EZB senkt den Leitzins wie erwartet auf 0,50 %

Leitzins sinkt abermals auf RekordtiefAuf der heutigen Sitzung in Bratislava, hat der EZB-Rat den Leitzins erneut gesenkt. Er liegt jetzt bei 0,50 % Die Europäische Zentralbank dreht den Geldhahn nochmal auf! Banken können sich zu diesem Zinssatz Gelder bei der Zentralbank beschaffen. Sinken nun die Tagesgeldzinsen weiter?

Für Sparer gestaltet sich der Start ins Jahr 2013 schwierig. Der niedrige Leitzins, der als Referenzzins auch die Höhe der Guthabenzinsen maßgeblich beeinflusst ist mit aktuell 0,50 Prozent so niedrig wie noch nie zuvor. Seit Juli 2012 lag er mit 0,75 Prozent schon sehr niedrig. Die Europäische Zentralbank hofft mit dem Leitzinsentscheid mehr Gelder und damit auch günstigere Kredite für Unternehmen auf dem Markt bereitzustellen, um die wirtschaftliche Entwicklung der europäischen Länder positiv zu beeinflussen.

Ob das Instrumentarium der EZB auch den erhofften Erfolg bringt, oder eine Leitzinssenkung das Wachstum sogar bremst, da sind sich Politik und Experten noch uneins. Was für Krisenländer gut wäre, das könnte stabileren Mitgliedern, darunter auch Deutschland, schaden. Die Kritik und der Versuch der Einflussnahme auf die Zentralbank wächst. Die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel sprach in diesem Zusammenhang von einer Spaltung des Euroraums, den es zu überwinden gelte. Der Effekt der Maßnahmen der EZB auf Sparprodukte, wie etwa Tagesgeld oder Festgeld ist allerdings sehr deutlich. Andauernd fallen die Zinsen. Privatanleger leiden unter den Krisen der Banken und Mitgliedsländer.

Sparsamkeit wird aktuell nicht belohnt!

Nachrichten über Zinssenkungen sind seit Anfang des Jahres für Sparer überall präsent und die Zinsgewinne schrumpfen zusammen. Einhergehend mit dem niedrigen Leitzins ist allerdings auch die Inflationsrate gesunken. Die deutsche Inflationsrate sank im April 2013 auf 1,20%. Tagesgeld-Angebote sind aktuell bestenfalls mit 1,65 % Zinsen gerechnet aufs Jahr zu finden. Sparer, die konsequent auf Anbieter mit guten Zinsen setzen, haben demnach immer noch einen leichten Gewinn. Bei Festgeldern sind bei längeren Laufzeiten lediglich leicht höhere Zinsen zu erwirtschaften. Allzu lange Laufzeiten sind aber nicht zu empfehlen, um die Minizinsen nicht langfristig zu zementieren.

Die Kassen der mittel- und nordeuropäischen Banken sind voll

Ein herausragendes Angebot der Banken ist aktuell nicht zu finden. Die Zinsen sind allgemein niedrig. Keine Bank erhöht derzeit den Wettbewerbsdruck und zeigt Ambitionen mit einen herausragendem Angebot auf Kundenfang zu gehen. Lediglich die Renault Bank direkt, die im April auf dem deutschen Markt startete, führt weiter die Vergleichslisten an. Die Unterschiede zu den Mitbewerbern sind aber gering. Daraus läßt sich durchaus ableiten, dass der Bedarf an Kapital der Banken durch den Geldmarkt ausreichend gedeckt ist. Das gilt zumindest für die Banken in Mittel- und Nordeuropa. Durch die EZB stehen nun liquide Mittel sogar zu verlockenden 0,50 % zur Verfügung. Es gibt also kein Grund bei Tagesgeld & Festgeld eine hohe Attraktivität auf Privatkunden auszustrahlen, die Bestandskunden nicht gänzlich zu vergraulen, ist aus Bankensicht das Gebot der Stunde.

Dabei ist allerdings nicht sehr viel Sensibilität erforderlich, wenn man weiß, das viele Tagesgeldkonten schon mehr als drei Jahre existieren, unabhängig wie schlecht die Zinsen auf dem Konto sind und ebenso unabhängig von zahlreichen, besseren Angeboten der Mitbewerber. Das wissen natürlich die Banken am besten und profitieren davon.

Der Geldmarkt bietet Zinsen ohne Risiken

Trotz niedriger Zinsen sollten die Verbraucher aber den Kopf nicht in den Sand stecken. Wer sein Geld nicht anlegt, der macht aufgrund der Inflation Verluste, die eigentlich leicht abzuwenden sind. Der Geldmarkt ist für Privatanleger, die sich nicht zu den Finanzprofis zählen ein geeigneter Markt. Das Risiko ist, dank der Einlagensicherung, bei der Anlagebeträge bis 100.000 Euro pro Sparer völlig sicher sind, gering. Die Renditechancen sind aktuell auch gering, aber sie können immer noch den Kaufkraftverlust ausgleichen. Die Flexibilität von Tagesgeld sucht seinesgleichen im Anlagebereich, da die Gelder jederzeit zur Verfügung stehen.

Kommen jetzt günstigere Kredite?

In der Vergangenheit hat sich der niedrige Leitzins nur wenig bei den Krediten für Privatkunden bemerkbar gemacht. Es ist also nicht zu erwarten, dass die Zinsforderungen in dem Maß purzeln, wie das bei den Sparprodukten zu beobachten ist. In einer Pressemeldung, auf www.pressetext.com, die der Bundesverband Öffentlicher Banken kurz nach der Leitzinsenscheidung online gestellt hat, warnt der VÖB-Präsident Christian Brand allerdings schon davor, dass sinkende Zinsen falsche Anreize für die Kreditvergabe setzen könnten.

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Hier schreibt Thomas Gödert

Online-Redakteur Finanzen. Arbeitet seit 2012 bei BergMedia.net. Thomas Gödert ist auch auf Google+ und Twitter aktiv.
Kategorie: Festgeld, Kredit, Tagesgeld

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