Steuer-Wahnsinn: Rentensenkung, Finanzrepression und Abgeltungssteuer-Aus?

Das Finanzamt verdient mit!Kapitaleinkünfte könnten schon bald genauso hoch besteuert werden, wie Einkünfte aus Arbeit. Das hört sich auf den ersten Blick vernünftig an, aber ist es auch wirklich gerecht?


Gerade erst hat der deutsche Bundestag eines der teuersten Rentenpakete in der deutschen Geschichte beschlossen, die abschlagsfreie Rente mit 63 wird kommen. Der wohlverdiente Ruhestand mit einer Rente, die ein würdiges Leben ermöglicht, sei jedem gegönnt, der sein Leben hart gearbeitet hat und sich auch Zeit seines Lebens auf diesen Lebensabschnitt freuen durfte. Doch Achtung Deutschland, da kommt etwas auf dich zu! Die geburtenstarken Jahrgänge 1951-1963 haben gerade erst angefangen in Rente zu gehen. Bis zum Jahr 2030 wird der Anteil der Rentner an der Bevölkerung stark ansteigen. Die Folgegeneration muss diese Lasten schultern und das ist nur gerecht, denn so sieht es ja der Generationenvertrag auch vor. Was dagegen ungerecht ist und von der jungen Generation nicht im ausreichenden Maße kritisiert wird, ist die ausweglose Situation in die man als junger Sparer von Politik und Zentralbanken hinein getrieben wird.

„Private Altersvorsorge ist ein Muss“ – Riester verkaufte sich

Die PensionSeit dem Ende der 90er Jahre wirbt der Staat massiv für die private Altersvorsorge. Während Norbert Blüm die Rente noch im Allgemeinsatz als sicher bezeichnete, galt unter der rot-grünen Regierung Schröder bereits die Notwendigkeit zu einer zusätzlichen privaten Altersvorsorge als absolut geboten. Als ultimative Lösung wurden schon Berufseinsteigern Riesterrenten-Verträge angeboten. Der staatliche Zuschuss wurde von Fachzeitungen und in Fernsehsendungen in den Himmel gelobt und war allen Versicherungskonzernen ein gefundenes Verkaufsargument, welches in fast allen Verkaufsgesprächen zu einer Vertragsunterschrift geführt hat. Leider geben die vielen abgeschlossenen Riester-Verträge nach heutiger Sicht der Dinge nicht mehr soviel her, wie sie einst versprochen hatten. Die teuren Abschlussgebühren sind dagegen bereits geflossen und ausgegeben. Denn auch den Versicherungskonzernen geht es nicht mehr so gut, wie noch zur Jahrtausendwende. Von den seither massiv gesunkenen Zentralbankzinsen profitierten die Länder Europas anhand günstiger Staatsanleihen. Da sich mit diesen jedoch kaum noch Rendite machen lässt, hat sich das Geschäftsmodell der Lebensversicherer erledigt.

Finanzielle Repression: Keine Realrendite bei Spareinlagen mehr möglich

Wer den Jahresauszug seiner Versicherung regelmäßig zur Hand nahm, konnte in den letzten Jahre verfolgen, wie die zu erwartende Rente immer weiter schrumpfte. Die staatliche Rente unsicher, privat angelegte Rentenversicherungen schrumpfend, sollte man also noch mehr Geld auf die hohe Kante legen um im Alter gegen Altersarmut gewappnet zu sein? Auf dem Geldmarkt ist jedenfalls eine positive Realrendite schon geraume Zeit nicht mehr möglich. Tagesgeld, als auch Festgeld, bieten Zinsen unter der Inflationsrate. Es lohnt sich einfach nicht, Verzicht zu üben und Geld zurückzuhalten, wenn man weiß, dass die Kaufkraft mit den Jahren stetig weiter absinken wird. Die Börse, mit einem Investment in Aktien oder Fonds, ist nicht für jeden etwas. Nehmen wir einmal an, dass 20% der Arbeitnehmer im Alter zwischen 25 und 35 ein Wertpapierdepot besitzen. Man kann sicher sein, dass mehr als 50% von ihnen das Depot nach geraumer Zeit wieder mit Verlusten schließen wird.

Finger weg von der Abgeltungssteuer

AbgeltungssteuerNun laufen also schon erste Überlegungen die pauschale Abgeltungssteuer in Höhe von 25% zu kippen. Man kann davor nur warnen! Es geht bei dieser Diskussion nicht darum, Superreichen die Gewinne weg zu nehmen. Es geht auch nicht darum Arbeitseinkommen und Vermögenseinkommen gegeneinander auszuspielen. Mit nahezu jeder politischen Entscheidung zur Bewältigung der sogenannten Finanz- und Schuldenkrise wurden bisher die Menschen bestraft, die das Ansinnen der Politik ernst genommen haben, neben der staatlichen Altersvorsorge ihre private Altersvorsorge voran zu treiben. Es geht hier um eine Sparer-Generation, die die Verantwortung des Generationenvertrages ernst nimmt und ihren Anteil an der Generationengerechtigkeit leisten möchte, aber von der Politik für ihre eigene Vorsorge nur Steine in den Weg gelegt bekommt. Eine richtige und wichtige Reaktion wäre es zum Beispiel, die Freibeträge auf Kapitalerträge weiter zu erhöhen, anstatt den jungen Menschen das Sparen noch weiter zu vermiesen. Eine Erhöhung der Besteuerung der Zinserträge käme einem zum jetzigen Zeitpunkt jedenfalls wie ein Akt voller Hohn vor. Denn auch heute sind 25% von Realnix tatsächlich nichts was irgendwo übrig bleiben kann.

Info-Box: Darum geht es bei der Abgeltungssteuer

Seit 2009 gibt es die Abgeltungssteuer in Deutschland. Seitdem werden Kapitalerträge, z.B. aus Tagesgeld, Festgeld und Dividenden, direkt zum Zeitpunkt der Ausschüttung mit einer pauschalen Besteuerung von 25% belegt. Wird sich das schon bald ändern?

Besser 25 Prozent von x als 45 Prozent von nix.“ Peer Steinbrück

Mit diesen legendären Worten versuchte 2008 der damalige deutsche Bundesfinanzminister und letztes Jahr gescheiteter Bundeskanzleramtskandidat Steinbrück von der SPD mit einfachen Worten den Sinn und Zweck der Abgeltungssteuer zu erklären. An diesen Spruch war die Hoffnung und der Wunschgedanke geknüpft, wohlhabende Deutsche dazu zu bewegen ihre Kapitaleinkünfte im Inland zu versteuern, anstatt dass die Einkünfte in Steueroasen wie der Schweiz, Luxemburg, Liechtenstein oder anderen Ländern verschleiert werden.

Wie hoch ist die Steuer?Vor Einführung der Abgeltungssteuer 2009 mussten Kapitaleinkünfte nämlich vom Anleger selbstständig in der Einkommenssteuererklärung deklariert werden und wurden dann mit dem jeweils gültigen Einkommenssteuersatz belegt. Damit ergab sich für hohe Einkommen auch eine hohe Besteuerung der Kapitaleinkünfte, denn bei sehr hohen Einkommen wurden die Kapitaleinkünfte schließlich mit dem Spitzensteuersatz belegt.

Nur hat sich die Welt seit 2009 verändert. Die europäischen Länder, die früher als Steueroasen betrachtet worden sind, mussten sich dem politischen Druck ihrer Nachbarstaaten beugen und haben Steuerabkommen mit Meldepflichten unterzeichnet. Damit wurden die ehemaligen Steueroasen weitestgehend trocken gelegt und können heute allenfalls noch als Steuersümpfe bezeichnet werden. Aus diesem Grund sehen einige Politiker die Abgeltungssteuer als überholt an.

Bildquelle:

© styleuneed – Fotolia.com; © Gina Sanders – Fotolia.com; © Joachim Lechner – Fotolia.com; © Marco2811 – Fotolia.com

Hier schreibt Mischa Berg

Mischa Berg ist Herausgeber von Bankenvergleich.de und veröffentlicht seit 2007 News und Kommentare zur Geldanlage in Tagesgeld und Festgeld. Mischa Berg ist auch auf Google+ und Facebook aktiv.
Kategorie: Festgeld, Tagesgeld

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.