Der Leitzinsentscheid vom 3. Juli 2014

EZBHeute hat der Rat der Europäischen Zentralbank auf seiner Sitzung in Frankfurt beschlossen, die Leitzinsen unverändert zu lassen. Im Juni hatte die EZB den Zinssatz für Hauptfinanzierungsgeschäfte auf 0,15% und den Zinssatz für die Einlagenfazilität auf -0,10% gesenkt. Die Maßnahmen dienen dem Zweck, die wirtschaftliche Lage in der Eurozone zu beleben. Dem Sparer bringt die lockere Geldpolitik sinkende Zinsen ein.

 

Es gilt jedoch als sicher, dass sie erst einmal die Wirkung der im Juni beschlossenen Maßnahmen abwartet, bevor sie neue verkündet.reuters.de

Die Geldpolitik der EZB bleibt wird weiterhin von der Krisenbewältigung bestimmt!

Die Krise macht Europa zu schaffenDer Zinssatz für Hauptfinanzierungsgeschäfte gilt als Referenzzinssatz für Sparprodukte und Kredite. Die Einlagenfazilität ist der Zinssatz den Banken für Geld erhalten, dass sie bei der EZB parken. Damit die Banken eben das genau nicht tun, müssen sie aktuell den „Strafzins“ bezahlen. Die EZB erhofft sich damit, die Kreditvergabe an Unternehmen und private Haushalte durch die Banken anzukurbeln. Die EZB ist im Krisenbewältigungsmodus.

Niedrige Inflation bleibt der Sorgenkind der EZB

Folgt man den Aussagen der Zentralbank, dann ist die Krise zwar abgewendet, aber die Bewältigung der Folgen gestaltet sich ebenso schwierig und wird Zeit brauchen. Gerade in den Südländern herrscht eine hohe Arbeitslosigkeit und eine sehr niedrige Inflation. Für Mai lag die Inflation in Zypern, Portugal und Griechenland sogar im negativen Bereich. Die EZB hält eine Inflationsrate von 2,00% für gesund und für Juni wurde der vorläufige Wert von 0,50% errechnet. Auch die Zahlen zur Kreditvergabe geben wenig Anlass auf eine straffere Geldpolitik und damit auch auf steigende Zinsen zu hoffen. Kritiker bezweifeln, dass die Banken durch Strafzinsen und billiges Zentralbankgeld ihr Verhalten in Bezug auf die Kreditvergabe ändern werden. Letztlich bestimmt das Ausfallrisiko, ob eine Bank einen Kredit vergibt oder eben nicht. Auf der anderen Seite sind auch die Unternehmen mit Investitionen vorsichtig und fragen erst gar nicht nach Krediten. Die Aufgabe für die Zentralbank wird nicht leichter, denn die Forderungen, die bei einem anstehenden Leitzinsentscheid von allen Seiten an die Zentralbank herangetragen werden, sind zahlreich und die Auswirkungen der Maßnahmen zeigen sich erst langfristig. Kein Wunder, dass es zur Debatte steht, die Sitzungen seltener abzuhalten. Ein weiteres Problem liegt in der Tatsache begründet, dass die wirtschaftliche Entwicklung der Länder in der Eurozone zum Teil so unterschiedlich ausfällt, dass die Geldpolitik der EZB gar nicht die Erfordernisse jedes Landes erfüllen kann. Unterschiedliche Finanz-Krankheiten werden hier mit einem „Breitband-Antibiotikum“ behandelt. Nebenwirkungen sind kalkuliert, solange der ganze Organismus am Leben bleibt.

Neues Sorgenkind Konjunktur und Hoffnungsschimmer Kerninflation

Das neuste Sorgenkind ist der hohe Kurs des Euro, der sich schlecht auf die Exporte auswirkt. In Frankreich ist man deshalb der Meinung, dass die Geldpolitik mit weiteren Lockerungen reagieren müsse. Diesmal in Form von Anleihenkäufen. Die Suche nach positiven Signalen für die Entwicklung gestaltet sich demnach schwierig. Doch wer sucht, wird fündig! Die Kerninflationsrate verspricht bessere Zahlen. Bei dieser Berechnung werden bestimmte Produkte ausgeschlossen, deren Entwicklung häufig signifikante Preisschwankungen aufweisen. So zum Beispiel Nahrungsmittel und Energie. Aktuell ist die Kernrate gestiegen und an diesem Marker lässt sich ablesen, dass sich die Inflation in Zukunft in die gewünschte Richtung entwickeln wird. Das, so meinen wiederum einige Experten, nehme den Druck von der Zentralbank und rechtfertige die aktuelle Entscheidung über die Leitzinsen.

Die Leitzinssenkung im Juni drückt die Zinsen von Tagesgeld und Festgeld

Die Zinsen fallen!Die lockere Geldpolitik zeigt auch weiterhin ihre Wirkung. Kredite werden billiger, die Banken senken die Zinsen für Dispositionskredite und verzichten jetzt zum Teil auf die höheren Überziehungszinsen. Sehr deutlich sind auch die Einschnitte bei den Sparanlagen, wie Tagesgeld und Festgeld. Im Juni und Juli 2014 gab es zahlreiche Zinssenkungen. Das Muster entspricht den vorangegangenen Konditionsanpassungen. Die Zinsen sinken zwischen 10 und 20 Basispunkten pro Anbieter und bei Festgeld pro Laufzeit. GEFA Bank, Klarna, Corealdirect Bank, Deutsche Industriebank und die Bigbank haben die Festgeldzinsen gesenkt. Die ING-DiBa und die MoneYou Bank haben die Tagesgeldzinsen gesenkt und am 09.07.2014 reagiert auch die Renault Bank direkt auf die Zinssenkungen der Mitbewerber.

Die Zentralbank steuert die Wirtschaft und ist nicht zuständig für Sparzinsen EZB Direktoriumsmitglied Yves Mersch

Wie man aus der Aussage von Herrn Mersch entnehmen kann, hat der Sparer in den Reihen der EZB keine Fürsprecher. Der Sparer muss sich selbst kümmern und das bedeutet, die Niedrigzinsphase so gut wie möglich durchzustehen. Die niedrige Inflation hilft aktuell dabei, den Kaufkraftverlust auszugleichen und der eine oder andere Sparer wird sicher noch Festgeld mit einer längeren Laufzeit und höheren Zinsen angelegt haben, was die Gesamtrendite etwas aufbessert. Ein langer Atem und die Suche nach den jeweils besten Angeboten auf dem Markt sind aber geboten. Die Prognosen für den Zeitpunkt steigender Zinsen nennen aktuell das Jahr 2016. Die niedrigen Zinsen und die Frustration über schwindende Renditen bringen den Glauben an die Sparkultur der Deutschen ins Wanken und tatsächlich steigt die Kauflaune der Verbraucher aktuell und ist so hoch wie zuletzt 2006. Für den Notgroschen zu sparen, anstatt in Notzeiten Geld zu leihen, ist aber unabhängig vom Zinsniveau immer die günstigere Variante!

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Hier schreibt Thomas Gödert

Online-Redakteur Finanzen. Arbeitet seit 2012 bei BergMedia.net. Thomas Gödert ist auch auf Google+ und Twitter aktiv.
Kategorie: Festgeld, Kredit, Tagesgeld

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