anteil noch nicht vorbereiteter Teilnehmer am Lastschriftverfahren auszugehen. Ohne Lastschrift-Identifikationsnummer werden jedoch Lastschriften künftig von den Kreditinstituten nicht mehr bearbeitet. Dabei ist gerade der deutsche Lastschriftverkehr von außerordentlich großer Bedeutung: Täglich werden hierzulande 35 Millionen Lastschriften über 52 Milliarden Euro und damit 47 Prozent des gesamteuropäischen Lastschriftverkehrs abgewickelt.

Stand der europaweiten SEPA-Umsetzung

Gemäß dem Ende Oktober veröffentlichten siebten „Fortschrittsbericht“ der EZB wurden im August 2013 im Euroraum erst 9,3 Prozent aller Überweisungen und weniger als ein Prozent aller Lastschriften im SEPA-Format verarbeitet.

Guter Vorbereitungsstand bei öffentlichen Verwaltungen und Kreditinstituten, aber Sorge um die KMU

Die Europa FlaggeSorgen macht sich die Deutsche Bundesbank um die SEPA-Vorbereitung kleiner und mittlerer Unternehmen. Während Konzerne mit hohem Zahlungsverkehrsaufkommen sowie öffentliche Verwaltungen relativ weit mit ihren SEPA-Vorkehrungen seien, lägen KMU allgemein deutlich und hinsichtlich des Lastschriftverfahrens sogar bedenklich weit zurück. Die Bundesbank drängt daher zu einer rascheren Vorbereitung: Eine Fristverlängerung über den 1. Februar hinaus werde es keinesfalls geben. Hingegen bescheinigt die Deutsche Bundesbank den Kreditinstituten, dass sie bereits alle notwendigen Vorkehrungen für SEPA-Überweisungen und SEPA-Lastschriften getroffen hätten.

Verbraucher: Keine speziellen Vorbereitungen erforderlich

Verbraucher müssen grundsätzlich keine besonderen Vorkehrungen treffen. Zudem gilt für Überweisungen von Verbrauchern eine Übergangsfrist für Inlandsüberweisungen bis zum 1. Februar 2016. Die europäische Kontonummer IBAN (International Bank Account Number) wird im Onlinebanking unter den persönlichen Daten aufgeführt und ist außerdem auf Kontoauszügen und auf der EC-Karten-Rückseite aufgedruckt. Eine im Auftrag der Deutschen Bundesbank durchgeführte repräsentative Umfrage hat ergeben, dass 84 Prozent aller Verbraucher der Begriff „SEPA“ und über 90 Prozent die IBAN bekannt sei. Allerdings haben erst die Hälfte aller Bankkunden eine EC-Karte mit einem Aufdruck von IBAN und internationaler Bankleitzahl BIC erhalten.

Gefahren bei mangelhafter Vorbereitung auf SEPA

Achtung!Schon Mitte 2013 warnte die Deutsche Bundebank vor einem Chaos bei ungenügender SEPA-Vorbereitung: Es sei absehbar, dass dann z. B. Gehaltszahlungen nicht rechtzeitig ausgeführt werden könnten. Banken und Bankenaufsichtsbehörde BaFin wiesen auf die Gefahr möglicherweise auch existenzgefährdender Liquiditätsprobleme für Unternehmen hin.

Wer ist zuständig für eine ausreichende SEPA-Vorbereitung?

Die Deutsche Bundesbank hat zwar für 200 Mitarbeiter Urlaubssperren zwischen Mitte Januar und Mitte März vorbereitet. Doch ist die Bundesbank nur für die Sicherstellung eines reibungslosen Zahlungsverkehrs zuständig. Die Umstellungsverantwortung liegt hingegen bei den Kreditinstituten und vor allem bei den Zahlungsverkehrsteilnehmern. Eine intensive Informationsarbeit hält die Deutsche Bundesbank daher unverändert für dringend nötig.

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Hier schreibt Mischa Berg

Mischa Berg ist Herausgeber von Bankenvergleich.de und veröffentlicht seit 2007 News und Kommentare zur Geldanlage in Tagesgeld und Festgeld. Mischa Berg ist auch auf Google+ und Facebook aktiv.
Kategorie: Girokonto

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