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Sind hohe Überziehungszinsen ein Auslaufmodell?

Die Rote Karte zeigenAm Ende eines Quartals erhalten Bankkunden ihre Kontoabrechnung. Auf dieser Kontoabrechnung sind in der Regel auch die Überziehungszinsen aufgeschlüsselt. Banken verdienen mit den Zinsen sehr viel Geld. Doch die Kunden ärgern sich natürlich, wenn die Zinsen völlig überzogen sind. So verlangen manche Kreditinstitute bis zu 14 % Überziehungszinsen.

Der Verbraucherschutz kritisiert die Vorgehensweise einiger Geldhäuser schon seit Jahren. Auch die Bundesregierung hat sich zum Ziel gesetzt, die Banken dahingehend einzuschränken und die Kunden zu schützen. Tatsächlich reagieren jetzt die ersten Banken und schaffen die Überziehungszinsen komplett ab. Doch ist diese Entwicklung flächendeckend zu erwarten? Welche Banken schaffen die Überziehungszinsen ab? Warum werden die Überziehungszinsen überhaupt kritisiert? Sind sie für die Banken wichtig oder schaden sie eigentlich nur den Kunden?

Was sind Überziehungszinsen?

verstanden!Überziehungszinsen sind Zinsen, die Bankkunden für die Überziehung ihres Girokontos zahlen müssen. Als klassisches Beispiel kann hier der Dispositionskredit genannt werden. Ein Kunde der einen Dispositionskredit in Höhe von 3.000,00 EUR hat und diesen ein Jahr lang in Anspruch nimmt, wird bei einem Überziehungszins von 13 % einen Zinsbetrag in Höhe von 390,00 EUR zahlen müssen. Im Zusammenhang mit den Überziehungszinsen kann jedoch zwischen geduldeter und genehmigter Überziehung unterschieden werden. Von einer genehmigten Überziehung wird gesprochen, wenn eine Kreditlinie (Dispositionskredit) eingeräumt worden ist. Die Zinsen betragen dann, wie vorgenannt aufgeführt, beispielsweise 13 %. Eine geduldete Überziehung liegt vor, wenn Bankkunden ihr Konto über diese Kreditlinie hinaus überziehen. Hat der Kunde im oben genannten Beispiel sein Konto also um 5.000,00 EUR überzogen, so zahlt er nur für die 3.000,00 EUR einen Zinssatz von 13 %. Geduldete Überziehungszinsen sind nämlich wesentlich höher. Hier verlangen Banken bis zu 19 % Zinsen. Im angeführten Beispiel müsste der Kunde also für 2.000,00 EUR 19 % Zinsen pro Jahr zahlen. Das entspricht 380,00 EUR. Insgesamt würde also ein Betrag in Höhe von 770,00 EUR fällig. Eine geduldete Überziehung liegt auch immer dann vor, wenn das Konto überzogen wird und kein Dispositionskredit eingeräumt wurde.

Warum stehen die Überziehungszinsen in der Kritik?

Die Überziehungszinsen sind für Banken eine sehr lukrative und große Einnahmequelle. Ein Beispiel verdeutlicht, wie eine Bank durch die Überziehungszinsen Geld verdient. Kreditinstitute können sich bei der Zentralbank für beispielsweise 1 % Geld leihen. Dieses Geld wird dann zu 13 % oder sogar 19 % an die eigenen Kunden verliehen. Dadurch entsteht eine Marge von 12 % bzw. 18 %. Die hohen Zinsen werden von Banken dadurch gerechtfertigt, dass sie auf die Ausfallrisiken hinweisen. Darunter wird das Risiko verstanden, dass sie das Geld, welches sie dem Kunden geliehen haben, nicht zurückbekommen. Außerdem argumentieren die Banken, dass Kunden stets auf ihre Dispositionskredite zugreifen können. Dadurch müssen die Kreditinstitute immer genug Geld vorrätig haben, um die Kunden versorgen zu können. Ein hoher Geldbestand ist sehr teuer, so das Argument der Banken.

Damit lässt sich ordentlich Geld scheffelnVon Verbraucherschützern und auch von der Politik werden die Argumente jedoch zurückgewiesen. Die Kreditinstitute werden im Gegenzug für die hohen Überziehungszinsen sogar scharf kritisiert. Die Kritik ist berechtigt, denn Studien zeigen, dass nur ein sehr geringer Prozentsatz aller Dispositionskredite nicht zurückgezahlt wird. Gleichzeitig müssen Banken sowieso immer ausreichend Geld vorrätig haben. Die Argumente der Banken, mit denen die hohen Überziehungszinsen gerechtfertigt werden, sind daher nicht nachvollziehbar. Viele Kreditinstitute halten dennoch an den Überziehungszinsen fest, weil es sich dabei um eine der besten Einnahmequellen handelt, die sie haben. Einige Institute haben jedoch begonnen, die Überziehungszinsen abzuschaffen.

Erfolgt eine flächendeckende Abschaffung der Überziehungszinsen?

Einige Banken haben in den letzten Wochen und Monaten die Überziehungszinsen abgeschafft. Dabei handelt es sich in erster Linie um Direktbanken. Diese begründen den Schritt damit, dass sie die Überziehungszinsen für nicht mehr zeitgemäß genug halten. Auch einige Filialbanken ziehen einen solchen Schritt in Erwägung. Die Politiker beraten schon einige Zeit darüber, Bankkunden gesetzlich vor den hohen Zinsen zu warnen. Das hat dazu geführt, dass sich die Banken mit ihrem Geschäftsmodell auseinandergesetzt haben. Tatsächlich handelt es sich um eine gute Strategie, die Überziehungszinsen abzuschaffen. Auf diese Weise lassen sich Wettbewerbsvorteile erzielen und Neukunden gewinnen. Das ist der wahre Grund der Abschaffung der Überziehungszinsen. Da die Abschaffung nicht flächendeckend durchgeführt wird, kann der Ertragsverlust durch Neukunden und Geschäfte mit Neukunden ausgeglichen werden. Direktbanken haben weniger Personalkosten und können die Abschaffung daher einfacher finanzieren. Viele Filialbanken verweigern jedoch die Abschaffung und werden auch in Zukunft an den Überziehungszinsen festhalten.

Welche Konsequenzen ergeben sich für die Kunden?

immer mehr Banken bieten ein kostenloses GirokontoKunden können von der momentanen Situation profitieren. Wer hohe Überziehungszinsen zahlt. Sollte auf jeden Fall einen Vergleich durchführen und ggfs. sogar die Bank wechseln. Bei den Banken, die die Überziehungszinsen abgeschafft haben, kann viel Geld gespart werden. Dennoch sollten Kunden bei einem Wechsel vorsichtig sein. Die Banken versuchen natürlich, die entgangenen Erträge an anderer Stelle zu generieren. Das kann zum Beispiel durch höhere Kontoführungsgebühren oder Gebühren für Buchungen sein. Daher ist ein umfangreicher Vergleich vor dem Wechsel unabdingbar.

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Hier schreibt Mischa Berg

Mischa Berg ist Herausgeber von Bankenvergleich.de und veröffentlicht seit 2007 News und Kommentare zur Geldanlage in Tagesgeld und Festgeld. Mischa Berg ist auch auf Google+ und Facebook aktiv.
Kategorie: Girokonto, Kredit

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