Höherer Strafzins für Banken 
Der Leitzinsentscheid vom 3. Dezember 2015

Der EZB Tower in Frankfurt am MainAn Donnerstag hat der Rat der Europäischen Zentralbank in Frankfurt getagt, um über die zukünftigen geldpolitischen Maßnahmen der EZB zu entscheiden. Die Erwartungen an den Rat und an Mario Draghi kochten diesmal regelrecht hoch. Die Forderung nach einer weiteren Lockerung der Geldpolitik, war deutlich zu hören. Aber auch Kritiker dieser Geldpolitik meldeten sich vermehrt zu Wort.


  • Zinssatz für die Hauptrefinanzierungsgeschäfte: 0,05%
  • Zinssätze für die Spitzenrefinanzierungsfazilität: 0,30%
  • Einlagefazilität:-0,30% (wurde in dieser Sitzung gesenkt)

Die Bedeutung der einzelnen Werte erklären wir in der Artikelserie zur Europäischen Zentralbank. Für eine Übersicht der bisherigen Leitzinsentscheide folgen sie dem Verweis!!


Mario Draghi - Präsident der EZBWer Schlagzeilen liest, wie: „Draghi muss liefern – Anleger hoffen auf EZB-Geschenke“ und dieser Titel dann auch noch von der Redaktion von Börse ARD stammt, der kann sich ausmalen, wie die Meldungen anderswo aussehen. Knackige Schlagzeilen sind aber auch immer ein Hinweis darauf, das ein Thema gerade eine hohe Aufmerksamkeit bekommt. Einer fängt an, der Nächste setzt einen drauf und irgendwann sind dann nur noch Superlative übrig.

Seit die Zentralbank einen „Strafzins“ für Einlagen der Banken bei der EZB und monatlich Anleihekäufe im Wert von monatlich 60 Mrd. Euro tätigt, hat das bisher die größte Wirkung an der Börse entfaltet. Deshalb sind es vor allem Investmentbanker, die auf eine weitere Lockerung und auf eine Ausweitung des Anleihekaufprogramms hoffen oder pochen.

All das soll eigentlich dazu dienen, die Kreditvergabe anzukurbeln und die anhaltende Mini-Inflation näher an das 2,00%-Ziel der Zentralbank zu bringen. Wer einen Blick in die vergangenen Artikel zum Leitzinsentscheid wirft, stellt fest, dass es in dieser Hinsicht bisher wenig positive Meldungen zu verzeichnen gab und zumindest die Fortsetzung der lockeren Geldpolitik geboten schien.

FinanzspritzeZuletzt waren es die billigen Energiepreise, die für die niedrige Inflation sorgten. Wer allerdings einen Blick auf die Kerninflation wirft, stellt fest, dass diese gerade bei einem Prozent liegt und sogar steigt. Kritiker merken an, die Daten zur Inflation seien durch die Energiepreise verzerrt und insgesamt sei die Inflation auf einem guten Weg und eine übermäßige Lockerung sei deshalb nicht angebracht. Zuletzt waren übrigens auch die Daten zur Kreditvergabe positiv.

Dass die Geldpolitik der EZB, die allen Mitgliedsländern und deren wirtschaftlichen Entwicklung gerecht werden muss, nicht immer im gleich auch die deutschen Interessen bedient, ist kaum verwunderlich. Deshalb kam die schärfste Kritik am Kurs Draghis oft aus Deutschland. Auch diesmal sind es vor allem die deutschen Beobachter, die Konjunkturdaten freundlicher auslegen. So zum Beispiel Jens Weidmann, der als Präsidenten der Deutschen Bundesbank, im EZB-Rat vertreten ist. Weidmann findet im Rat weitere Befürworter, die gegen eine Ausweitung der Anleihenkäufe plädieren. Aber eine Mehrheit im Rat erhält diese Sichtweise aktuell nicht.

Das Ergebnis der Sitzung im Dezember 2015

Der Rat Europäische Zentralbank hat die hohen Erwartungen nicht erfüllt. Trotzdem ist festzuhalten, dass das monatliche Anleihekaufprogramm bis mindestens März 2017 verlängert werden soll und auch der Zinssatz für die Einlagefazilität, der gerne als „Strafzins“ für die Banken bezeichnet wird, wurde auf -0,30% gesenkt. Die lockere Geldpolitik ist somit nicht ganz so locker, wie die Anleger das gerne hätten, aber immer noch locker genug, um den Sparern weiterhin niedrige Zinsen zu bescheren.

Inflation

  • Deutschland: 0,40 % im November (vorher: 0,30 % für Oktober)
  • Euro-Zone: 0,10 % im Oktober (vorher: – 0,10 % für September)

Auswirkungen auf die Zinsen von Sparprodukten wie Tagesgeld oder Festgeld

Solange die Märkte mit billigem Geld geflutet werden, bleiben die Zinsen niedrig. Das wirkt sich positiv auf die Kreditzinsen aus, bedeutet für Sparer, die einen Teil ihres Geldes in Tagesgeld oder Festgeld anlegen aber, dass sie auch weiterhin kaum Zinsen erhalten. In Zukunft wird es aufgrund der steigenden Inflation zudem schwieriger, eine kleine Rendite zu erwirtschaften. Die Prognosen zur Entwicklung der Inflation gehen zum Teil stark auseinander. Der IWF sieht die Inflation Ende 2016 bei 1,20 %, die Bundesbank prognostiziert 1,80 %. Für den Sparer wird das Umfeld dadurch noch einmal schwieriger, denn es ist kaum zu erwarten, dass die Banken die Zinsen anheben werden. Deshalb empfiehlt es sich im Bereich der Tagesgeldkonten, konsequent auf die Spitzenanbieter zu setzen. Festgeldsparer sollten sich nicht zu sehr von den höheren Zinsen der Festgelder mit längeren Laufzeiten locken lassen.


Interessante Artikel zum aktuellen Leitzinsentscheid der EZB

boerse.ard.de: Anleger hoffen auf EZB-Geschenke

faz.net: EZB soll Anleihekäufe bremsen

handelsblatt.com: Die Anti-Draghi-Fraktion

finanztreff.de: KfW-Chefvolkswirt sieht Inflation in Deutschland Ende 2016 bei 2%

spiegel.de: Geldpolitik:Niedrige Inflation im Euroraum erhöht Druck auf EZB

welt.de: Inflation nahe null verstärkt Aussicht auf EZB-Lockerungskurs

faz.net: EZB verschärft Strafzins für Banken

Bildquelle:

© ecb – flickr; © B. Wylezich – Fotolia.com

Hier schreibt Thomas Gödert

Online-Redakteur Finanzen. Arbeitet seit 2012 bei BergMedia.net. Thomas Gödert ist auch auf Google+ und Twitter aktiv.
Kategorie: Depot, Festgeld, Kredit, Tagesgeld

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