Der Leitzinsentscheid vom 2. Oktober 2014

Für den Euro ziehen dunkle Wolken aufHeute hat sich der Rat der Europäischen Zentralbank in Neapel getroffen und über die zukünftige Geldpolitik beraten. Dabei wurde beschlossen, die Leitzinsen unverändert zu lassen. Neben den Leitzinsen stehen aber weitere Maßnahmen der EZB im Fokus.


  • Zinssatz für die Hauptrefinanzierungsgeschäfte: 0,05%
  • Zinssätze für die Spitzenrefinanzierungsfazilität: 0,30%
  • Einlagefazilität:-0,20%

Die Bedeutung der einzelnen Werte erklären wir in der Artikelserie zur Europäischen Zentralbank


Die bisherige Geldpolitik zeigt kaum Wirkung!

gehen die Pläne der Zentralbank über das Mandat hinaus?

Über die Geldpolitik der Europäischen Zentralbank wird derzeit nicht viel Gutes berichtet. Kritiker meinen, dass die Zentralbank mit ihren konventionellen Mitteln, der Steuerung über die Leitzinsen, keine wirkungsvollen Optionen mehr zur Verfügung hat. Die letzte Senkung des Hauptrefinanzierungssatzes auf 0,05%  wurde deshalb bestenfalls als Signal ohne reale Wirkung verstanden. Auch der Strafzins für Banken wurde im September  noch einmal verschärft. All diese Maßnahmen dienen dem Zweck die Kreditvergabe der Banken an die Wirtschaft anzukurbeln, dadurch die Wirtschaft zu beleben und die stetig sinkende Inflation auf den angestrebten Kurs zu bringen.

EZBDie zentrale Aufgabe der EZB ist die Wahrung der Preisstabilität. Doch dieses Ziel kann die Zentralbank aktuell nicht erreichen. In den vergangenen Monaten ist die Inflationsrate immer weiter gesunken (Disinflation). Hinzu kommt mittlerweile noch, dass sich die wirtschaftlichen Aussichten und das Konsumklima eintrüben. Konnte die Börse bisher von der anhaltenden Niedrigzinspolitik profitieren, geraten die Kurse jetzt unter Druck. Die Lage wird nicht besser, sie verschlechtert sich spürbar.

Mario Draghi, der Präsident der Europäischen Zentralbank, ist sicher gefestigt genug, mit dieser Kritik umzugehen. Zudem gibt es trotz der jetzigen Lage auch genügend Beobachter, die der Meinung sind, die EZB habe trotz allem einen guten Job gemacht. Sie habe durch ihre Kommunikation und durch ihre Maßnahmen der Politik Zeit verschafft, um wichtige Reformen angehen und umsetzen zu können. Deshalb bekommt nicht nur die Zentralbank Schelte, sondern auch die Politik. Denn die habe die ihr verschaffte Zeit nicht genutzt und jetzt ist mit den konventionellen Maßnahmen keine Steuerung mehr möglich. Doch wer sagt, die EZB habe ihr Pulver schon verschossen, der wird wohl bald Lügen gestraft. Mario Draghi hatte schon einige Zeit zuvor auch unkonventionelle Maßnahmen angekündigt und sein Statement, alles zu tun um den Euro zu retten, hat noch immer Gültigkeit.

Ein Fass ohne BodenZu diesem Zweck plant die EZB Anleihenkäufe (ABS-Papiere). Darin sehen  die deutschen Verfassungsrichter ein Problem, weil sie bezweifeln, dass diese Art der Geldpolitik noch durch das Mandat der Zentralbank abgedeckt wird. Aus Sicht der Zentralbank bewegt sie sich dabei durchaus im Rahmen ihres Mandats, denn neben der Preisstabilität verfolgt die Zentralbank auch sekundäre Ziele und dazu zähle auch die Unterstützung der Wirtschaftspolitik der Europäischen Union.

Um die Banken wieder für die Kreditvergabe an die Wirtschaft zu befähigen, will die EZB ihnen einen Teil der laufenden Kredite abnehmen, damit diese, befreit von den Risiken der alten Kredite, erneut Kredite vergeben und somit auch die Wirtschaft in Gang kommt. Ein weiterer Vorwurf besteht darin, dass durch die Tatsache, dass die EZB den Banken einen Teil ihrer (risikoreichen) Kredite abnimmt, damit sogleich die Risiken sozialisiert. Die Steuerzahler tragen dann das Risiko und zahlen letztendlich die möglichen Verluste. Ein Dilemma, denn wer dieABS Papiere ablehnt, nimmt zugleich in Kauf, dass die wirtschaftliche Entwicklung nicht in Schwung kommt. Als Bank kann man anscheinend wenig falsch machen. Es geht nicht ohne sie, aber mit ihnen geht es gerade nur auf staatlich gepflegten und gepflasterten Wegen.

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Auswirkungen auf Tagesgeld, Festgeld und Kredite

verschiedene Euro GeldscheineDie niedrigen Leitzinsen haben die Rendite für kurzfristige Geldanlagen wie Tagesgeld in den vergangenen Monaten beharrlich sinken lassen. Auch im vergangenen Monat gab es wieder einige Zinssenkungen, hier vor allem bei den Festgeldern. Weil auch die Inflation niedrig ist, kann der Sparer immer noch eine kleine Rendite mit diesen Anlagen erwirtschaften. Für Sparer heißt das, am Ball zu bleiben und regelmäßig die besten Angebot zu nutzen.

Im Bereich der Kredite sind die Zinsen ebenso stetig am Sinken. Bei den Dispositionskrediten haben die Banken zum Teil die Zinsen gesenkt.

Während sich die Kreditnehmer über die günstigen Zinsen freuen, warten die Sparer auch eine Trendwende und ärgern sich über die Mini-Zinsen. Bei der derzeitigen Entwicklung rückt dieser Zeitpunkt aber immer weiter nach hinten.

Reaktionen..

focus.de: Ifo-Chef Sinn teilt aus: „EZB setzt Vermögen von Menschen aufs Spiel“
welt.de: Frankreich probt Aufstand gegen EZB-Chef Draghi
dw.de: Kritik an EZB-Chef Draghi wächst (offline)

reuters.com: EZB-Vize verteidigt Wertpapierkäufe gegen Kritik aus Deutschland

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Hier schreibt Thomas Gödert

Online-Redakteur Finanzen. Arbeitet seit 2012 bei BergMedia.net. Thomas Gödert ist auch auf Google+ und Twitter aktiv.
Kategorie: Festgeld, Kredit, Tagesgeld

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