Der Leitzinsentscheid vom 4. Dezember 2014

Der Euro und die EZBDer EZB-Rat hat auf ihrer Tagung in Frankfurt am Main beschlossen, die Leitzinsen unverändert zu lassen. Die Niedrigzinspolitik der Zentralbank beschert niedrige Kreditzinsen und drückt erheblich auf die Zinsen für Sparprodukte. Solange die Inflation (zu) niedrig ist, wird das so bleiben.


  • Zinssatz für die Hauptrefinanzierungsgeschäfte: 0,05%
  • Zinssätze für die Spitzenrefinanzierungsfazilität: 0,30%
  • Einlagefazilität:-0,20%

Die Bedeutung der einzelnen Werte erklären wir in der Artikelserie zur Europäischen Zentralbank


Prognose: die Zinsen bleiben noch lange niedrig!

Kaum jemand glaubt im Moment daran, dass die Konjunktur in Europa sich rasch so weit erholen wird, dass die Europäische Zentralbank ihre lockere Geldpolitik, die treffend als „Nullzinspolitik“ bezeichnet wird, aufgeben kann. Im November sank die Inflation in Deutschland auf 0,60%. Von Juli bis Oktober lag sie bei 0,80%.

Es gibt keine Anzeichen für spürbar anziehende Inflationsraten. Damit spricht alles dafür, dass die Zinsen noch für mehrere Jahre sehr niedrig bleiben. Berenberg-Chefvolkswirt Holger Schmieding

Die Geldpolitik der vergangenen Monate im Überblick

Wie stehen die Zinsen aktuell?Im Juni 2014 hatte die Zentralbank einen „Strafzins“ für Banken eingeführt. Die Einlagenfazilität wurde auf -0,20% festgesetzt. Das bedeutet, dass Banken für Gelder, die sie bei der Zentralbank parken, draufzahlen müssen. Damit sollte die Kreditvergabe angekurbelt werden. Denn der Strafzins sollte einen Anreiz darstellen, das Geld in sinnvolle Projekte zu investieren, statt es „herumliegen“ zu lassen. Diese Maßnahme hat bisher noch keinen positiven Effekt gezeigt. Zum einen sind die Banken vorsichtig und wollen keine weiteren oder zu hohe Risiken in den Bilanzen. Zum Anderen sind die Investoren aufgrund der schlechten konjunkturellen Daten verhalten und wollen nicht investieren. Durch den Bankenstresstest der EZB wurde die Risikobereitschaft der Banken auch deutlich gebremst. Geldpolitik braucht natürlich Zeit um seine Wirkung zu entfalten. Schon im Juni 2014 glaubte kaum noch jemand, dass mit einer Senkung der Leitzinsen noch eine wirkungsvolle Geldpolitik zu gestalten sei. Die Absenkung des Zinssatzes für die Hauptrefinanzierungsgeschäfte auf 0,05 % im September 2014 wurde eher als symbolischer Akt aufgefasst. Nach dem Motto: Die Zentralbank hat ihr Pulver noch nicht verschossen. Und das stimmt auch! Allerdings spielen Änderungen an den Leitzinsen dabei keine große Rolle mehr. Das bedeutet aber nicht, dass die Zentralbank nicht mehr in der Lage ist, zu steuern.

Die Mittel sind einfach andere!

Was bleibt? Geld unter der LupeLangfristkredite, Käufe von Pfandbriefen und Kreditverbriefungen sind die aktuellen Steuerungsinstrumente. Die Zentralbank hat angekündigt, ihre Programme deutlich auszuweiten und auch Staatsanleihenkäufe (Quantitative Easing) stehen für die Zukunft zur Debatte.
Die Maßnahmen sind nicht unumstritten! So etwa Asset Backed Securities, verbriefte Kredite. Die Zentralbank kauft diese ABS-Papiere mit dem Ziel, den Banken wieder Luft für neue Kredite an die Realwirtschaft zu verschaffen.

Gehen Sie also davon aus, dass die EZB nächstes Jahr jeden noch so faulen Kredit aufkauft, den die Banken über den Tresen schieben wollen. Das Ziel der Notenbank ist, die Kreditvergabe im Euroraum und damit die bislang schlechte Wirtschaftsentwicklung anzukurbeln. Das Problem ist nur, dass dann Kredite auch an Leute und Firmen vergeben werden, die es sich eigentlich gar nicht leisten können. Im Ergebnis werden Kreditrisiken auf die Notenbank abgewälzt.Dirk Müller

Auswirkungen auf Tagesgeld, Festgeld und Kredite

Welcher Anbieter macht das Rennen?Die Zentralbank wird ihre lockere Geldpolitik demnach fortsetzen und es wird eine Weile dauern bis sie wieder zu ihren „normalen“ Steuerungsinstrumenten zurückkehren kann. Wegen der „Strafzinsen“ ist das Interesse der Banken an Kundeneinlagen natürlich begrenzt. Deshalb werden die Zinsen für Tagesgeld und Festgeld auch weiter auf einem niedrigen Niveau verharren oder leicht sinken. Kreditnehmer können mit weiter sinkenden Zinsen rechnen. Sparer die sich um Geld kümmern und aktuelle Angebote nutzen können den Kaufkraftverlust durch die Inflation noch immer ausgleichen.

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Hier schreibt Thomas Gödert

Online-Redakteur Finanzen. Arbeitet seit 2012 bei BergMedia.net. Thomas Gödert ist auch auf Google+ und Twitter aktiv.
Kategorie: Depot, Festgeld, Kredit, Tagesgeld

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