Spanien seit 2009 erstmals wieder in die Deflation gerutscht

Spanien rutscht in die DefaltionWie heute bekannt gegeben wurde, ist Spanien im März 2014 in die Deflation gerutscht. Waren werden günstiger, doch das lähmt auch die Wirtschaft. Gefordert ist nun auch die Europäische Zentralbank. Wird sie nächste Woche den Leitzins senken?

Die Spanische Inflationsrate sinkt auf minus 0,20% p.a.

Laut einer ersten Einschätzung der spanischen Statistikbehörde ist das Land auf der iberischen Halbinsel im Monat März 2014 das erste mal seit dem Beginn der Finanzkrise 2009 wieder in die Deflation gerutscht. Die harmonisierte Teurungsrate sank auf minus 0,20%. Das bedeutet, dass die Verbraucherpreise in dem Land nicht – wie von der Europäischen Zentralbank gewünscht – leicht ansteigen, sondern sogar gesunken sind. Als Verbraucher könnte man meinen, dass dies doch durchaus als positives Zeichen zu werten ist, doch mit sinkenden Preisen beginnt ein Teufelskreis, der die Wirtschaft schadet und sich letztendlich auch auf das Portemonaise der Privatpersonen negativ auswirkt.

Niedrige Inflation vor allem in Südeuropa

Infografik zur Berechnung der RealrenditeDie Unterschiede der Preisteuerung innerhalb der Eurozone spiegeln auch die unterschiedlichen wirtschaftlichen Stärken wieder. Während in Deutschland die Inflation nahe dem angepeilten Ziel von 2 % verweilt (1,30% im Januar 2014 und 1,20% im Februar 2014), liegt sie im gesamten südeuropäischen Raum deutlich niedriger. Kumuliert ergibt sich für die gesamte Eurozone derzeit ein Wert von 0,80% (Februar 2014). Besonders angeheizt wird die Situation in Südeuropa durch zusätzlich hohe Arbeitslosenzahlen. Grob zusammengefasst lässt sich der Teufelskreis so darstellen: Sinkende Preise bedeuten für Unternehmen niedrigere Gewinne, dadurch kann Mitarbeitern weniger Gehalt ausgezahlt werden. Die verunsicherten Arbeitnehmer halten ihr Geld zusammen und scheuen den Konsum. Vielleicht wird das begehrte Produkt im nächsten Monat ja noch günstiger? Daraufhin passen die Unternehmen wiederum die Preise weiter nach unten an. Man spricht daher auch von einer Deflationsspirale.

Inflation in der Eurozone und in Deutschland im Vergleich

Inflation in der Eurozone und in Deutschland im Vergleich

Passt die Europäische Zentralbank nun den Leitzins weiter nach unten an?

Leitzinsentscheid - Europäische ZentralbankDie Europäische Zentralbank unter Mario Draghi hat in den letzten 12 Monaten immer wieder betont, dass sie eine deflationäre Entwicklung innerhalb der Eurozone mit allen Mitteln verhindern wird. Laut dem EZB-Präsidenten stehen der Zentralbank dazu noch eine ganze Reihe an Möglichkeiten zur Verfügung, auch wenn der Leitzins bereits auf einem absoluten Rekordtief steht. Ist eine Absenkung des Leitzinses von aktuell 0,25% p.a. nach unten überhaupt noch weiter möglich? Befragt man dazu Experten, könnte der Zins tatsächlich schon in der kommenden Sitzung Anfang April auf beispielsweise 0,10% Zinsen p.a. gesenkt werden. Aber auch eine Absenkung der Overnight-Rate in den negativen Bereich könnte kommen. Die Overnight-Rate bezeichnet die Einlagefazilität, also den Zinssatz den Banken erhalten, wenn sie ihr Geld über Nacht bei der Europäischen Zentralbank parken. Wenn Banken bei einem negativen Zins eine Art Strafe zahlen müssten, sollten sie ihr Geld zur Zentralbank bringen, so hofft man, dann würde das die Banken dazu veranlassen das Geld freizügiger zu vergeben und mehr Geld würde in der Wirtschaft ankommen. So besagt es jedenfalls die Theorie. Auf der anderen Seite sollen Banken nämlich dazu gezwungen werden, Reserven aufzubauen um die aktuellen Stresstests bewältigen zu können. Daher kann auch nicht ernsthaft davon ausgegangen werden, dass die Banken Kapital in unzureichend besicherte Kredite in Südeuropa fließen lassen.

Niedrigzinsphase noch lange nicht vorbei – Sparer leiden weiter

Wie auch immer die Reaktion der Zentralbank ausfallen wird, als Anleger und Sparer kann man davon ausgehen, dass die Niedrigzinsphase in Europa noch lange nicht vorbei ist. Das Absinken der viertgrößten europäischen Wirtschaftsnation in die Deflation ist vielmehr als weiteres Warnzeichen zu verstehen, dass die Länder der Eurozone sich sehr unterschiedlich entwickeln und die Krise noch lange nicht vorbei ist. Oder dass diese gar – um in der Realität anzukommen – unter der Organisation einer gemeinsamen europäischen Finanzpolitik mitunter gar nicht zu lösen ist. Leidtragende dieser Entwicklung sind nicht nur die Sparer, die mit Tagesgeld und Festgeld versuchen die Inflation auszugleichen. Das noch größere Leid tragen arbeitssuchenden Menschen in den Südländern und eine ganze Generation von gut ausgebildeten jungen Menschen, die in ihren Heimtländern keine Arbeit finden und sich keine eigene Wohnung leisten können.

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Hier schreibt Mischa Berg

Mischa Berg ist Herausgeber von Bankenvergleich.de und veröffentlicht seit 2007 News und Kommentare zur Geldanlage in Tagesgeld und Festgeld. Mischa Berg ist auch auf Google+ und Facebook aktiv.
Kategorie: Festgeld, Tagesgeld

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