Der Leitzinsentscheid vom 22. Januar 2015

Was wird mit dem Euro?Heute hat der Rat der Europäischen Zentralbank in Frankfurt getagt. Nach sechs Wochen steht wieder ein Leitzinsentscheid an! Die Zeitspanne zwischen den Sitzungen wurde ausgedehnt, um Hektik und Druck aus den Sitzungen heraus zu nehmen. Die Ankündigung von Staatsanleihenkäufen trägt zu diesem Vorhaben aber wenig bei.


  • Zinssatz für die Hauptrefinanzierungsgeschäfte: 0,05%
  • Zinssätze für die Spitzenrefinanzierungsfazilität: 0,30%
  • Einlagefazilität:-0,20%

Die Bedeutung der einzelnen Werte erklären wir in der Artikelserie zur Europäischen Zentralbank


Ein Leitzinsentscheid, bei dem die Leitzinsen nicht angerührt werden und trotzdem ist der Rummel um diese Sitzung der Europäischen Zentralbank so groß wie nie! Der Grund dafür liegt in der Tatsache, dass mit der Veränderung der Leitzinsen aktuell keine wirksame Geldpolitik mehr gestaltet werden kann. Als der Präsident der Europäischen Zentralbank, Mario Draghi, das letzte mal an der Zinsschraube drehte, wurde das lediglich als symbolischer Akt aufgenommen. Die EZB wollte zeigen, dass ihr noch Handlungsspielraum bleibt. Seitdem bleiben die Leitzinsen unberührt, weil andere Maßnahmen im Fokus der Geldpolitik stehen.

Leitzins sinkt abermals auf RekordtiefDas sind Langfristkredite, der Ankauf von Kreditverbriefungen und aktuell der Ankauf von Staatsanleihen. Wie erwartet hat Mario Draghi auf der heutigen Pressekonferenz genau diese Maßnahmen angekündigt und deren Notwendigkeit im Sinne der Preisstabilität hervorgehoben.
Je mehr die Zentralbank zu „anderen“ Mitteln greift, um die niedrige Inflation (»: hier zum Artikel: Kerninflation), die schlechte Kreditvergabe und damit das unzureichende Wirtschaftswachstum zu bekämpfen, desto lauter wird die Kritik! Schon zuvor mussten sich Gerichte mit der Frage beschäftigen, ob die Maßnahmen noch innerhalb des Mandats der Zentralbank liegen.

Oft war in der Vergangenheit zu lesen, die EZB habe ihr Pulver schon verschossen. Trotzdem gab es zu jeder Sitzung eine neue Maßnahme. Die EZB erfindet das Pulver einfach immer neu. Zum Schluss wird wohl ein Gericht klären, mit welchem Pulver und welchen Waffen die EZB „kämpfen“ darf. Der Vorwurf wird laut, die Europäische Zentralbank beitreibe Wirtschaftspolitik und Staatsfinanzierung , was ihr eigentlich untersagt ist. Wenn sie zum Beispiel kreditbesicherte Wertpapiere (ABS-Papiere) kauft und den Banken somit die Ausfallrisiken abnimmt. Die Risiken trägt anschließend der Steuerzahler!  Wie war das noch mal mit der Bankenunion? Ach ja, nach den schlechten Erfahrungen der Finanzkrise sollte der Steuerzahler nicht mehr für die Risiken der Banken haften. Paradox?

Schuldfrage - Wer muss zahlen?Sicher ein bisschen! Nur die Frage, wer daran schuld ist oder ob jemand daran schuld ist, lässt sich nicht so einfach beantworten. Die Kritik aus Deutschland an den geplanten Staatsanleihenkäufen ist deutlich und besagt, dass der Effekt der Ankäufe zu gering sei und die Risiken zu hoch. Doch was die einzelnen Länder brauchen, ist durchaus unterschiedlich und steht nicht selten im Gegensatz zueinander. Frankreich und der Süden Europas jedenfalls befürworten die Ankäufe. Deren Wirtschaft braucht aber auch deutlich mehr Impulse, um zum Laufen zu kommen als die Deutsche. Draghi selbst sieht die Politiker in der Verantwortung. Seine Geldpolitik habe den Politikern Zeit erkauft, um Reformen anzugehen und umzusetzen.

 Dem Euroraum fehlt es nicht an Geld, sondern an Reformen!

Selbst wer die Debatten und Meldungen gewissenhaft verfolgt, kann die Schuldfrage wohl nicht klären. Bei all diesen Ungewissheiten ist aber eins ganz klar und da es aus dem Mund des Präsidenten der Europäischen Zentralbank kommt, dürfen sie der Quelle auch glauben.

Die Zinsen sind sehr niedrig und sie werden es wahrscheinlich auch noch lange bleiben.

Ihre verhaltene Freude über diese Nachricht ist verständlich! Trotzdem bedeuten niedrige Zinsen nicht gleich, dass auch die Rendite niedriger ausfällt. Die dauerhaft sinkende Inflation, die der EZB so viele Sorge bereitet, ist für den Sparer vorerst gut. Denn die Realrendite – das was von den Zinsen nach Abzug der Inflation übrigbleibt- ist im Vergleich mit den Jahren zuvor gar nicht so schlecht. Das gilt natürlich nur, wenn der Sparer konsequent die Spitzenangebote auf dem Markt wahrgenommen hat. Der aktive Sparer hat deshalb trotz der angespannten Zinslage die Nase vorn. Wer die aktuelle Zinsentwicklung nicht verpassen möchte, kann sich über unseren Newsletter leicht und verlässlich über die Entwicklung auf dem Markt informieren. Insgesamt muss sich natürlich auch der Sparer eine stabile Wirtschaft und stabile Preise wünschen. Schließlich hängen daran die Arbeitsplätze der Menschen. Ohne die gibt es keine Steuerzahler, keine Konsumenten und dann auch kein Geld mehr, das man sparen könnte.

Artikel: Nachlese zum größten Anleihe-Kaufprogramm der EZB, das es jemals gegeben hat

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Hier schreibt Thomas Gödert

Online-Redakteur Finanzen. Arbeitet seit 2012 bei BergMedia.net. Thomas Gödert ist auch auf Google+ und Twitter aktiv.
Kategorie: Festgeld, Kredit, Tagesgeld

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