Ölpreisverfall drückt die Inflation 
Der Leitzinsentscheid vom 21. Januar 2016

Die Notenpresse läuft!Heute hat der Rat der Europäischen Zentralbank in Frankfurt getagt und über die zukünftige Geldpolitik beraten. Nachdem im Monat zuvor die Erwartungen an weitere Lockerungen und Zinsschritte hochgekocht waren, wurde diesmal nicht mit signifikanten Maßnahmen gerechnet. 


Die Leitzinsen der EZB im Überblick

  • Zinssatz für die Hauptrefinanzierungsgeschäfte: 0,05% (unverändert)
  • Zinssätze für die Spitzenrefinanzierungsfazilität: 0,30% (unverändert)
  • Einlagefazilität: -0,30% (wurde im Dezember 2015 gesenkt)

Die Bedeutung der einzelnen Werte erklären wir in der Artikelserie zur Europäischen Zentralbank. Für eine Übersicht der bisherigen Leitzinsentscheide folgen sie dem Verweis!!


Diesmal ist es der Ölpreisverfall – noch mehr billiges Geld?

Gruppenfoto: ECB General Council 2016Nach der Krise ist vor der Krise! Ab und an ist die Eine noch nicht ausgestanden, da kommt schon die Nächste daher. Die EZB war in der Vergangenheit sehr kreativ und hat mit allen erdenklichen Mitteln versucht, die negativen Folgen der Finanz- und Staatsschuldenkrise von 2008 zu überwinden. So kreativ, dass es zwischendurch zur Debatte stand, ob sich die Interventionen der Zentralbank noch im Rahmen ihres Mandats und auf einer gesicherten rechtlichen Grundlage bewegen. (Gruppenfoto: EZB – Erweiterter Rat – Januar 2016)

Der EZB geht darum, die Wirtschaft nachhaltig anzukurbeln und die Inflation nahe an die Zielmarke von 2,00% heranzuführen. Am 22. Januar 2015 hatte Mario Draghi das größte Anleihekaufprogramm angekündigt, dass es je gab. Zu diesem Zeitpunkt waren die Leitzinsen schon sehr niedrig und die Banken mussten schon einen „Strafzins“ (negative Einlagenfazilität) zahlen. Wer der Zentralbank wohlgesonnen ist, wird sagen, dass Draghi damit den Euro gerettet hat. Wer ihr nicht gesonnen ist, wirft der EZB vor, die maroden Staaten zu finanzieren, deren Staatsschulden dahinschmelzen, während der Sparer schleichend enteignet wird und der Steuerzahler die Zeche zahlt. Auch  ein Jahr nachdem die Zentralbank begonnen hat, die Märkte mit Geld zu fluten, warten wir noch immer auf die (versprochene) Wirkung der Geldflut. Im Dezember hatte die EZB eine Verlängerung des Programms angekündigt. 1,5 Billionen Euro sollen insgesamt aufgewendet werden.

Deshalb ging es auch in dieser Sitzung nicht um die Wirkung, sondern vor allem um die Erwartungen, wie sich Wirtschaft, Inflation und Kreditvergabe entwickeln werden. Bei aller Kritik an der expansiven Geldpolitik geht kaum ein Beobachter davon aus, dass die EZB ihren aktuellen Kurs bald ändern wird. Mario Draghi selbst und die Mitglieder des Rats weisen regelmäßig darauf hin, dass es mit den „unkonventionellen Maßnahmen“, wie Ewald Nowotny (EZB-Ratsmitglied ) die aktuelle Geldpolitik umschreibt, alleine nicht zu schaffen sei. Um die Konjunktur europaweit anzukurbeln, müssen Reformen in den Mitgliedsstaaten angegangen werden.

Ein Blick auf die aktuelle Inflationsrate zeigt, dass die Preise einfach nicht steigen wollen. Diesmal ist der Verfall des Ölpreises, der dem Präsidenten der Europäischen Zentralbank die Statistiken durcheinanderwirbelt. Im Dezember rechnete die deutsche Bundesbank damit, dass die Inflation Ende 2016 bei rund 1,80% liegen würde. Das war vor dem Börsen-Crash in China und vor dem Preisverfall des Rohöls, durch die Lockerungen der Einfuhrbeschränkungen für den Iran, was jetzt noch einmal die Preise purzeln lässt.

Mario Draghi 12/2015Immerhin gibt es seit einiger Zeit bessere Zahlen zur Kreditvergabe an die Wirtschaft und an Privatpersonen. Schließlich soll das Zentralbankgeld nicht nur an den Börsen seine Wirkung entfalten, sondern auch in der Realwirtschaft ankommen und der private Konsum soll die Konjunktur anfeuern. Dazu befragt die EZB vierteljährlich ausgewählte Kreditinstitute (Bank Lending Survey). Aus der Erhebung geht hervor, dass sich auch in diesem Quartal die Nachfrage nach Krediten erhöht hat und das die Kredite zu besseren Konditionen vergeben werden.

Das Ergebnis der Sitzung im Januar 2016

Die EZB belässt die Leitzinsen unverändert. Mario Draghi bekräftigt aber in der Pressekonferenz die Bereitschaft der EZB, im März zu reagieren und „mehr zu machen“. Der Präsident der EZB erklärte, dass die geldpolitischen Maßnahmen, die die Zentralbank seit 2014 getroffen hat, ihre Wirkung entfalten. Als Beispiel dafür können die besseren Bedingungen für die Kreditvergabe und deren Nachfrage gesehen werden. Die Tatsache, dass die Inflation weiter niedrig ausfällt, sei der Tatsache geschuldet, dass die Abwärtsrisiken insgesamt gestiegen sind. Draghi äußerte sich erstmals positiv in Bezug auf die Strukturreformen in den Ländern. Das stütze die wirtschaftliche Erholung,  die jetzt zu sehen ist. Er plädiert für weitere Strukturreformen und eine wachstumsfreundliche Finanzpolitik.

Inflation

  • Deutschland: 0,30 % im Dezember (vorher: 0,40 % für November)
  • Euro-Zone: 0,20 % im Dezember (vorher: – 0,10 % für November)

Auswirkungen auf die Zinsen von Sparprodukten wie Tagesgeld oder Festgeld

Geld anlegen in TagesgeldSchauen wir auf die letzten Zinsmeldungen von Tagesgeld, sehen wir, dass einige Banken die Zinsen leicht gesenkt haben. Der derzeitige Spitzenzinssatz von 1,25 % ist seit der Kalenderwoche 42 /2015 stabil und auf faz.net war zu lesen, dass das so auch bleiben soll.

Im Bereich der Festgeldkonten gibt es leichte Zinssenkungen und sogar eine Zinserhöhung zu vermelden. Ein Blick auf das Zinsbild der vergangenen Wochen zeigt, dass auch hier die Spitzenzinssätze relativ stabil waren.

Für Sparer bleibt das Umfeld schwierig. Wer sich kümmert, kann durch die vergleichsweise hohen Zinsen der Online-Sparkonten noch immer eine kleine Rendite erwirtschaften und sein Erspartes vor dem Kaufkraftverlust durch die Inflation bewahren. Je länger die Notenbanken billiges Geld in die Märkte pumpen, desto schwieriger wird die Situation für die Sparer. Wenn die EZB endlich ihr Ziel erreicht und die Inflationsraten deutlich in Richtung der 2,00 % Zielmarke der EZB steigen, desto enger wird es für den Sparer. Das gilt natürlich besonders für den Teil des Geldes, den der Verbraucher als „eiserne Reserve“ eingeplant hat und der täglich verfügbar sein soll, das Tagesgeld.

Die Niedrigzinsen werden uns erhalten bleiben und wer gute Zinsen möchte, muss mehr denn je auf die Spitzenanbieter setzen und darf sich nicht träge zeigen. Ein Trend, der sich abzeichnet ist, dass mehr Festgeld mit kürzeren Laufzeiten abgeschlossen wird. Das schützt den Sparer vor weiteren Zinssenkungen und der kurze Anlagezeitraum lässt genügend Spielraum, um auf eine Marktveränderung reagieren zu können oder um das Geld mittelfristig für den Konsum nutzen zu können.


Bei den Krediten verzeichnen wir nach wie vor leichte Zinssenkungen. Die Kreditnehmer profitieren von den sehr günstigen Rahmenbedingungen.

Bildquelle:

©  bluedesign – Fotolia.com; © ecb – flickr;

Hier schreibt Thomas Gödert

Online-Redakteur Finanzen. Arbeitet seit 2012 bei BergMedia.net. Thomas Gödert ist auch auf Google+ und Twitter aktiv.
Kategorie: Depot, Festgeld, Kredit, Tagesgeld

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