Der Leitzinsentscheid vom 04. September 2014

Die EZB PressekonferenzAuf seiner Sitzung in Frankfurt hat der EZB-Rat heute erneut die Leitzinsen gesenkt. Der Referenzzinssatz für Tagesgeld und Festgeld liegt jetzt auf dem historischen Tiefststand von 0,05%. Auch der Strafzins für Banken wurde geändert und liegt jetzt bei -0,20%.


  • Zinssatz für die Hauptrefinanzierungsgeschäfte: 0,05%
  • Zinssätze für die Spitzenrefinanzierungsfazilität: 0,30%
  • Einlagefazilität:-0,20%

Die Bedeutung der einzelnen Werte erklären wir in der Artikelserie zur Europäischen Zentralbank


Die Suche nach Instrumenten für die Steuerung der Geldpolitik geht weiter

Während die Zentralbank noch immer mit der Bewältigung der Folgen der Finanz- und Staatsschuldenkrise beschäftigt ist, droht durch die Krise in der Ukraine und in anderen Teilen der Welt neues Ungemach. Durch niedrige Leitzinsen und das billige Notenbankgeld hatte die EZB den Staaten und Banken zuvor Zeit verschafft, um die Probleme in den Griff zu bekommen. Dabei gab es Kritik, die Zentralbank agiere in Bereichen, die außerhalb ihres Mandats liegen. Doch die wirtschaftliche Lage hat sich nicht signifikant gebessert, die Inflation ist weiterhin rückläufig und weit entfernt von den selbst gesteckten Zielen der Zentralbank. Zuletzt bemühte der Präsident der Europäischen Zentralbank die Daten zur Kerninflation. Im Vergleich zur Inflation waren die leicht besser und nach Ansicht der Zentralbanker mehr geeignet, um die langfristige Entwicklung aufzuzeigen. Zudem konnte man so Spekulationen über eine drohende Deflation den Wind aus den Segeln nehmen.

Die Kreditvergabe kommt nicht zum Laufen. Auch die Senkung der Leitzinsen und der Strafzins für Banken scheinen (noch) keine Wirkung zu zeigen. Weiter an den Leitzinsen zu schrauben schien kaum noch möglich und eigentlich erwartete auch niemand, dass durch eine weitere Senkung überhaupt noch eine Wirkung erzielt werden kann, so nahe an der Null. Die heutige Senkung dürfte auch Experten überraschen und eine große Wirkung dieser Maßnahme ist nicht zu erwarten. Deshalb müssen andere Instrumente her, um die Wirtschaft auf einen positiven Kurs zu bringen. Den Banken ist das Risiko für weitere Kredite wohl zu hoch und angesichts der Krisen ist die Bereitschaft der Unternehmen zu investieren gedämpft.

EZBDie EZB hat Pläne, durch Kreditverbriefungen, den Banken Unternehmenskredit abzukaufen und sie so zur erneuten Kreditvergabe zu bewegen. Weiterhin könnte die Bank durch Staatsanleihenkäufe einen Stimulus setzten. Quanttative Lockerung heißt dieses Konzept, das von anderen Notenbanken schon eingesetzt wurde. Die Mittel der EZB zur Steuerung der Geldpolitik weichen immer mehr von den üblichen Maßnahmen ab. Daran lässt sich ablesen, wie schwierig die Lage ist. Ob diese Politik zum Erfolg führen wird, bleibt angesichts der negativen Wirkung auf die Wirtschaft, die etwa der Konflikt mit Russland mit sich bringt, ungewiss.

Marktlage für Tagesgeld, Festgeld und Kredite

Die Zinsen fallen!Seit geraumer Zeit begleiten den Sparer Meldungen über Zinssenkungen. Diese sinken immer nur um wenige Prozentpunkte, aber stetig. Solange die EZB im Krisenbewältigungsmodus gefangen ist und der Leitzins gegen Null tendiert wird sich dieser Prozess weiter fortsetzen.

Im Bereich von Tagesgeld liegt der höchste Zinssatz, den Bestandskunden und Neukunden gleichermaßen beanspruchen können derzeit bei 1,20% gerechnet auf das Jahr. Die meisten Angebote richten sich aber an Neukunden. Maximal 1,40% Zinsen p.a. sind drin. Dieser Zinssatz gilt allerdings nur für vier Monate und der Zins, der anschließend gezahlt wird, ist deutlich geringer. Ebenfalls mit einem Neukundenangebot, hier allerdings mit einer Zinsgarantie von 12 Monaten, fällt die Cortal Consors Bank auf. Auch sie zahlt ihren Neukunden 1,20% Zinsen.

Im Bereich der Festgelder bekommt der Kunde derzeit für die Laufzeit von 12 Monaten maximal 1,50% Zinsen gerechnet auf das Jahr ausgezahlt. Die Angebote stammen von Banken aus Österreich. Allesamt Töchter russischer Banken. Die anhaltenden Konflikte in der Ukraine, das Embargo gegen Russland führen bei den Anlegern zu Verunsicherungen. Formal sind das österreichische Banken und damit vom Embargo nicht betroffen und durch die europäische Einlagensicherung abgesichert. Selbst die Stiftung Warentest sieht keinen Grund zur Sorge für die Bestandskunden dieser Banken, doch es bleibt ein bitterer Beigeschmack.

Im Bereich der Kredite sinken die Zinsen weiterhin leicht. Zahlreiche Banken haben für Konsumentenkredite und für Autokredite die Konditionen im Sinne der Kunden verbessert. Das niedrige Zinsniveau führt auch weiterhin zur Senkung der Dispositionskredite.

Pressestimmen

spiegel.de :Krisenbekämpfung: EZB senkt Leitzins weiter – auf 0,05 Prozent

welt.de: EZB senkt Leitzins überraschend auf 0,05 Prozent

zeit.de: EZB senkt Leitzins fast auf null

sueddeutsche.de: Draghis gefährliche Notbremsung

wirtschaft.com: Europarechtler – EZB überschreitet ihre Befugnisse

Bildquelle:

© EZB; © Kristijan Caprdja – Fotolia.com; © VERSUSstudio – Fotolia.com

Hier schreibt Thomas Gödert

Online-Redakteur Finanzen. Arbeitet seit 2012 bei BergMedia.net. Thomas Gödert ist auch auf Google+ und Twitter aktiv.
Kategorie: Festgeld, Kredit, Tagesgeld

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