Was bedeutet die Umstellung auf SEPA für den privaten Bankkunden?

Die SEPA Umstellung ab 2014Zum 01.02.2014 löst SEPA die nationalen Überweisungs- und Lastschriftverfahren im europäischen Wirtschaftsraum ab. Das betrifft auch den privaten Bankkunden und der sollte wissen, welche Änderungen das nach sich zieht und was es zu beachten gibt. Der Zahlungsverkehr soll durch das Verfahren einfacher werden und die Verbraucherrechte werden durch die Umstellung auf SEPA gestärkt.

Die SEPA-Umstellung könnte auf den 1. August 2014 verschoben werden!
Das geht aus einer Pressemeldung der Bundesbank hervor. (Die Quelle ist nicht mehr verfügbar!)

Infografik zum Thema SEPA der ING-DiBa
Quelle: © ING-DiBa

Bald ist SEPA auch im Inlandszahlungsverkehr pflicht

Schon seit 2008 ist die SEPA-Überweisung ein Begriff; seinerzeit löste sie die bis dahin für Auslandszahlungen in Euro in der EU zu benutzende EU-Standardüberweisung ab. Doch zum 01.02.2014 wird sie für alle Unternehmen und Vereine auch im Inlandszahlungsverkehr Pflicht. Nach einer zweijährigen Übergangszeit müssen dann ab dem 1.2.2016 auch alle Privatpersonen das neue Verfahren nutzen. Was genau bedeutete diese Umstellung, wo liegen die Vor- und eventuellen Nachteile für den Bankkunden und an welche Begriffe muss er sich gewöhnen?

1. Februar 2014 ist SEPA StichtagBasis der ab dem 01.02.2014 geltenden Regeln ist die EU-Verordnung Nr. 260/2012 (SEPA-Verordnung). Ziel dieser Verordnung ist die Ablösung traditioneller Zahlungsverfahren durch einen einheitlichen bargeldlosen Zahlungsverkehr in allen teilnehmenden Ländern. Dazu zählen neben den 28 EU-Staaten auch Liechtenstein, Monaco, Norwegen, Island und die Schweiz. Die technischen Voraussetzungen dazu waren bereits in 2007 durch eine einheitliche technische Plattform (TARGET 2) geschaffen worden. Seit 2008 gibt es die SEPA-Überweisungen, doch die bisherige Nutzung lag in Deutschland im ersten Quartal 2013 bei nur 8,72%. Die stufenweise Zwangseinführung für alle Transaktionen in Euro wird somit zunächst für alle Unternehmen und Vereine, im zweiten Schritt für alle Privatpersonen mit einer Umstellung verbunden sein, die allen Nutzern abverlangt, sich mit einigen Begriffen vertraut zu machen.

IBAN –  Kontonummer und Bankleitzahl

“International Bank Account NumberIBAN steht für „International Bank Account Number“ und bezeichnet die neue Kontonummer, einer Kombination aus der bisherigen Kontonummer, der bisherigen Bankleitzahl, zwei Buchstaben und zwei Prüfziffern. Die IBAN des jeweiligen Zahlungsempfängers ist auf Rechnungen und Briefköpfen zu finden. Die eigene IBAN wird auf den Kontoauszügen ausgewiesen. Darüber hinaus finden sich im Internet IBAN-Rechner, mit deren Hilfe alte Kontonummern in die IBAN umgerechnet werden können.

BIC – die „Bankleitzahl“ entfällt 2016

Der Bank Identifier CodeBIC ist das Kürzel für „Bank Identifier Code“, die internationale Bankleitzahl. Da der BIC von der SWIFT (Society for Worldwide Interbank Financial Telecommunication) festgelegt wird, wird er häufig auch als SWIFT-Code bezeichnet. Der BIC besteht aus dem Bankcode, dem Ländercode, einer Codierung des Ortes und, optional, der Kennzeichnung der Filiale. Er ist bis zum 01.02.2014 eine Pflichtangabe bei allen in- und ausländischen Überweisungen und bis zum 1.2.2016 bei allen grenzüberschreitenden Überweisungen notwendig. Ab dem 1.2.2016 entfällt er, da die eindeutige Identifizierung des Finanzdienstleisters durch die IBAN auch ohne BIC möglich ist.

Bespiel einer Sepa Überweisung

Das Beispiel zeigt ein SEPA Überweisung

Was konkret ändert sich für private Verbraucher?

In der Übergangfrist vom 01.02.2014 bis zum 1.2.2016 können private Verbraucher ihre Zahlungsaufträge wie gewohnt erteilen; die Finanzdienstleister rechnen in dieser Zeit die alte Kontonummer und Bankleitzahl kostenlos in die IBAN und BIC um.

Erteilte Daueraufträge laufen nach den beiden Umstellungsterminen wie gewohnt weiter; die den Auftrag ausführende Bank stellt die Daten um.

Schriftlich erteilte Einzugsermächtigungen (Mandate) können in ein SEPA-Basismandat (Einwilligung zum Lastschrifteinzug) umgewandelt werden; davon ist der Zahlungspflichtige schriftlich zu informieren. Für nicht schriftlich erteilte Einzugsaufträge muss ein SEPA-Basismandat eingeholt werden.

Jetzt tauche diese Begriffe in den Kontoauszügen auf!

Artikel: Neu durch SEPA: Erstlastschrift, Folgelastschrift und Einmallastschrift

Welche Vorteile bietet SEPA dem Verbraucher?

Vorteile und NachteileDurch das neue Verfahren wurden die Rechte der Verbraucher gestärkt. So ist unter anderem die Rückgabe einer Lastschrift noch acht Wochen nach Belastung möglich, die Rückgabe ohne gültiges Mandat 13 Monate nach Belastung. Zudem wird es möglich, die Einlösung von Lastschriften betraglich zu begrenzen, ein Konto komplett für Lastschrifteinzüge zu sperren oder aber die Einlösung auf bestimmte Empfänger zu begrenzen. Ferner muss der Zahlungsempfänger 14 Tage vor Einzug über den Betrag und den Fälligkeitstermin informiert werden. Im Einvernehmen mit den Zahlungspflichtigen kann diese Frist auf bis zu zwei Tage verkürzt werden.

Einen neuen Schutz vor Betrügern bietet die Gläubiger-Identifikationsnummer (CI), die jeder Einreicher beantragen muss. Für deutsche Einreicher ist die CI über das Internet bei der Bundesbank erhältlich. Letztlich ist es von Vorteil, dass durch SEPA das Einzugsverfahren im gesamten Euro-Raum möglich ist. Das elektronische Lastschrifteinzugsverfahren, das beispielsweise bei Bezahlen mit der Girokarte an der Ladenkasse ausgelöst wird, kann bis zum 1.2.2016 weiter wie gewohnt genutzt werden.

Für SEPA-Überweisungen in die EU- und EWR-Staaten soll die bisher bei 50.000 Euro eingezogene Beschränkung entfallen. Zudem ist für Überweisungen und Lastschriften aus dem gesamten Euro-Raum nur noch ein Konto erforderlich. Darüber hinaus gibt es für SEPA-Überweisungen verbindliche Ausführungsfristen; erteilte Überweisungen müssen am Folgetag, schriftlich erteilte Auftrage spätestens nach zwei Tagen ausgeführt werden.

Das Video des Bankenverbandes zum Thema SEPA

Die SEPA Umstellung bedeutet Aufwand und Kosten für Banken, Firmen, Behörden und Vereine

Zeit ist Geld!Für den Verbraucher ist der Aufwand durch die Umstellung gering. Wer allerdings geschäftsmäßig mit dem bargeldlosen Geldverkehr zu tun hat, für den hält die Umstellung durchaus Arbeit und Kosten bereit. Schließlich muss die EDV der Organisation in der Lage sein. Die Umstellung ab dem geforderten Datum zu realisieren und die vorhandenen Daten müssen reibungslos portiert werden. Nicht nur die technische Umsetzung stellt eine Herausforderung dar, denn alle vorhandenen Einzugsermächtigungen müssen auf das SEPA-Lastschriftmandat umgestellt werden. SEPA bedeutet deshalb auch einen hohen Aufwand an Arbeitszeit und das hält die Unternehmen und Behörden davon ab, ihrem Kerngeschäft nachzugehen. Natürlich müssen sich Organisationen immer wieder an neue Rahmenbedingungen anpassen, das ist nichts Neues, aber der Mehraufwand sollte nicht unterschätzt werden. Offenbar sind aber nicht alle Beteiligten mit der Vorbereitung auf SEPA im Zeitplan. Es wird sogar befürchtet, dass es zu massiven Störungen im Zahlungsverkehr kommen könnte, weil viele Beteiligte schlecht vorbereitet sind, oder den damit verbundenen Arbeitsaufwand schlicht unterschätzen. Der Countdown läuft und noch ist nicht klar, ob die Umstellung reibungslos bzw. reibungsarm verlaufen wird.

Deutschland liegt aktuell bei der Sepa Umstellung weit zurück

Deutschland bei der Umstellung weit zurückAuch Ende Dezember 2013 gibt es noch keine markanten Fortschritte bei der Umsetzung:

Artikel: Der aktuelle Stand der SEPA-Umsetzung in Deutschland


Stand zum 20.11.2013:
Die Umstellung in Deutschland kommt nicht gut voran! „Wer sich nicht auf SEPA vorbereitet, riskiert eine Verzögerung in der Zahlungsbearbeitung, was zu kurzfristigen Liquiditätsengpässen führen kann.“ das ist der aktuelle Stand einer Pressemitteilung der Bundesbank.

Wie aus einer Meldung des Bankenverbandes (die Quelle ist nicht mehr onlin!) hervorgeht, liegt Deutschland im Vergleich mit den Nachbarländern in Bezug auf die SEPA Umstellung noch weit zurück. Während Finnland und Luxemburg im August 2013 schon fast zu 100% SEPA tauglich sind, krebst die BRD bei lediglich 9% herum.

Aber auch in anderen europäischen Ländern herrscht noch eine Menge Nachholbedarf. Da wachsen natürlich die Befürchtungen, dass es zu Störungen im Zahlungsverkehr kommen könnte.

Bei den uns zugänglichen Online-Banking Systemen hat man derzeit die Wahl zwischen dem alten System und SEPA.
Viele Bankkunden hätten also die Möglichkeit die Statistik der BRD schon jetzt aufzubessern.

Na dann mal los!

Bildquelle:

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Hier schreibt Thomas Gödert

Online-Redakteur Finanzen. Arbeitet seit 2012 bei BergMedia.net. Thomas Gödert ist auch auf Google+ und Twitter aktiv.
Kategorie: Girokonto

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