Ergebnisse aus dem iff-Überschuldungsreport 2014

ÜberschuldungDer iff-Überschuldungsreport 2014 bietet interessante Zahlen und Fakten zum Thema Überschuldung in Deutschland. Arbeitslosigkeit, gescheiterte Selb-ständigkeit, Scheidung, Konsumverhalten und Krankheit sind altbekannte Gründe für Überschuldung. Die Macher der Studie machen diesmal Einkommensarmut als neuen Faktor aus!

Solide Datenbasis

Die Datenquelle, auf der diese Untersuchung beruht, kann sich sehen lassen. Sie stammen von 50.670 Haushalten. Erhoben wurden diese Daten seit dem Jahr 2004 von rund 20 Schuldnerberatungsstellen, die diese Haushalte betreut haben. Zum neunten Mal gibt der iff-Überschuldungsreport Auskunft über Ver- und Überschuldung in Deutschland.

Interessante Ergebnisse und Überblick zur Studie

Ein Ergebnis dieser Untersuchung ist nicht neu, schafft es aber auch nicht zum „Allgemeinwissen“ zu werden. Als Hauptgrund für eine Verschuldung oder schlimmer noch eine Überschuldung denken wir zuerst an ein falsches Konsumverhalten der Betroffenen. Seit Jahren zeigen die Zahlen aber, dass diese voreilige Annahme so nicht stimmt. Für Betroffene ist die negative Wahrnehmung in der Öffentlichkeit keine schöne Erfahrung. Wenn Scham dazu führt, dass die Probleme nicht oder verspätet angegangen werden, ist das bitter!

Die üblichen Verdächtigen, die zur Überschuldung führen heißen Arbeitslosigkeit, Scheidung, Krankheit, Konsumverhalten und gescheiterte Selbständigkeit. Je nach Altersgruppe variieren diese Faktoren, sind aber durchgängig zu finden.

Hauptgründe für Überschuldung

Ein Novum dieser Untersuchung ist, dass Einkommensarmut als neuer relevanter Grund für Überschuldung identifiziert wurde. Dieser Grund zeigt sich besonders häufig bei älteren Personen. Trotz allgemein positiver Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt fällt die steigende Anzahl prekärer Arbeitsverhältnisse in Deutschland auf.

Insgesamt verzeichnen die Macher der Studie einen leichten Rückgang der Überschuldung. Die Verbraucherinsolvenzen sind rückläufig und auch die Insolvenzen ehemals selbständiger Personen zeigen keinen Zuwachs. Erfreulich ist auch, dass die Regulierung im Bezug auf das Pfändungsschutzkonto (P-Konto) und zum „Konto für Jedermann“ Wirkung zeigen. Schuldner haben weniger Probleme trotz Schuldenlast ein Girokonto zu erhalten.

Die Kontolosigkeit hat den niedrigsten Stand seit Beginn unserer Messungen erreicht.iff-Überschuldungsreport 2014

Verbraucherinsolvenzen
Im Durchschnitt sind die Klienten der Schuldenberatungsstellen mit 31.431,- Euro verschuldet. Klienten im Alter bis 25 Jahre haben durchschnittlich 8.443,- Euro Schulden. Personen der Altersgruppe von 25 bis 65 Jahren haben im Schnitt 33.508,- Euro zu tilgen. Personen im Alter von 65 Jahren und darüber haben mit durchschnittlich 42.214,- Euro die höchste Schuldenlast zu tragen. Als „überschuldet“ sehen die Autoren Personen an, die mit den zu Verfügung stehenden Mitteln – trotz Sparbemühungen und Willen zum Schuldenabbau – nicht in der Lage sind, fällige Forderungen zu bedienen.

Da es nicht in erster Linie das Konsumverhalten der Betroffenen ist, das in die Verschuldung führt, sehen die Autoren auch die Verantwortung nicht bei den Schuldnern.

Überschuldung ein vielschichtiges Phänomen ist, dessen Ursachen primär in einem fehlkonstruierten Finanzsystem mit Fehlanreizen auf der Anbieterseite liegen, deren Folgen aber vor allem den Verbrauchern oder Schwächeren aufgebürdet werden.iff-Überschuldungsreport 2014

Wer glaubt, dass mit dieser doch scharfen Kritik nur die Banken gemeint sind, der irrt. Denn Gläubiger sind auch die öffentliche Hand, gewerbliche Gläubiger und Inkassounternehmen. Die Liste kann noch erweitert werden um den Versandhandel, Vermieter, Gerichte, Telekommunikationsunternehmen, Versicherungen und weitere. In der Verantwortung ist dann natürlich auch der Gesetzgeber.

Über dieses Urteil kann sicherlich gestritten werden. Falsch ist es jedoch, dass die Macher der Studie den Verbraucher und Schuldner ganz außen vor lassen.

„Unsere Meinung ist: Wer dauerhaft der Ver- und Überschuldung entrinnen möchte, sollte in der Lage sein, das verfügbare Haushaltseinkommen zielgerichtet einzusetzen. Ein sinnvolles und nachhaltiges Management der zur Verfügung stehenden Liquidität sichert ein selbstbestimmtes Leben – auch und vor allem im Hinblick auf die richtige Einschätzung von Lebensrisiken.“iff-Überschuldungsreport 2014

Mehr Fakten gefällig?Mit der Stiftung „Deutschland im Plus“ steht den Verbrauchern dafür ein Informationsportal zur Verfügung. Auf der Seite gibt es zahlreiche Informationen zum Thema und die Möglichkeit eine geeignete Beratungsstelle zu finden.. Es werden aber auch Projekte der Stiftung vorgestellt und zum Managen der eigenen Finanzen gibt es einen kostenlosen Finanzmanager als App für das Smartphone.

Wer durch die kurze Zusammenfassung angespornt ist und einen Blick in das Originaldokument werfen möchte, wird auf der Seite iff-ueberschuldungsreport.de fündig. Die Studie hat noch zahlreiche Informationen, etwa zum Thema Überschuldung im Alter, zu bieten und beschreibt auch ausführlich die Methodik der Sozialen Schuldenberatung.


Lust auf noch mehr Zahlen und Statistiken?

Artikel: Ergebnisse aus dem SchuldnerAtlas 2013
Artikel: So stehen die Deutschen zum Sparen – Studien aus dem Jahr 2014
Artikel: Cost of Cash Studie 2013: 12,5 Milliarden Euro pro Jahr kostet Bargeld in Deutschland
Artikel: Studie zum Anlageverhalten der Deutschen der Gothaer Asset Management AG

Artikel: Lieber kein Risiko eingehen – Bundesbürger verzichten aus Angst vor Verlusten gerne auf Rendite


Bildquelle:

© wordle.net, © iff; © Edler von Rabenstein – Fotolia.com

Hier schreibt Thomas Gödert

Online-Redakteur Finanzen. Arbeitet seit 2012 bei BergMedia.net. Thomas Gödert ist auch auf Google+ und Twitter aktiv.
Kategorie: Girokonto, Kredit

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.