EU plant die Deckelung der Kreditkartengebühren

Kreditkarte mit Euro-FlaggeDas Zahlen mit Plastikgeld könnte schon ab dem nächsten Jahr günstiger werden. Das EU-Parlament will die dafür fälligen Gebühren deckeln und hat einen Verordnungsentwurf zur Kostenbegrenzung beschlossen. Die Brüsseler Behörde hat es sich zum Ziel gesetzt, die Aufwendungen für Kredit- und Debitkartenzahlungen zu drosseln und zugleich den Wettbewerb in diesem Segment zu stärken.

Obwohl die Umsetzung dieser Pläne noch in weiter Ferne liegt und gegebenenfalls Jahre in Anspruch nehmen kann, gehen die Kreditkartenanbieter bereits auf die Barrikaden und drohen mit steigenden Jahresgebühren für Kreditkarten.

Mastercard, Visa und Co im Visier der Politik

Die Pläne träfen insbesondere die größten Anbieter Mastercard und Visa, aber auch Kreditkartenfirmen wie American Express, sollte deren Geschäft deutlich anwachsen. Dies soll verhindern, dass die Regulierung mit Ausweichreaktionen unterlaufen wird. Die Deckelungsabsichten werden jedoch nur dann Gesetz, wenn das Parlament und die EU-Staaten einen diesbezüglichen Kompromiss finden. Die Gespräche sind für den Sommer, nach Ende der Europawahlen, angesetzt. Die Begrenzung betrifft konkret die Verarbeitungsgebühren, welche die Banken untereinander absprechen und von den Einzelhändlern einfordern, sobald ein Kunde beim Einkauf mit der Kreditkarte zahlt (Interbankenentgelt). Nach Aussage der EU-Kommission beträgt die Gesamtsumme dieser Aufwendungen momentan circa zehn Milliarden Euro jährlich. Die Händler ihrerseits schlagen die von ihnen zu zahlenden Summen häufig auf die Preise auf.

Die EU strebt eine einheitliche Neuregelung der Gebühren an

Europa - FlaggenDie derzeitige Gebührenhöhe fällt europaweit sehr verschieden aus. Während in den Niederlanden nur 0,2 Prozent fällig werden, betragen die Aufschläge in Polen bis zu 1,5 Prozent. In Deutschland sind die Gebühren nach EU-Angaben mit durchschnittlich 1,8 Prozent am höchsten. In Zukunft sollen sich die Kreditkartengebühren nur noch maximal auf 0,3 Prozent vom jeweiligen Kaufpreis beziffern dürfen, bei Debitkarten wie der EC-Karte auf sieben Cent oder 0,2 Prozent (abhängig davon, welcher Betrag niedriger ist). Die Obergrenzen hätten sowohl für nationale als auch für grenzüberschreitende Zahlungen Gültigkeit. Karten von Anbietern, die sich nicht an diese neuen Höchstgrenzen halten und höhere Gebühren verlangen, darf der Einzelhandel zukünftig ablehnen oder einen entsprechenden Aufschlag erheben.

Die Begrenzung soll Verbraucher und Händler gleichermaßen entlasten. Die EU rechnet damit, dass die Händler die künftige Ersparnis an ihre Kunden weitergeben. CSU-Finanzexperte Markus Ferber betont, dass es derzeit kaum mehr eine nachvollziehbare Verbindung zwischen der faktischen Gebührenhöhe und den anfallenden Transaktionskosten gäbe. Das System wäre für den Verbraucher nicht genügend transparent. Außerdem würden die Abgaben oft dazu verwendet, Bonusprogramme, beispielsweise Bonusmeilen, zu finanzieren – Dinge, die mit dem eigentlichen Zahlungsvorgang überhaupt nichts zu tun hätten. Ungewiss bleibt, ob die Einsparungen auf Seiten der Handelsunternehmen letztendlich wirklich den Verbraucher erreichen.

Wird der Kunde am Ende mehr bezahlen müssen?

Das ist ärgerlich!Für Kreditkartenunternehmen und Banken könnte die Deckelung einen signifikanten Verlust darstellen. Deshalb ist es nicht unwahrscheinlich, dass die kartenausgebenden Banken versuchen, die ausbleibenden Gebühren anderweitig wieder reinzuholen, beispielsweise durch höhere Jahresgebühren für die Kreditkarten. In diesem Fall hätten die Kunden die Kosten für diese Pläne zu tragen. Mastercard ließ kurz nach Bekanntgabe des Deckelungsvorhabens per Statement mitteilen, dass das Unternehmen über die Entscheidung des EU-Parlaments „tief besorgt“ sei, den von der Kommission vorgeschlagenen „one-size-fits-all“-Ansatz beizubehalten. Die Einführung der strickten Obergrenze für die Interbankenentgelte basiere auf keinerlei klaren Daten oder Methoden. Zum einen würden die unterschiedlichen Marktgegebenheiten in den einzelnen Ländern ignoriert und zum anderen sei die Wahrscheinlichkeit hoch, dass die Kosten der Karten für kleinere Händler und Verbraucher in die Höhe schießen.

Experten kritisieren das Vorhaben der EU

Auch der Wissenschaftler und Finanzexperte Dr. Bott, Professor für Finanzdienstleistungen an der Fachhochschule Kaiserslautern, weist darauf hin, dass die von der EU-Kommission angestrebten Preisobergrenzen sich aus einer Modellrechnung, dem sog. Merchant Indifference Test ergeben, dessen Ergebnis er jedoch anzweifelt. Nach seinen Angaben fehlt es an belastbaren Daten, die dazu nötig wären, Preisobergrenzen wie die von der EU-Kommision vorgeschlagenen zu berechnen. Außerdem würden der Kalkulation Kosten zugrunde gelegt, die sich europaweit erheblich unterscheiden. Einheitliche Obergrenzen sieht der Finanzexperte daher in einem so heterogenen Markt wie dem europäischen nicht als förderlich an.

Das Europaparlament will Kreditkartenzahlungen im Internet sicher und transparent gestalten

Sicherheit der KreditkarteNeben der geplanten Deckelung der Kreditkartengebühren befürwortete das Europaparlament einen Vorschlag, der darauf abzielt, Online-Zahlungen per Kreditkarte sicherer und transparenter zu machen. Demnach müssen Internet-Händler ihre Kunden über die exakten Kosten für Zahlungen informieren. Wird eine Kreditkarte verloren oder gestohlen und damit Geld abgebucht, müssen die Beträge diesem Vorschlag zufolge innerhalb eines Tages erstattet werden. Der Kunde ist jedoch mit einem Betrag von maximal 50 Euro selbst haftbar.

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Hier schreibt Mischa Berg

Mischa Berg ist Herausgeber von Bankenvergleich.de und veröffentlicht seit 2007 News und Kommentare zur Geldanlage in Tagesgeld und Festgeld. Mischa Berg ist auch auf Google+ und Facebook aktiv.
Kategorie: Kreditkarte

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