Leitzinsentscheid vom 08. Mai 2014

Handel und Geld in der EurozoneHeute hat der Rat der Europäischen Zentralbank in seiner Sitzung in Brüssel über den Leitzins entschieden. Der Leitzins, der Zinssatz für die Hauptrefinanzierungsgeschäfte, bleibt unverändert bei der Marke von 0,25%. Damit ist der Referenzzinssatz für Tagesgeld und Festgeld seit November 2013 unverändert und sorgt für niedrige Zinsen für Sparer.


Im Vorfeld der Entscheidung gingen wenige Experten von einer Senkung des Leitzinses aus. Laut dem Wirtschaftsmagazin Bloomberg gingen 56 von 58 der regelmäßig befragten Experten davon aus, dass die Europäische Zentralbank den Leitzins auf dem jetzigen Stand belassen würde.

Zinsentwicklung für Sparprodukte und Kredite

Der Zinsen für Tagesgeld und Festgeld zeigen sich aktuell relativ stabil. Einige Banken haben im letzten Monat an der Zinsschraube gedreht. Es gab sowohl Zinssenkungen als auch leichte Zinserhöhungen. Ein gleichförmiger Trend in eine bestimmte Richtung ist derweil nicht zu beobachten. Die Konditionsänderungen der Banken sind deshalb eher auf den Bedarf an Kundeneinlagen zurückzuführen. Die Spitzenzinssätze haben sich im vergangenen Monat nicht wesentlich verändert.

Das beste Tagesgeld Angebot kommt von der VW Bank und bietet 1,40% Zinsen p.a. mit einer Zinsgarantie von 4 Monaten. Der Spitzenzinssatz für einjähriges Festgeld liegt aktuell bei 1,70% p.a. und stammt vom schwedischen Anbieter Klarna.
Im Bereich der Kredite ist es ruhiger geworden. In den Monaten zuvor hatten einige Banken die Zinsen leicht zugunsten der Kreditnehmer gesenkt und die Vorteile, die sie selbst durch den sehr niedrigen Referenzzinssatz genießen, an die Kunden weiter gegeben. Das ist ein guter Zeitpunkt, um teurere Kredite umzuschulden oder eine größere Anschaffung schneller über einen Kredit zu realisieren.

Die wirtschaftliche Lage in Europa wird besser bewertet – niedrige Inflation bleibt ein Sorgenkind der EZB

Neuigkeiten!Erfreulich sind die Meldungen über das mögliche Ende der Rezension und ein Wachstum der Wirtschaft in der EU. Die Meldung zur Frühjahrsprognose 2014 trägt den Titel: Wachstum auf breiterer Basis. Die EU rechnet für die Zukunft mit soliden Zahlen, solange sich die Mitglieder weiterhin um die Umsetzung der vereinbarten politischen Maßnahmen und der notwendigen Korrekturprozesse kümmern. Das Ifo-Institut bescheinigte der EU diese Woche, dass das Wirtschaftsklima so gut sei, wie zuletzt 2007.

Die schleppende Kreditvergabe war in den vergangenen Monaten immer wieder Grund zur Schelte gegen die EZB. Mit einer noch lockereren Geldpolitik, so die Forderung, sollte die Vergabe von Krediten angekurbelt werden. Auch hier gibt es mittlerweile positive Meldungen.

Die krisenbedingt schwache Nachfrage nach Bankkrediten scheint anzuziehen.www.focus.de

Durch die Inflation entsteht dem Anleger ein Kaufkraftverlust.Einziges Sorgenkind bleibt die niedrige Inflation. In Deutschland ist die Inflation in diesem Monat mit 1,30% gleich 30 Basispunkte über dem Vormonatswert angelangt. Auch innerhalb der Eurozone ist die Inflation angestiegen, aber eben nur sehr gering. Im März wurde sie mit 0,50% angegeben und für April mit 0,70%.

Niedrige Inflation setzt EZB unter Zugzwanghandelsblatt.com

Abgesehen von der Inflation, demnach sehr gute Aussichten, die auch die Sparer auf bessere Zinsen hoffen lassen. Trotzdem forderte die OECD diese Woche von der Zentralbank die Zinsen des Referenzzinssatzes zu senken, um der niedrigen Inflation entgegen zu treten. Erfahrungsgemäß neigt der Präsident der Europäischen Zentralbank, Mario Draghi nicht zu Aktionismus, wenn solche Forderungen von außen an ihn herangetragen werden. Auch die OECD rechnet mit einem Aufschwung und rät der Zentralbank zu zahlreichen geldpolitischen Maßnahmen, um die angestrebte Marke von 2,00% Inflation wieder zu erreichen.

Fazit: Erholung ist sichtbar – bessere Zinsen wird es so schnell nicht geben!

Was bringt das Jahr 2015Zum ersten Mal seit der Krise gibt es positive Signale zur wirtschaftlichen Entwicklung. Die OECD geht davon aus, dass es nötig ist, den Leitzins noch bis Ende 2015 auf einem niedrigen Stand zu belassen was der aktuellen Forward Guidance der Zentralbank entspricht. Bis die Besserungen in Form von höheren Zinsen bei den Sparern ankommen, wird noch einige Zeit ins Land gehen. Wenigstens die Sorgen über einen weiteren massiven Zinsrutsch sind damit aber vom Tisch! In den vergangenen Monaten war es die niedrige Inflation, die dem Sparer trotz niedriger Zinsen eine kleine Rendite ermöglichte. Wenn die Inflation wie von der Zentralbank gewollt ansteigt, die Zinsen aber nicht steigen, wird der Kaufkraftverlust den Sparern noch mal zu schaffen machen.

Zum Weiterlesen:

PRESSEMITTEILUNG der EZB – 8. Mai 2014 – Geldpolitische Beschlüsse

Einleitende Bemerkungen zum Leitzinsenscheid – Mario Dragh,  Brüssel, 8. Mai 2014 

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Hier schreibt Thomas Gödert

Online-Redakteur Finanzen. Arbeitet seit 2012 bei BergMedia.net. Thomas Gödert ist auch auf Google+ und Twitter aktiv.
Kategorie: Festgeld, Kredit, Tagesgeld

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