EZB kauft Firmenanleihen 
Der Leitzinsentscheid vom 2. Juni 2016

European Central Bank - Governing Council meeting June 2016Auf der Sitzung des EZB-Rats Anfang Juni 2016 hat die Zentralbank die Leitzinsen nicht weiter angetastet. Im Fokus stehen eher das bereits laufende Wertpapier-Kaufprogramm und die Ankündigungen zum Umfang der Käufe von Firmenanleihen, mit denen die EZB in diesem Monat beginnen möchte.


Die Leitzinsen der EZB vom 02. Juni 2016 im Überblick

  • Zinssatz für die Hauptrefinanzierungsgeschäfte: 0,00%
    (im März 2016 um 5 Basispunkte gesenkt)
  • Zinssätze für die Spitzenrefinanzierungsfazilität: 0,25%
    (im März 2016 um 5 Basispunkte gesenkt)
  • Einlagefazilität: -0,40% (im März um 10 Basispunkte gesenkt)

Die Bedeutung der einzelnen Werte erklären wir in der Artikelserie zur Europäischen Zentralbank. Für eine Übersicht der bisherigen Leitzinsentscheide folgen sie dem Verweis!!


Wo bleibt die Konjunkturerholung?

Wie entwickelt sich der ölpreis?Die aktuelle Geldpolitik der EZB wird allgemein als „ultra-locker“ bezeichnet. Die Leitzinsen sind sehr niedrig und die zusätzlichen Maßnahmen der Zentralbank – wie etwa der Kauf von Wertpapieren –  fluten die Märkte mit billigem Geld. Die Erfolgsmeldungen fallen aber eher Bescheiden aus. Die Medizin wirkt langsam, und wenn sich der Zustand des Patienten nicht gerade verschlechtert, wird das seitens der EZB schon als Erfolg gedeutet. Weil die Notenbank erst im März spürbar an der Zinsschraube gedreht hat und für Juni schon frühzeitig weitere Maßnahmen angekündigt hat, heißt es jetzt erst mal abwarten.

Bisher war es vor allem der niedrige Ölpreis, der für schlechte Inflationsraten sorgte. Das ist auch weiterhin zu beobachten, denn die Preise für den Schmierstoff der Weltwirtschaft sind nur moderat gestiegen. Ohne die Energiepreise läge die Teuerung für Deutschland nahe bei einem Prozent. Die Schätzungen der Zentralbank besagen, dass die Teuerung noch längere Zeit niedrig bleiben wird und die Prognose der EZB geht davon aus, dass die Inflation 2018 bei rund 1,60 % liegen wird. In einer Rede, die Mario Draghi im Rahmen des Besuchs in Wien hielt, verteidigte er noch einmal das Inflationsziel von nahe 2,00 % gegenüber Kritikern, die eine Korrektur des Inflationsziels Richtung 0,00 % fordern und dementsprechend eine weniger lockere Geldpolitik. Das Inflationsziel, so Draghi, sei bereits ein Stoßdämpfer, um kurzfristige Schocks besser abzufedern und zugleich ergebe sich daraus mehr Spielraum für die Geldpolitik.

Die nächste GeldspritzeEin weiterer Anhaltspunkt für die positive Wirkung der „Geldspritzen“ ist die Kreditvergabe an Firmen und Privathaushalte. Hier zeigt sich seit einiger Zeit ein positiver Trend und das billige Zentralbankgeld befördert die Nachfrage an Krediten und letztendlich auch die Vergabebereitschaft der Banken. Die besseren Finanzierungsbedingungen sollen wiederum eine Zunahme des Wachstums und einen Anstieg der Inflation bewirken.

Dank dieser verhalten positiven Meldungen und der Tatsache, dass die Zentralbank angekündigt hatte, ab Juni 2016  Firmenanleihen zu kaufen, waren die Erwartungen an eine weitere Lockerung der Geldpolitik gering.

Inflation

  • Deutschland: 0,10 % im Mai (vorher: -0,10 % für April)
  • Euro-Zone: -0,10 % im Mai (vorher:- 0,20 % für April)

Die Beschlüsse des EZB-Rats im Juni 2016

Die EZB belässt die Leitzinsen unverändert auf dem Stand von März 2016. Anfang Juni wird die Zentralbank mit dem Ankauf von Wertpapieren des Unternehmenssektors (Corporate Sector Purchase Programme – CSPP) beginnen. Für Ende Juni wurden weitere längerfristige Refinanzierungsgeschäfte angekündigt. Derweil kauft die Zentralbank weiterhin monatlich Staatsanleihen im wert von 80 Milliarden Euro. Das soll mindestens bis März 2017 so fortgeführt werden.


Auswirkungen auf die Zinsen von Sparprodukten wie Tagesgeld oder Festgeld

Das Tagesgeldkonto im Produkt-Check auf Bankenvergleich.deTrotz der Tatsache, dass die EZB die Leitzinsen nicht erneut gesenkt hat und auch keine neuen „unkonventionellen Maßnahmen“ seitens der EZB angekündigt wurden, sind weiterhin Zinssenkungen für Sparprodukte wie Tagesgeld und Festgeld zu erwarten. Während in den vergangenen Monaten dabei vor allem Produkte betroffen waren, die nicht die obersten Plätze in den Vergleichslisten beanspruchten, sind seit der vergangen Sitzung diesmal auch die Spitzenzinssätze betroffen. Wer sich Zinsentwicklung der Spitzenzinssätze über einen längeren Zeitraum ansieht, wird aber feststellen, dass die Zinsen insgesamt stabil auf einem niedrigen Niveau verharren.

Die Dauer der Niedrigzinsphase und die Regelmäßigkeit der Zinssenkungen machen es Sparern nicht leicht, eine Realrendite zu erwirtschaften. Dank der niedrigen Inflation ist eine leichte Realrendite mit Tagesgeld und Festgeld aber immer noch möglich.

Weiterhin profitieren Kreditnehmer von den niedrigen Zinsen und auch hier sind weitere moderate Zinssenkungen zu verzeichnen. Gerade für Kreditnehmer, die vor geraumer Zeit Kredite zu schlechteren Konditionen abgeschlossen haben, ist eine Umschuldung jetzt interessant, um Kosten zu sparen.

100 Euro WochenendbonusEinige Filialbanken sehen ihre Geschäftsmodelle durch die niedrigen Zinsen und besonders durch die Strafzinsen, die an die EZB zu entrichten sind, gefährdet. Dementsprechend wurde in der Vergangenheit Kritik an diesem Vorgehen der EZB geübt. Die Banken nutzen die Stimmung aber auch, um Preiserhöhungen zu rechtfertigen. Gerade kostenlose Girokonten werden ersatzlos gestrichen. Die Girokonten der Direkt- und Multikanalbanken sind davon aber nicht betroffen und diese bieten auch weiterhin leistungsstarke und dennoch kostenlose Girokonten. Dank innovativer Programme, die den Kontowechsel automatisieren und sehenswerten Startguthaben von bis zu 100,- Euro, ist der Wechsel einfacher und lukrativer denn je.

Bildquelle:

© ezb; lalabell68 – pixabay.com; © ViennaFrame – Fotolia.com; © vege – Fotolia.com;

Hier schreibt Thomas Gödert

Online-Redakteur Finanzen. Arbeitet seit 2012 bei BergMedia.net. Thomas Gödert ist auch auf Google+ und Twitter aktiv.
Kategorie: Festgeld, Kredit, Tagesgeld

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.