Der Leitzinsentscheid vom 7. August 2014

FinanzspritzeHeute hat der Rat der Europäischen Zentralbank in seiner Sitzung in Frankfurt beschlossen, die Leitzinsen unverändert zu lassen. Die letzte Senkung der Leitzinsen erfolgte im Juni 2014. Die EZB ist in Wartestellung, weil sie schon zuvor Maßnahmen für den kommenden September angekündigt hat.


  • Zinssatz für die Hauptrefinanzierungsgeschäfte: 0,15%
  • Zinssätze für die Spitzenrefinanzierungsfazilität: 0,40%
  • Einlagefazilität:-0,10%

Die Unterschiede und die Bedeutung der einzelnen Werte erklären wir in der Artikelserie zur Europäischen Zentralbank


Aussichten eingetrübt

schlechte AussichtenDer Umstand, dass die Zentralbank noch abwartet, ist der Tatsache geschuldet, dass sie für September ein Paket mit Krediten angekündigt hat. Das Programm zinsgünstiger Langfristkredite soll in den kommenden Jahren Schwung in die Wirtschaft bringen.

Die aktuellen Marker für die Entwicklung der Eurozone sehen allerdings alles andere als gut aus. Die Inflationsrate ist weiterhin am Sinken und die EZB  entfernt sich weiter von ihrem selbst gesteckten Inflationsziel von 2,00%. Die Kreditvergabe kommt trotz des billigen Notenbankgeldes nicht zum Laufen. Die Meldung, dass die Kreditvergabe jetzt weniger rückläufig ist, wird da schon als kleiner Erfolg verbucht. Und dann noch das; unerwartet erfährt die Wirtschaftsentwicklung einen Dämpfer.

Die Stimmung in der deutschen Wirtschaft hat sich im Juli erneut eingetrübt. Das Barometer für das Geschäftsklima sank auf 108,0 Punkte von 109,7 Zählern im Juni, wie das Ifo-Institut am Freitag zu seiner Umfrage unter rund 7000 Managern mitteilte.focus.de

 

Schuld sind die Krisenherde der Welt und Krisen gibt es reichlich. Die Ukraine, der Nahe Osten und auch Afrika drücken die Stimmung der Manager. Diese Konflikte machen jetzt auch den Börsen zu schaffen. Während Sparer sich mit andauernd fallenden Zinsen abfinden mussten, konnte der DAX durch die Niedrigzinspolitik mit Ansage (Forward Guidance) zum Höhenflug ansetzen. Jetzt ist auch hier die Stimmung eingetrübt. Es gibt kaum nennenswerte Wachstumsimpulse. Die Zentralbank wird deshalb auch weiterhin und noch langfristig auf billiges Notenbankgeld setzen (müssen) und auch das Thema Anleihenkäufe (Quantitative Easing) wird uns in Zukunft beschäftigen.

Ergo: Mit besseren Zinsen für Tagesgeld und Festgeld ist auch weiterhin nicht zu rechnen!

Inflationsrate Eurozone August 2014
Mehr Statistiken finden Sie bei Statista

Zinsentwicklung für Tagesgeld und Festgeld

Die Zinsen für Tagesgeld und Festgeld bewegen sich noch immer auf einem sehr niedrigen Niveau. Weil die Inflation so niedrig ist, kann ein aktiver Sparer – der breit ist den Markt zu beobachten und der auch den Anbieterwechsel nicht scheut – noch immer den Kaufkraftverlust ausgleichen.

Mittlerweile gibt es 198 Institute in Deutschland, die keine Zinsen mehr auf Tagesgeld zahlen.welt.de

Im Juli 2014 und Anfang August gab es wieder zahlreiche Zinssenkungen zu vermelden. Diesmal war es die Moneyou Bank, die mit der Zinssenkung beim Tagesgeld startete. Sie senkte die Zinsen um 10 Basispunkte auf 1,20%. Die Renault Bank und andere folgten. Für heute hat die Bank of Scotland eine Zinssenkung für das Tagesgeld angekündigt. Hier sinkt der Zinssatz um ganze 30 Basispunkte auf dann 0,80% Zinsen per annum.

Auf die Zinsen achtenFür Festgeld ist weiterhin ein Abwärtstrend zu beobachten. Am 11.07.2014 hatte die Credit Agricole Bank eine Zinssenkung umgesetzt und für den 08.08.2014 steht schon die nächste an. Diesmal sinkt der Zinssatz um 10 Basispunkte pro Laufzeit. Auch Klarna musste an der Zinsschraube (nach unten) drehen.

Der höchste Zinssatz für Tagesgeld-Neukunden liegt jetzt bei 1,40% Zinsen gerechnet auf das Jahr. Den bieten die Volkswagenbank und die Audibank mit einer Zinsgarantie von vier Monaten. Ohne den Neukundenbonus liegt der beste Zinssatz bei 1,20% p.a. und kommt von der Renault Bank direkt.

Beim Festgeld mit der Laufzeit von 12 Monaten kann der Sparer sein Geld für 1,55% Zinsen bei der Bigbank festschreiben. Für 24 Monate Laufzeit bietet die DenizBank 1,80% Zinsen gerechnet auf das Jahr. Von allzu langen Laufzeiten ist abzuraten, auch wenn die Trendwende noch immer nicht abzusehen ist.

Markstart mit Hindernissen – Wie sicher sind die Einlagen bei russischen Tochterbanken?

SberbankIm Schatten der Ukraine-Krise und den Sanktionen der EU gegen Russland startet ein neuer Anbieter für Tagesgeld auf dem deutschen Markt. Die österreichische Sberbank Direct startet mit sehenswerten 1,30% Zinsen gerechnet auf das Jahr. Die Konditionen und das Banking-Portal machen einen guten Eindruck. Weil hinter der Bank ein russischer Mutterkonzern steht, bleibt die berechtigte Sorge, ob die Einlagen der Sparer aufgrund der politischen Auseinandersetzungen dort aktuell sicher sind. Nicht nur die Sberbank direct ist betroffen, sondern alle russischen Tochterbanken mit Sitz in Europa. Dazu zählen auch die DenizBank und die VTB Direktbank. Letztere sind schon länger auf dem Markt etabliert und deshalb haben diese Banken auch schon einige Kundengelder eingesammelt. Dabei gibt es warnende als auch beruhigende Stimmen. Schließlich gilt für alle Banken die Einlagensicherung nach EU Richtlinie und deshalb sind pro Sparer Einlagen bis 100.000,- Euro gesetzlich abgesichert. Zudem sind diese Banken von den Sanktionen nicht betroffen. Schaut man sich das Anlageverhalten der deutschen Sparer an, stellt man fest, dass für Sicherheit gerne auf Rendite verzichtet wird. Das wird sich sicher auch auf das Neukundengeschäft dieser Banken auswirken! Warum sollte sich der Sparer, für wenige Prozentpunkte mehr Rendite, freiwillig in die Wirren dieser politischen Krise begeben? Für den vorsichtigen Sparer verringert sich dadurch die Auswahl!

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Hier schreibt Thomas Gödert

Online-Redakteur Finanzen. Arbeitet seit 2012 bei BergMedia.net. Thomas Gödert ist auch auf Google+ und Twitter aktiv.
Kategorie: Depot, Festgeld, Tagesgeld

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