Leitzinsen bleiben unverändert 
Der Leitzinsentscheid vom 21. April 2016

Ansicht des Sitz der EZB in FrankfurtNachdem die Europäische Zentralbank in der vergangenen Sitzung die Leitzinsen gesenkt hat, rechnete für diese Sitzung kaum ein Beobachter mit nennenswerten Zinsschritten. Die Zentralbank sieht sich zunehmend der Kritik ausgesetzt, dass die lockere Geldpolitik ihre Wirkung nicht entfaltet. Auch das ist nicht neu! Die Bewertung der aktuellen Entwicklung durch die Zentralbank stand deshalb im Fokus dieser Sitzung und die zeigt sich selbstbewusst.


Die Leitzinsen der EZB vom 21. April 2016 im Überblick

  • Zinssatz für die Hauptrefinanzierungsgeschäfte: 0,00%
    (im März 2016 um 5 Basispunkte gesenkt)
  • Zinssätze für die Spitzenrefinanzierungsfazilität: 0,25%
    (im März 2016 um 5 Basispunkte gesenkt)
  • Einlagefazilität: -0,40% (im März um 10 Basispunkte gesenkt)

Die Bedeutung der einzelnen Werte erklären wir in der Artikelserie zur Europäischen Zentralbank. Für eine Übersicht der bisherigen Leitzinsentscheide folgen sie dem Verweis!!


Scharfe Kritik an Draghi aus Deutschland

Mario Draghi auf der Pressekonferenz März 2016Kritik an der Geldpolitik der Europäischen Zentralbank ist quasi der Dauerzustand! Diesmal kommt sie besonders stark aus Deutschland. Das mag nicht verwundern, denn die Maßnahmen der Europäischen Zentralbank müssen den Anforderungen und Gegebenheiten aller Mitgliedsländer entsprechen und die sind zum Teil sehr unterschiedlich. Am meisten profitieren die verschuldeten Staatshaushalte und kriselnden Kreditinstitute von der lockeren Geldpolitik.

In Deutschland wünschen sich Banken und Versicherungen höhere Zinsen, denn die einen sehen sich kaum mehr in der Lage Gewinne zu erwirtschaften und Versicherungen und Sparer sorgen sich um die Altersvorsorge, die im Niedrigzinsumfeld an ihre Grenzen stößt. Weil die Altersvorsorge ein Thema mit politischer Sprengkraft ist, meldeten sich hierzu auch zahlreiche Politiker zu Wort und befeuerten damit medienwirksam die Kritik an der EZB.

Wie immer ist die Antwort, wer denn nun Recht behält, nicht so einfach zu geben, wie manche Schlagzeile vermuten lässt. „Enteignet Draghi die Deutschen?“ Der verlinkte Artikel aus der FAZ macht deutlich, dass die Realrendite der Sparkonten auch in der Vergangenheit schon oft negativ war. Wer zwischen diesen kritischen Tönen die Gewinnmeldungen verschiedener Banken aufschnappt, wird oft verwundert feststellen, dass trotz dieser schwierigen Zeiten die Gewinne ordentlich gesteigert werden konnten. Poltern gehört offensichtlich zum Geschäft!

Die deutschen Forschungsinstitute geben der Europäischen Zentralbank bessere Noten und sehen das Anleihenkaufprogramm als geeignetes Mittel, um den Wirtschaftsmotor anzukurbeln. Auch die Lastenverteilung – die soliden Staaten im Norden zahlen für die maroden Staaten im Süden – wird hier durchaus anders gesehen. Denn schließlich profitiere auch Deutschland von der Zinsersparnis, die durch die Politik der EZB erst möglich ist.

Die Inflation muss abgerechnet werdenSorgenkind der EZB bleibt nach wie vor die stagnierende Inflation. Die Inflationsrate der Eurozone wird für den März 2016 mit 0,00% angegeben. In Deutschland liegt sie derzeit bei 0,30%. Das sind wichtige Marker für den Erfolg der Maßnahmen unserer Zentralbank. Die niedrigen Preise für Öl drücken derzeit stark auf die Inflationsrate. Die Preise von Lebensmitteln, Alkohol und Tabakwaren, Industriegütern und Dienstleistungen sind zwar gestiegen, liegen aber immer noch weit entfernt vom Inflationsziel der EZB, die einen Wert von ca 2,00% anstrebt.

Ein weiterer Marker für den Erfolg der Zentralbank ist die Kreditvergabe.  „The euro area bank lending survey“  (hier für das 1. Quartal 2016)  ist eine Studie, die sich regelmäßig mit den Bedingungen und dem Umfang der Kreditvergabe beschäftigt. Die weist nach, dass mehr Kredite an Unternehmen vergeben werden und das auch die Nachfrage an Krediten steigt. Dieser Trend war auch schon im Quartal zuvor zu beobachten und gilt als Zeichen für die positive Wirkung der Geldpolitik. Denn niedrige Kreditzinsen alleine reichen nicht aus. Zuvor waren die Firmen zurückhaltend und die Nachfrage an Krediten war dementsprechend gering oder die Banken wollten nicht noch mehr Risiken in ihren Büchern festschreiben und waren deshalb eher zögerlich bei der Kreditvergabe.

Neben den Firmen erhielten auch die privaten Haushalte mehr Kredite. Die Entwicklung ist nach wie vor als schwach zu bezeichnen, aber sie geht in die richtige Richtung.

Inflation

  • Deutschland: 0,30 % im März (vorher: 0,00 % für Februar)
  • Euro-Zone: 0,00 % im März (vorher:- 0,20 % für Februar)

Die Beschlüsse des EZB-Rats im April 2016

Wie erwartet hat die Zentralbank nicht weiter an der Zinsschraube gedreht. Auf der Pressekonferenz ging es deshalb darum, wie die EZB die wirtschaftliche Entwicklung, die Inflationsaussichten und die Kreditvergabe bewertet und natürlich um die sog. Sondermaßnahmen. Laut Pressemeldung hat die EZB damit begonnen, den Ankauf von Vermögenswerten auf 80 Milliarden Euro auszuweiten. In den Monaten zuvor lag das Ankaufziel bei 60 Milliarden Euro pro Monat. Herr Draghi kündigte an, das Programm so lange fortzusetzen, bis die gewünschte Wirkung auf die Konjunktur zu erkennen sei. Geplant war der Anleihenankauf zunächst bis Ende März 2017.

Die EZB geht davon aus, dass die Inflation noch lange auf dem niedrigen Niveau bleiben wird. In der Pressekonferenz schloss Mario Draghi auch nicht aus, dass die es in den nächsten Monaten sogar negative Inflationsraten geben könne.

Zudem kündigte die Zentralbank an, Informationen über den geplanten Ankauf von Wertpapieren aus dem Unternehmenssektor auf der Internetseite der EZB zu veröffentlichen.

Die Wirkung der eigenen Geldpolitik bewertet Draghi positiv. Er sagte, die Maßnahmen seien effizient und zeigten auch Wirkung, allerdings bräuchten sie Zeit. Weiterhin merkte er an, dass es mit sehr viel stärkeren Strukturreformen in den Mitgliedsländern schneller gehen würde. Auch zuvor hatte der Präsident auf die Notwendigkeit hingewiesen, dass die Politik ihren Teil beiträgt. Das darf auch als Reaktion auf die Kritik aus Deutschland verstanden werden.

Auswirkungen auf die Zinsen von Sparprodukten wie Tagesgeld oder Festgeld

Wie stehen die Zinsen aktuell?Die lockere Geldpolitik drückt auf die Zinsen und je länger die Zentralbank die Geldschleusen offen lässt und zudem von den Banken Geld verlangt, wenn die Geld bei der Zentralbank parken, wird das Interesse an Kundeneinlagen gering bleiben und die Zinsen niedrig.

Seit der vorangegangenen Sitzung der EZB gab es entsprechenden Meldungen über Zinssenkungen für Tagesgeldkonten und Festgeldkonten. Die Zinssenkungen folgen dabei immer einem Muster. Die Zinsen werden meist zwischen 10 und 20 Basispunkten gesenkt. Das ist nicht sehr viel, doch auf die Dauer und durch die Regelmäßigkeit der Zinssenkungen schmelzen die Zinsen langsam aber sicher dahin.

Ein Blick auf das Zinsbild für die Kalenderwoche 16 dieses Jahres zeigt, dass der Spitzenzinssatz für Tagesgeld bei gerade mal 1,25 % liegt. Das ist ein Neukundenangebot der Volkswagenbank und der Audibank. Der Sparer bekommt diesen Zinssatz für vier Monate. Danach gilt der geringere Zinssatz für Bestandskunden. Das Angebot liegt jetzt schon einige Monate an der Spitze. Der beste Zinssatz, der für alle Sparer gleichermaßen zu haben ist, kommt von der Leaseplan Bank und liegt bei 0,95 %. Dank der niedrigen Inflation ist selbst mit Tagesgeld noch eine leichte Realrendite zu erwirtschaften. Wenn die Inflation allerdings anzieht und das ist ja das Ziel, dass die Zentralbank so vehement verfolgt, müssen wir zeitweilig mit negativen Renditen rechnen.

Bringt diese Geldanlage gute Zinsen?Ähnlich sieht es auch bei den Festgeldern aus. Für Festgeld mit der Laufzeit von 12 Monaten erhält der Sparer derzeit 1,20% Zinsen. Das Angebot stammt von der niederländischen Leaseplan Bank. Dieser Zinssatz ist paradoxerweise geringer, als das beste Angebot für Tagesgeld, dafür wird der Zinssatz aber für 12 Monate garantiert.

Für Festgeld mit der Laufzeit 24 Monate gibt es nur wenig mehr Zinsen. Aktuell gerade mal 1,25 % gerechnet auf das Jahr. Auch das verspricht keine riesige Rendite, aber nach Abzug des Kaufkraftverlusts bleibt immer noch eine kleine Rendite übrig. Festgeld mit längeren Laufzeiten bietet bessere Zinsen. Da wir wissen, dass die Geldpolitik noch eine Weile sehr locker bleiben wird und dass es anschließend einige Zeit brauchen wird, bis auch die Zinsen auf den Sparkonten wieder steigen, sollten Sparer nicht zu lange Laufzeiten wählen und die schlechten Konditionen für eine kleine Ewigkeit festschreiben, sondern sich die Möglichkeit offen halten, bei steigenden Zinsen besser reagieren zu können.

Wer sein Erspartes vor dem Kaufkraftverlust so gut wie möglich schützen will, der muss agil sein,  Neukundenangebote nutzen und bei Zinssenkungen den Anbieter wechseln. Wenn ein Großteil der Sparer ihr Geld unabhängig von den Konditionen und über Jahre hinweg auf dem selben Sparkonto liegen lässt, verwundert es nicht, dass die Sparkassen und Volksbanken insgesamt wenig Initiative zeigen, um die Kunden mit besseren Konditionen anzulocken. Die schlanken Online-Banken haben da deutlich mehr zu bieten und das kann jeder sehr einfach und schnell für sich nutzen.


Bildquelle:

bixa – pixabay.com; EZB – flickr; © alexandro900 – Fotolia.com; © Marco2811 – Fotolia.com;

Hier schreibt Thomas Gödert

Online-Redakteur Finanzen. Arbeitet seit 2012 bei BergMedia.net. Thomas Gödert ist auch auf Google+ und Twitter aktiv.
Kategorie: Depot, Festgeld, Kredit, Tagesgeld

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