Die Realrendite auf Sparkonten ist so hoch wie seit Jahren nicht mehr

Mehr Rendite!Tages- und Festgelder gelten aufgrund der niedrigen Zinsen als wenig attraktiv, wenn der Anleger an einer vernünftigen Rendite interessiert ist. Aufgrund der geringen Inflation gerieten sie im Jahr 2014 allerdings wieder mehr in den Fokus. Ein Blick auf die aktuelle Marktlage zeigt: Die Realrendite ist bei vielen Banken derzeit höher als die Inflation.

Hohe Flexibilität, doch geringe Rendite

Der größte Pluspunkt von Tagesgeldern ist die tägliche Verfügbarkeit des angelegten Geldes. Die Bank ist verpflichtet, jede beliebige Summe innerhalb von wenigen Bankarbeitstagen auszuzahlen. Aufgrund der hohen Flexibilität kann sie das Geld des Privatanlegers selbst allerdings nicht zu attraktiven Konditionen investieren. Die aktuelle Marktlage führte in den letzten zwei bis drei Jahren dazu, dass private Anleger für ihr Vermögen nur noch zwischen ein und zwei Prozent Zinsen erhielten. Selbst bei monatlicher oder vierteljährlicher Zinszahlung und unter Berücksichtigung von attraktiven Bonusleistungen für Neukunden war die Realrendite nicht nennenswert höher.
Bei Festgeldern zeigte sich ein ähnliches Bild. Zwar konnten die Banken eine etwas höhere Verzinsung zwischen zwei bis drei Prozent gewähren, doch dafür ist das Geld für den Anleger nicht täglich verfügbar. Der gewünschte Anlagezeitraum ist meist zwischen drei, sechs oder 12 Monaten wählbar, längere Laufzeiten sind problemlos möglich. In dieser Zeit steht die investierte Summe nicht zur Verfügung. Stellt man die Realrendite eines Tages- oder Festgelds der Inflation gegenüber, zeigte sich in der Vergangenheit meist ein erschreckendes Bild.

Hohe Inflation verursacht Realverluste

Die Inflation muss abgerechnet werdenEin Blick auf den Verbraucherpreisindex der Jahre 2011 und 2012 belegt diesen Zusammenhang: Im Jahr 2011 lag die Inflationsrate im Jahresdurchschnitt bei 2,3 Prozent, im Jahr 2012 betrug sie zwei Prozent. Selbst im Jahr 2013 lag der Wert noch bei 1,5 Prozent.
Im gleichen Zeitraum betrug die durchschnittliche Rendite von Tagesgeldern 1,5 Prozent. Zwar waren auf dem Markt bei einigen Anbietern bessere Renditen zu verzeichnen, die durch monatliche Zinszahlungen und attraktive Neukundenaktionen noch erhöht wurden. Doch auch die damaligen Spitzenanbieter am Markt mussten ihre Konditionen nach unten korrigieren, weil die Situation an den Zinsmärkten keine bessere Rendite zuließ. Wollte eine Bank kein Verlustgeschäft machen, war eine Reduzierung der Zinsen die unausweichliche Folge.
Für den Anleger resultierte der direkte Vergleich der Inflationsrate mit der Tages- und Festgeldrendite in einem realen Verlust. Liegt nämlich die Steigerung des allgemeinen Preisniveaus über der Verzinsung einer Geldanlage, verliert der Investor im Ergebnis bares Geld. Die Geldanlage erwirtschaftet dann nicht genug, um den Anstieg der Preise auszugleichen. In diesem Fall ist die Investition in ein Tages- oder Festgeld schlicht nicht mehr rentabel. Aus diesem Grund haben die bequemen und flexiblen Anlageformen in den letzten Jahren an Attraktivität verloren. Im Jahr 2014 zeigte sich nun allerdings ein anderes Bild.

Sinkende Preise im Jahr 2014

Die aktuellsten Daten für das Jahr belegen: Die Inflationsrate fällt weiter und lag im Jahresdurchschnitt 2014 nur noch bei 0,9 Prozent. Für den Verbraucher machte sich dies durch den Trend am Mineralölmarkt bemerkbar. Der Rückgang des Ölpreises führte unmittelbar zu fallenden Preisen für Benzin und Diesel, wie der Blick auf die Zapfsäule täglich belegte. Der enorme Preisverfall konnte auch durch gegenläufige Tendenzen am Dienstleistungs- und Mietmarkt nicht aufgefangen werden. Im Ergebnis wird die Inflationsrate des Jahres 2014 mit 0,9 Prozent angegeben. Sie liegt damit erheblich unter den Zahlen der Jahre 2011 bis 2013. Ob dieser Trend weiter anhält, muss die Zukunft zeigen. Im Augenblick aber belegt die Inflationsrate des Jahres 2014 allerdings einen insgesamt moderaten Preisanstieg. Den nur langsam steigenden Preisen stehen höhere Renditen am Tages- und Festgeldmarkt gegenüber.

Konstante Zinsen für Tagesgelder

Es gibt jetzt höhere Zinsen!Die Rendite für Tagesgelder beträgt Anfang Januar 2015 im besten Fall 1,3 Prozent im Jahr. Der durchschnittliche Zins liegt bei den getesteten Angeboten bei 0,55 Prozent. Damit bleiben die Zinsen für Tagesgeldkonten im Vergleich zu den letzten Monaten des Jahres 2014 stabil. Sind aber die Renditen höher als die Inflation in Höhe von 0,9 Prozent, erzielt der Anleger eine interessante Realrendite, wenn er sich für einen Anbieter mit einer Verzinsung oberhalb der Inflationsrate entscheidet. Damit wird das Tagesgeld erneut zu einer interessanten Alternative, wenn Gelder flexibel angelegt werden sollen.

Noch bessere Chancen beim Festgeld

Bei den Festgeldern zeigt sich ein noch interessanteres Bild. Im Januar 2015 gewähren die besten Anbieter Verzinsungen von rund 2,5 Prozent, einige Kandidaten gehen über drei Prozent hinaus. Als Anleger ist man bei Festgeldern natürlich an die vereinbarte Anlagezeit gebunden. Dennoch liegt die Rendite deutlich höher als die aktuelle Inflationsrate des Jahres 2014 von 0,9 Prozent.
Entscheidet sich ein privater Investor also für den Abschluss eines Festgeldes, wird er zum Jahresbeginn 2015 eine attraktive reale Rendite erwirtschaften. Damit werden Tages- und Festgelder wieder zur interessanten Alternative, wenn Geld relativ flexibel angelegt werden soll. Vor allem der Sicherheitsaspekt ist bei beiden Geldanlagen natürlich ebenfalls nicht zu vernachlässigen. Mit einer Einlagensicherung von mindestens 100.000 Euro pro Anleger sind alle Anbieter in Deutschland mit einer vernünftigen Deckungssumme ausgestattet, falls eine Bank einmal in eine wirtschaftliche Schieflage geraten sollte. Die Kriterien Sicherheit und Flexibilität sprechen seit jeher für Tages- und Festgelder, doch im Jahr 2014 ist auch die Rendite ein Argument von nicht zu unterschätzender Bedeutung.

Ein Trend, der anhalten könnte

Was kostet Erdöl momentan?Ob sich diese Entwicklung der Märkte fortsetzt, bleibt in den nächsten Monaten zu beobachten. Allerdings gehen Wirtschaftsexperten davon aus, dass der Ölpreis mindestens in den kommenden Monaten auf einem ähnlich niedrigen Niveau bleibt. Da er die Inflationsrate maßgeblich beeinflusst, könnte es sein, dass eine Investition in Tages- oder Festgelder weiterhin zu einer attraktiven realen Rendite führt.

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Hier schreibt Mischa Berg

Mischa Berg ist Herausgeber von Bankenvergleich.de und veröffentlicht seit 2007 News und Kommentare zur Geldanlage in Tagesgeld und Festgeld. Mischa Berg ist auch auf Google+ und Facebook aktiv.
Kategorie: Festgeld, Tagesgeld

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