Der Leitzinsentscheid vom 6. November 2014

Governing Council of the ECBAuf der heutigen Sitzung des EZB-Rats in Frankfurt wurde beschlossen, die Leitzinsen unverändert zu lassen. Das verwundert kaum, denn mit den Leitzinsen ist die Steuerung der Geldpolitik schon länger nicht mehr möglich. Andere, zum Teil umstrittene Maßnahmen, stehen auf der Agenda der Notenbanker.


  • Zinssatz für die Hauptrefinanzierungsgeschäfte: 0,05%
  • Zinssätze für die Spitzenrefinanzierungsfazilität: 0,30%
  • Einlagefazilität:-0,20%

Die Bedeutung der einzelnen Werte erklären wir in der Artikelserie zur Europäischen Zentralbank


Das Fahrwasser für die EZB wird zunehmend schwieriger!

Die EZB kämpft noch immer gegen die negativen Folgen der Finanz- und Staatsschuldenkrise. Die Wirtschaft kommt nicht in Gang! Die Inflationsrate in Europa ist nach wie vor niedrig und liegt bei lediglich 0,40%. Das ist weit weg vom selbst gesteckten Ziel (nahe bei 2,00%) der Europäischen Zentralbank. Die Sorge, dass aus der niedrigen Inflation eine Deflation werden könnte, wird längst nicht nur noch von Akteuren propagiert, die üblicherweise von weiteren Lockerungen der Geldpolitik profitieren würden. Die Kreditvergabe der Banken an Unternehmen und private Haushalte zu steigern ist in den Augen der Zentralbank das Mittel, um der Disinflation entgegen zu wirken. Aus diesem Grund hat Mario Draghi schon im September angekündigt, den Banken Kreditverbriefungen (Asset Backed Securities) abzukaufen, damit die wieder Spielraum bei der Kreditvergabe erlangen. Doch nicht nur die Kreditvergabe, sondern auch die Nachfrage nach Krediten für Investitionen ist verhalten. Die Erwartungen der Unternehmen für die eigene Entwicklung sind gedämpft und in diesem Umfeld machen Investitionen wenig Sinn. Deshalb wird bezweifelt, dass mit diesen Maßnahmen eine Trendwende möglich ist.  Wenn die günstigen Langfristkredite für Banken, der Kauf von ABS-Papieren und Kreditpakete in Form von Pfandbriefen keine ausreichende Wirkung zeigen, wird der Notenbank nichts übrig bleiben, als auch Staatsanleihenkäufe (QE/Quantitative Easing/Quantitative Lockerung) in Betracht zu ziehen. Inwieweit das im Rahmen des Mandats der Zentralbank liegt ist strittig und die Rechtmäßigkeit früherer Ankäufe wird gerade durch ein Gutachten des Europäischen Gerichtshofs geprüft.

Die Handlungsfähigkeit der EZB hat Grenzen, das erleben wir gerade.Ulrich Kater, Chefvolkswirt der Dekabank

Foto: Mario DraghiDas Umfeld für die Geldpolitik gestaltet sich weiterhin schwierig. Hinzu kommt die Tatsache, dass einige Mitglieder des EZB-Rats mit dem Führungsstil von Mario Draghi, dem Präsidenten der Europäischen Zentralbank, mehr und mehr unzufrieden sind. Bei der Vielzahl von Mitgliedern im Rat ist es offensichtlich, dass eine gesamteuropäische Geldpolitik auf Grenzen stößt. Die Probleme der Länder sind zu unterschiedlich und was für den Einen gut ist, behindert den Anderen. Der Konflikt scheint aber an Schärfe gewonnen zu haben. Auch die neue Bankenaufsicht durch die EZB ist nicht unumstritten. Kritiker fragen sich, wie der Interessenkonflikt zwischen Geldpolitik und Aufsicht funktionieren soll.

Im Moment wäre es aus geldpolitischer Sicht durchaus wünschenswert, wenn Investoren größere Risiken eingehen. Als Bankenaufseher jedoch hat die EZB die entgegengesetzte Aufgabe: Sie muss verhindern, dass die Banken allzu große Risiken eingehen. Dies ist nur ein Beispiel für Interessenkonflikte. Draghi muss zusammenbringen, was eigentlich nicht zusammenpasst.Quelle: handelsblatt.com

Auswirkungen der Geldpolitik auf Tagesgeld, Festgeld und Kredite

Eine genaue Untersuchung zeigt die Stärken und Schwächen eines ProduktsIm vergangenen Monat haben die Zinsen für Tagesgeld und Festgeld weiter nachgegeben. Die Zinsen für Kredite sind weiterhin gefallen. Weil die bisherigen Maßnahmen der Zentralbank keine ausreichende Wirkung zeigen und die aktuelle Lage der EZB, wie gezeigt wurde, eher mehr Konflikte als Lösungen erwarten lässt, ist abzusehen, dass die Zinsen auch weiterhin sinken werden. Aktuell ist mit Tagesgeld, dank der niedrigen Inflation immer noch eine Realrendite möglich. Voraussetzung dafür bleibt, die Angebote der Banken zu nutzen. Der Großteil dieser Angebote ist für Neukunden konzipiert und beinhalten eine Zinsgarantie von einigen Monaten. So etwa auch das Angebot PSA-Direktbank, die gerade auf dem Markt gestartet ist. Hier bekommt der Sparer einen Zinssatz von 1,50% gerechnet auf das Jahr mit einer Zinsgarantie bis zum 28.02.2015. Wer diese Angebote nutzt, hat die besten Chancen die Niedrigzinsphase zu überstehen.

Bei den Festgeldern ist der Zinssatz üblicherweise höher als auf den Tagesgeldkonten. Der bessere Zinssatz wird mit der geringeren Flexibilität erkauft, denn während der Laufzeit kann der Kunde nicht über sein Geld verfügen. Für die Laufzeit von 12 Monaten liegt das beste Angebot derzeit bei lediglich 1,50% Zinsen gerechnet auf das Jahr. Für die Laufzeit von 24 Monaten sind 1,80% Zinsen möglich. Sehr lange Laufzeiten sind nach wie vor nicht zu empfehlen. Niemand sollte die niedrigen Zinsen zu lange festschreiben, auch wenn die Aussichten für eine Zinswende eher schlecht sind.

Für Kreditnehmer gestaltet sich das Umfeld immer freundlicher. Die sinkenden Zinsen bieten die Möglichkeit, alte Kreditverträge umzuschulden und so von dem aktuellen Zinsniveau zu profitieren.

.. und zum Schluss

schlechte AussichtenDie Schlagzeile: „Sparer müssen jetzt einen Strafzins für Tagesgeld zahlen!“ bekommt sicher eine hohe Aufmerksamkeit! De facto hat eine Bank, in diesem Fall die Skatbank, beschlossen, sehr hohe Vermögen mit einem negativen Zinssatz zu belegen. Betroffen sind Einlagen in der Höhe von über drei Millionen Euro. Für die Beträge, die über diesem Betrag liegen, gilt der negative Zinssatz. Die wenigsten Sparer sind deshalb von dieser Konditionsänderung betroffen. Kaum jemand rechnet damit, dass diese Praxis in der Branche Verbreitung finden wird. Schon gar nicht bei kleineren Anlagebeträgen. Kein gutes Signal, aber auch kein Grund jetzt hektisch nach alternativen Anlageformen zu suchen. Für den Otto-normal-Sparer sind Tagesgeld und Festgeld immer noch eine sichere und sinnvolle Form der Geldanlage. Wer seinen Notgroschen vor dem Kaufkraftverlust schützen will, ist mit Tagesgeld gut beraten. Wer ein längerfristiges Sparziel, wie etwa den Kauf eines Autos verfolgt, ist mit Festgeld gut aufgestellt. Erst wenn große Vermögen zu verwalten sind, macht es Sinn auch andere Formen der Geldanlage dafür zu nutzen. Das gilt aber nicht erst, seitdem die Zinsen niedrig sind. Der Zweck bestimmt das Mittel und damit auch die Risikoklasse. Geld, das demnächst ganz sicher gebraucht wird, muss auch ganz sicher und jederzeit verfügbar angelegt werden!

Bildquelle:

© Europäische Zentralbank; © alphaspirit – Fotolia.com; © Sondem – Fotolia.com

Hier schreibt Thomas Gödert

Online-Redakteur Finanzen. Arbeitet seit 2012 bei BergMedia.net. Thomas Gödert ist auch auf Google+ und Twitter aktiv.
Kategorie: Festgeld, Kredit, Tagesgeld

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