EZB hält Kurs 
Der Leitzinsentscheid vom 3. Juni 2015

Das Euro Zeichen in FrankfurtHeute hat der Rat der Europäischen Zentralbank auf seiner Sitzung in Frankfurt beschlossen, die Leitzinsen unverändert zu lassen. Die Griechenlandkrise überschattet diese Entscheidung und keiner der Experten erwartete eine Anpassung der Referenzzinssätze. Ob die EZB mit ihren Anleihekaufprogramm Erfolg haben wird, ist zu hoffen, die Antwort steht jedoch noch immer aus.


  • Zinssatz für die Hauptrefinanzierungsgeschäfte: 0,05%
  • Zinssätze für die Spitzenrefinanzierungsfazilität: 0,30%
  • Einlagefazilität:-0,20%

Die Bedeutung der einzelnen Werte erklären wir in der Artikelserie zur Europäischen Zentralbank. Für eine Übersicht der bisherigen Leitzinsentscheide folgen sie dem Verweis!!


Mario Draghi im Mai 2015Im Januar 2015 hatte die Zentralbank ihr umfangreiches Anleihekaufprogramm angekündigt. Seitdem heißt es warten! Zumindest für die, die der EZB wohlgesonnen sind. Kritiker zweifeln weiterhin an der Geldpolitik und jetzt besonders am QE-Programm und dessen Wirkung.

Die die warten, suchen nach Zeichen für eine steigende Inflation, dass die Banken mehr Kredite an die Wirtschaft vergeben und  auf eine Erholung der wirtschaftlichen Lage. Schaut der Europäer nach Griechenland, wird schnell deutlich, dass Europa den Krisenmodus noch nicht verlassen hat. Die EZB hat mit ihren geldpolitischen Maßnahmen den kriselnden (Süd-) Staaten Zeit gekauft. Einige Beobachter werfen der Zentralbank in diesem Zusammenhang vor, dass die Zeit auf dem Rücken der Sparer erkauft wurde. Ob diese Schuldzuweisung so stehen bleiben kann, wird noch Thema sein1

Und die Zentralbank? Die gibt sich besonnen und hält Kurs. Im Rahmen der Pressekonferenz nennt Mario Draghi, der Präsident der Europäischen Zentralbank, das: „den Kurs der ruhigen Hand“. Gerade scheint es so, dass einige Punkte auf dem Wunschzettel der Zentralbank abgehakt werden können. Die Inflation zieht an! Dem Sparer dürfte es schwerfallen, sich über diese Nachricht richtig zu freuen, denn das lässt die eh schon magere Rendite weiter schrumpfen. Aber dass das so kommen würde, war klar und dann besser früher, als noch ewig im Zinstief auszuharren.

Inflation

  • Deutschland: 0,70% (vorher:0,50%)
  • Eurozone: 030% (vorher: 0,00%)

verschiedene Euro GeldscheineUnd dann gibt es noch eine positive Meldung! Pünktlich vor der Sitzung des EZB-Rats im Juni 2015 kann die Zentralbank verkünden, dass auch die Kreditvergabe besser läuft. In der Pressemeldung der Bundesbank vom 2. Juni ist nachzulesen: „KMUs berichten von verbesserter Verfügbarkeit von Außenfinanzierungsmitteln“. Dem Bericht ist zu entnehmen, dass es seit 2009 keine besseren Ergebnisse bei einer solchen Befragung zu vermelden gab. Der Satz: „Allgemeine Konjunkturaussichten wirken sich weniger negativ auf Finanzierung der KMUs aus als zuvor“, zeigt aber auch, wie vorsichtig hier formuliert wird. „Weniger negativ“ ist eben nicht „gut“!

Aber bitte nicht falsch verstehen, das war jetzt keine Ankündigung der Zinswende. Leider! Aber es ist klar, dass die Zinsen für Sparprodukte erst mit höheren Zinsen versehen werden, wenn die Krise überwunden ist. Aber es ging ja auch um den Wunschzettel der EZB und nicht um den der Sparer.

Wie gesagt, wer der EZB wohlwollend gegenübersteht, der sieht die positiven Signale. Es scheint, dass Europa langsam wieder auf Kurs kommt.

Aber der stabile Euro und die wachsende Konjunktur sind nicht die einzigen Punkte, die wir im Blick haben sollten. Im aktuellen CIO VIEW sagt Asoka Wöhrmann im Interview:

Europa braucht sich nicht zu verstecken, muss sich aber weiterentwickeln

Deutschherrnbrücke mit Skyline und Neubau der EZBDabei mahnt er, dass es nicht nur Dank der Schützenhilfe der EZB gelingen kann, die Krise hinter sich zu lassen. Es müssen auch Reformen durch die Politik umgesetzt werden. Gleichsam zeigt Herr Wöhrmann auf, dass es darüber hinaus weit mehr zu verlieren gibt. Das „Projekt Europa“ steht auf dem Prüfstand und der Erfolg populistischer Parteien, die jetzt leichtes Spiel haben, an den linken und rechten Rändern der Wählerschaft zu fischen zeigt, dass Europa eben nicht nur besser Konjunkturdaten, sondern auch eine bessere Politik braucht.

Das die  EZB oft in die Schusslinie gerät und für verantwortlich erklärt wird,  erscheint logisch! Die machen ja die niedrigen Leitzinsen und betreiben die lockere Geldpolitik. Die jüngsten Turbulenzen am Staatsanleihemarkt befeuern eine kritische Sicht auf die expansive Geldpolitik. Aber letztlich ist die EZB ja nicht der Verursacher der Krise.

Guntram B. Wolff von der Denkfabrik Bruegel verteidigt in Gewisser weise die Geldpolitik der EZB und mahnt –  wie auch Wöhrmann – zu Strukturreformen:

Des Weiteren ignoriert die derzeitige Debatte eine geeignete politische Antwort auf den Rückgang der Zinssätze

Im Ergebnis ist festzustellen, dass die Konjunkturerholung in der Euro-Zone noch auf wackligen Beinen steht und die Marschrichtung der EZB deshalb vorsieht, das Wertpapierkaufprogramm mindestens bis September 2016 wie geplant weiterlaufen zu lassen.

Die Auswirkungen auf die Zinsentwicklung von Sparprodukten

Der Sparer muss sich deshalb auf stagnierende Zinsen und eine allmählich steigende Inflation einstellen. Die EZB geht derzeit davon aus, dass die Inflation im Jahr 2017 bei rund 1,80% liegen wird. Es wird schwieriger werden, wenigstens den Kaufkraftverlust mit kurzfristigen Geldanlagen wie etwa Tagesgeld auszugleichen. Ein Blick auf das Zinsbild der vergangenen Kalenderwochen zeigt, dass es wenig Bewegung bei den Spitzenzinssätzen zu vermelden gab. Kurz und mittelfristig ist mit spürbaren Veränderungen nicht zu rechnen. Bei Tagesgeld sollte der Sparer weiterhin die Top-Angebote für sich nutzen und im Bereich der Festgelder eher auf kurze Laufzeiten setzen, um besser auf Veränderungen auf dem Markt reagieren zu können.



Interessante Artikel zum aktuellen Leitzinsentscheid der EZB

Bildquelle:

© oscity – Fotolia.com; © EZB;© Tatjana Balzer – Fotolia.com; © helmutvogler – fotolia.com

Hier schreibt Thomas Gödert

Online-Redakteur Finanzen. Arbeitet seit 2012 bei BergMedia.net. Thomas Gödert ist auch auf Google+ und Twitter aktiv.
Kategorie: Festgeld, Kredit, Tagesgeld

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.