Leitzinsen gesenkt 
Der Leitzinsentscheid vom 10. März 2016

Der Neubau der EZB in FrankfurtDie Zweifel an der Wirksamkeit, und damit die Kritik am Kurs der EZB wird immer lauter! Denn je länger die Zentralbank ihre lockere Geldpolitik fortsetzt und immer wieder ausweitet, um den stockenden wirtschaftlichen Aufschwung und die niedrige Inflation auf den gewünschten Kurs zu bringen, desto größer werden auch die Erwartungen. Was fehlt, ist eine Erfolgsmeldung!


Die Leitzinsen der EZB vom 10. März 2016 im Überblick

  • Zinssatz für die Hauptrefinanzierungsgeschäfte: 0,00%
    (um 5 Basispunkte gesenkt)
  • Zinssätze für die Spitzenrefinanzierungsfazilität: 0,25% 
    (um 5 Basispunkte gesenkt)
  • Einlagefazilität: -0,40% (um 10 Basispunkte gesenkt)

Die Bedeutung der einzelnen Werte erklären wir in der Artikelserie zur Europäischen Zentralbank. Für eine Übersicht der bisherigen Leitzinsentscheide folgen sie dem Verweis!!


Viele Interessengruppen stellen Ansprüche an die Politik der EZB

Ist der Euro stabil?Laut Mandat ist die EZB der Preisstabilität verpflichtet. Doch die Auswirkung, die von dieser Geldpolitik ausgehen, zeigen sich in den verschiedensten Bereichen positiv oder negativ. In den vergangenen Monaten haben vor allem die Aktienkurse vom billigen Geld der Zentralbank profitiert. Die niedrigen Leitzinsen und die massenhaften Ankäufe von Staatsanleihen waren hier ein gern gesehener Stimulus. Die Märkte sind verwöhnt und jedes Wort aus dem Dunstkreis der EZB wird zugleich analysiert und gedeutet. Solange die Botschaft auf einen Fortbestand der lockeren Geldpolitik hindeutet, ist diese Interessengruppe zufrieden. Immer wenn einer der Marker, an dem der Erfolg der Maßnahmen der EZB gemessen wird, sich negativ entwickelt, wird der Ton im Vorfeld schärfer. So in der Art: „Jetzt muss Draghi handeln“ oder: „Wird Draghi jetzt liefern„. Selbst wenn die EZB „liefert“ zeigen sich die Märkte oft unzufrieden und hätten mehr erwartet, was schon mal zu Turbulenzen und Kurseinbrüchen führen kann.

Eine andere Interessengruppe hat durch die anhaltenden Niedrigzinsen und vor allem durch die negative Einlagenfazilität ein Problem ihre Geschäfte wie bisher fortzuführen. Das sind Banken, die für die Masse der Einlagen ihrer Kunden einen Strafzins an die EZB entrichten müssen. Früher und das ist der entscheidende Unterschied, gab es für dieses Geld Zinsen von der EZB. Jetzt wird das Geld zur Last, zum Kostenfaktor. Bisher haben die Banken hingenommen, dass ihnen diese Einnahmequelle weggebrochen ist. Die Negativzinsen an die Kunden weiterzugeben birgt allerdings das Problem, dass die Kunden dann auf Bargeld ausweichen und sich unter Umständen aus Ärger gleich von der Bank abwenden. Ohne Kunden lässt sich allerdings auch schlecht ein Geschäft machen. Kein Wunder, dass die Banken jetzt gerade nicht an Kritik sparen, wenn es zur Disposition steht, den Strafzins für Einlagen bei der Zentralbank noch einmal zu verschärfen. Die Politik des billigen Geldes sollte die Banken dazu bewegen, mehr Kredite an Unternehmen und Verbraucher zu vergeben. Doch auch hier musste die Zentralbank lange auf Erfolge warten. Weder die Nachfrage noch die Vergabe war zufriedenstellend. Mittlerweile hat sich das zum Positiven hin geändert. Jetzt sehen einige die Gefahr, dass die Banken ihre Vergabekriterien bei Krediten zu sehr lockern, nur um weniger Strafzinsen zahlen zu müssen. Eine andere Möglichkeit wäre es, die Kosten über höhere Kreditzinsen an die Verbraucher weiterzureichen. Das hätte wiederum eine nachteilige Wirkung auf die Nachfrage.

Gruppenfoto: ECB General Council 2016Auch innerhalb des EZB-Rats gibt es unterschiedliche Interessengruppen. Schließlich unterscheidet sich die Wirtschaftskraft der einzelnen Mitgliedsländer deutlich voneinander und somit haben die Vertreter der einzelnen Länder unterschiedliche Auffassungen über die richtigen Maßnahmen der Europäischen Zentralbank.

Mario Draghi weist in seinen Pressekonferenzen regelmäßig darauf hin, dass er weder den Märkten, den Banken noch den Staatshaushalten verpflichtet ist, sondern ausschließlich der Preisstabilität. Doch das selbstgesetzte Inflationsziel von ca 2,00%, wird die Zentralbank aufgrund der schwachen Konjunktur und des Ölpreisverfalls nicht so schnell erreichen. In der Sitzung zuvor hatte der Präsident der Europäischen Zentralbank festgestellt, dass die Abwärtsrisiken zunehmen. Trotz der Unsummen, die ständig in das System gepumpt werden, bleiben die Erfolge aus. Kritiker werfen der EZB deshalb vor, es sei falsch an dieser Zielmarke festzuhalten. Wenn die EZB ihr Inflationsziel korrigieren würde, wäre das auch eine Möglichkeit aus der ultralockeren Geldpolitik auszusteigen, die wenig bewirkt und mittlerweile mehr und mehr Risiken produziert. Andere fürchten, dass die EZB durch Abkehr von diesem Ziel an Glaubwürdigkeit verliert, was ebenso zu Turbulenzen und Überreaktionen führen könnte.

Der Sparer hat leider keine Vertreter, die so lautstark für seine Interessen eintreten und das Stimmungsbild entsprechend beeinflussen. Am besten ist es deshalb, selbst für die eigenen Interessen einzutreten und sich selbst ausreichend um das Ersparte und den Vermögensaufbau zu kümmern.

Die Beschlüsse des EZB-Rats im März 2016

Mario Draghi 12/2015In der heutigen Sitzung hat der EZB-Rat beschlossen, die Leitzinsen zu senken. Der Zinssatz für die Hauptrefinanzierungsgeschäfte wurde auf 0,00 % gesenkt. Das ist der Zinssatz, zu dem sich die Banken Geld bei der EZB leihen können. Geld bekommen die Banken von der EZB jetzt quasi umsonst. Aber weder dieser Wert, noch die leichte Senkung des Zinssatzes für die Spitzenrefinanzierungsfazilität dürfte den Banken große Sorge bereiten. Eher die Tatsache, dass die Banken für Einlagen einen höheren „Strafzins“ zahlen müssen, ist eine schlechte Botschaft für diese Interessengruppe. Das dürfte einige Banken dazu Bewegen, ihr Geschäftsmodell auf den Prüfstand zu stellen, um die höheren Kosten anderweitig zu erwirtschaften.

Die Ausweitung des QE-Programms ist die eigentliche Nachricht dieser Sitzung. Bisher musste dafür die Pressekonferenz abgewartet werden, um an diese Informationen zu gelangen. Diesmal wurde die Ausweitung des Kaufprogramms gleich in der sonst eher kurzen Pressemeldung vor der Pressekonferenz angekündigt. Wer einen Blick auf den Kursverlauf des DAX nach 13.45 Uhr wirft, kann sehen, dass diese Nachricht von den Märkten durchaus positiv aufgenommen wurde.

Die Lockerungen fallen diesmal deutlicher aus, als zuvor erwartet wurde. Auch wenn die Senkung der Leitzinsen an sich eher eine Bekräftigung dafür darstellt, dass die EZB an ihren Zielen festhält und an ihrem Kurs, das gesteckte Inflationsziel zu erreichen. Die EZB sieht eine schwache, aber allmähliche Erholung der Wirtschaft. Die Zinsen werden deshalb noch lange niedrig bleiben und die Zentralbank geht davon aus, dass die Inflation sich langfristig in Richtung der Zielmarke bewegen wird, auch wenn kurzfristig mit negativen oder niedrigen Inflationsraten zu rechnen ist.

Es mangelt uns nicht an Munition!

Mit diesem Satz unterstreicht Herr Draghi, dass die EZB auch zukünftig Mittel hat, um Geldpolitik zu betreiben. Das aktuelle Maßnahmenpaket sei ein gutes Beispiel dafür. Er betonte, dass die getroffenen Maßnahmen Zeit brauchen, um ihre Wirkung zu entfalten. Aus Sicht der EZB zeigen die bisherigen Maßnahmen ihre Wirkung. Ohne die bisherige Geldpolitik hätte es in der Eurozone sonst eine desaströse Deflation gegeben, so der Präsident, der Europäischen Zentralbank.

Inflation

  • Deutschland: 0,00 % im Februar (vorher: 0,50 % für Januar)
  • Euro-Zone: geschätzt wird – 0,20 % im Februar (vorher: 0,30 % für Januar)

Auswirkungen auf die Zinsen von Sparprodukten wie Tagesgeld oder Festgeld

Wenn wir einen Blick auf die Zinsmeldungen für Festgeld oder Tagesgeld seit der letzten Sitzung der EZB vor sechs Wochen werfen, sehen wir, dass es eigentlich nur Zinssenkungen zu vermelden gab. Das ist wenig verwunderlich, denn der Bedarf an Kundeneinlagen der Banken ist dank der negativen Einlagenfazilität eher gering und wenn die Banken die Gelder nutzen, um Kredite an Kunden zu vergeben, ist der Spielraum für höhere Zinsen aufgrund der ebenfalls niedrigen Kreditzinsen eher klein.

Auf die Zinsen achtenEin Blick auf das aktuelle Zinsbild, das pro Kalenderwoche immer den jeweiligen Spitzenzinssatz ausweist, zeigt aber, dass das Zinsniveau zwar allgemein niedrig ist, die Spitzenzinsen von heute unterscheiden sich allerdings nur um wenige Basispunkte von den besten Zinsen, die sich Sparer vor einem Jahr sichern konnten. Sparer, die bereit waren, ihr Tagesgeldkonto nach Ablauf der Zinsgarantie zu wechseln oder Festgeldsparer, die am Ende der Laufzeit ihrer Geldanlage aktiv waren und wieder ein Sparkonto bei einem aktuellen Top-Anbieter abgeschlossen haben, mussten sich nicht über sinkende Zinsen ärgern. Daraus lässt sich doch die Lehre ziehen, dass es einen Vorteil bringt, wenn Sparer sich regelmäßig um ihre Sparkonten kümmern.

Auch die Inflationrate ist im Februar 2015 mit 0,10 % kaum höher gewesen als im Februar 2016. Der vorläufige Wert wird mit 0,00 % errechnet. Bis Mai 2015 war der Wert zwar bis 0,70% angestiegen doch fiel dieser im im folgenden Monat deutlich ab und erreichte im September 2015 die Nulllinie. Bis zum Januar 2016 war der Wert wieder auf 0,50 % geklettert, bevor er jetzt erneut deutlich eingebrochen ist.

Insgesamt ist die schwächelnde Inflation zwar nicht im Interesse der Sparer, denn der Wert spiegelt ja die schlechte Konjunktur wieder und das hat schließlich langfristig eine negative Auswirkung auf Löhne und Gehälter. Für die Rendite der eigenen Geldanlage hat die niedrige Inflation aber seine Vorteile, denn der Kaufkraftverlust muss üblicherweise von den erwirtschafteten Zinsen abgerechnet werden, um die Realrendite zu ermitteln. Aktuell entspricht der Zins der Rendite und somit ist der Ertrag von Tagesgeld und Festgeld gerade höher als allgemein angenommen.

Im Alltag verliert der Sparer seine Konten gerne aus dem Blick! Wer eine regelmäßige Erinnerung an seine Konten und an aktuelle Konditionen für Tagesgeld und Festgeld möchte, kann sich für unseren Newsletter eintragen.


Bildquelle:

© ecb – flickr; © Marcel Schauer – Fotolia.com; © fovito – Fotolia.com;

Hier schreibt Thomas Gödert

Online-Redakteur Finanzen. Arbeitet seit 2012 bei BergMedia.net. Thomas Gödert ist auch auf Google+ und Twitter aktiv.
Kategorie: Depot, Festgeld, Kredit, Tagesgeld

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