Der Leitzinsentscheid vom 5. September 2013

Der Euro auf der EuropaflaggeDer EZB-Rat hat beschlossen, den Leitzins im September auf dem Niveau von 0,50% zu belassen. Das ist keine Überraschung, denn die Währungsunion hat immer noch mit den Folgen der Finanzkrise zu kämpfen. Dabei erholt sich die Wirtschaftslage zwar allmählich, aber gerade der Süden Europas hat immer noch keine besseren Zahlen zu bieten. Wurde die Europäische Zentralbank zu Beginn ihrer Niedrigzinspolitik Mitte des Jahres noch vermehrt kritisiert, häufen sich mittlerweile auch die Stimmen, die der EZB und damit Mario Draghi, die Erfolge ihrer Geldpolitik bescheinigen.

Weniger Druck auf die Sparer dank sinkender Inflation

Gab es im Vorfeld der Leitzinsentscheidung von August 2013 noch Befürchtungen, der Leitzins könnte noch einmal gesenkt werden, was zur Folge hätte, dass auch die Zinsen für Tagesgeld und Festgeld noch weiter sinken würden, rechnete diesmal niemand mit einer weiteren Zinssenkung. Die insgesamt positive konjunkturelle Entwicklung erfordert keine weitere Lockerung der Geldpolitik. Genau sowenig rechneten die Beobachter mit einer Anhebung der Leitzinsen. Die Ankündigung des Präsidenten der EZB, den Leitzins noch langfristig auf einem niedrigen Niveau zu halten, hat noch immer ihre Gültigkeit.

Durch die Inflation entsteht dem Anleger ein Kaufkraftverlust.Während der niedrige Leitzins die Höhe der Zinsen begrenzt, die Sparer von den Banken geboten bekommen, hat die Inflation, durch den damit verbundenen Kaufkraftverlust, eine negative Realrendite bei den Tagesgeldern zur Folge gehabt. Lediglich Festgelder mit einer Laufzeit von zwei Jahren konnten diesen Verlust noch ausgleichen. Dadurch, dass die Inflation in Deutschland von 1,90% auf jetzt 1,50% gesunken ist, entspannt sich die Situation leicht. Das Spitzenangebot für Tagesgeld kann jetzt wieder den Kaufkraftverlust ausgleichen und die Realrendite von Festgeldern steigt leicht an. Insgesamt gab es für Geldmarktkonten keine nennenswerten Zinssenkungen. Einige Banken haben die Zinsen sogar erhöht, aber der Spitzenzinssatz wurde dabei nicht überboten. Die Entwicklung der Inflation steht deshalb jetzt im Fokus, da eine Anhebung des Leitzinses nicht zu erwarten ist. Ob die Banken noch Spielraum nach oben haben, oder ob sich die Zinsänderungen lediglich unterhalb des Spitzenzinses abspielen, bleibt abzuwarten.

„Forward Guidance“ – EZB verkündet langfristig niedrigen Leitzins

Diese „zukunftsgerichteten Hinweise“ der Notenbanken sind ein Mittel, dass die Notenbanken eher selten nutzen. In der Vergangenheit hat die amerikanische Notenbank davon Gebrauch gemacht und jetzt auch die EZB. Wer sich die Frage stellt, warum die Notenbank sich auf so weitreichende Aussagen einlässt, findet eine Antwort im Monatsbericht (August 2013) der Bundesbank.

„..Forward Guidance kann gerade in Zeiten erhöhter Unsicherheit die Kommunikation mit den Marktteilnehmern verbessern, eine klarere geldpolitische Orientierung geben und Erwartungen über die kommende Entwicklung der Kurzfristzinsen, die aus Sicht des EZB-Rats unzutreffend sind, vermeiden.“ (Seite 33)

„Entscheidend für die korrekte Interpretation dieser Aussage ist jedoch, dass sie konditioniert ist, und zwar auf die unveränderte Verpflichtung des Eurosystems auf sein Mandat, also die Gewährleistung von Preisstabilität (operationalisiert als mittelfristige Preissteigerung von unter, aber nahe 2%) Somit nimmt das Eurosystem mit dieser „Forward Guidance“ keine unbedingte Zusage über die kommende Entwicklung der Leitzinsen vor, sondern beschreibt vielmehr seine geldpolitische Reaktion auf die – bei der derzeitigen Datenlage und auf Basis seiner etablierten Zwei-Säulen-Strategie – erwartete Inflationsentwicklung.“ (Seite 31)

Quelle:Deutsche Bundesbank- Monatsbericht – August 2013

Hier finden sie die Monatsberichte der Bundesbank

Anlagestrategie für Tagesgeld und Festgeld

So erreichen Sie ihre ZieleAuch wenn sich die Lage für die Sparer durch die sinkende Inflation leicht entspannt, bleiben die Renditen gering. Da aber immer noch reichlich Geld auf Girokonten lagert und keine Zinsen erwirtschaftet, ist Tagesgeld und Festgeld immer noch die einfachste und sicherste Form der Geldanlage, um wenigstens den Kaufkraftverlust auszugleichen. Wer das jetzt schon macht und damit gute Erfahrungen gesammelt hat, kann sich überlegen einen Teil seines ersparten Geldes mit Hilfe eines eigenen Depots mit besseren Renditen anzulegen. Dazu wird jetzt vermehrt geraten. Mit den Renditen steigen dann aber auch die Risiken und Neueinsteigern ist anzuraten, auch im Wertpapierhandel zunächst die kleine Rendite zu suchen und durch vernünftige Risikostreuung eine Bauchlandung zu vermeiden. Einige Banken bieten ihren Kunden Einführungen in den Wertpapierhandel und Musterdepots, um einen Einstieg in den Handel zu finden. Das kostet Zeit, aber die brauchte es ja auch, um das bisher Ersparte anzuhäufen.

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Hier schreibt Thomas Gödert

Online-Redakteur Finanzen. Arbeitet seit 2012 bei BergMedia.net. Thomas Gödert ist auch auf Google+ und Twitter aktiv.
Kategorie: Festgeld, Tagesgeld

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