Wird es schon bald einen negativen Einlagenzins für Banken geben?

Euro-Rettung oder EU-Zerfall? © Calado - Fotolia.comEs ist erst einige Tage her, dass die europäische Zentralbank den europäischen Leitzins auf ein neues Rekordtief von 0,50 Prozent gesenkt hat. Mit diesem Schritt haben die europäischen Währungshüter es den Geschäftsbanken in Europa ermöglicht, sich so günstig Geld bei der Zentralbank zu beschaffen, wie es in der Geschichte des Euro bisher noch nicht möglich war. Dieser Schritt ist in der Finanzwelt umstritten.

Es gibt verschiedene Interessen und verschiedene Meinungen

Etliche Stimmen innerhalb der Finanzbranche mahnen, dass das Geld nicht wie von der EZB erhofft, in die Wirtschaft gelangt, sondern zu neuen Spekulationsblasen führt. Dabei ist die Inflationsrate innerhalb der Bundesrepublik Deutschland und auch die europäische Inflationsrate, veröffentlicht von Eurostat, in den letzten Monaten immer weiter gesunken, doch irgendwann – so die Befürchtung – wird das viele Geld, das in Umlauf gekommen ist, zu einer massiven Inflation führen.

Visco: Negativer Einlagenzins ein „effektiver Schritt“

ViscoGerade erst sind die Diskussionen um die Leitzinssenkung etwas verstummt, da gibt es schon neue Äußerungen, die den Zwist über die unterschiedlichen Ansichten bezüglich der Nutzung der wichtigsten Kontrollmöglichkeiten der Währungshüter neu anheizen. Der italienische Notenbankchef Ignazio Visco, selbst Mitglied im EZB-Rat, hat sich am Montag in einem Interview mit dem Fernsehsender CNBC für die Möglichkeit eines negativen Einlagenzinses ausgesprochen. Er wird zitiert mit den Worten: „Wir denken – und ich persönlich denke es auch -, dass dieser Schritt effektiv wäre“. EZB Ratsmitglieder und Mitglieder der europäischen Regierungen, dürften immer wieder darüber erstaunt sein, was ihre Äußerungen an Kursbewegungen an den Börsen hervorrufen. Dass alleine die Möglichkeit eines negativen Einlagenzinses und die Äußerungen darüber von einen EZB-Ratsmitglied zu deutlichen Bewegungen führt, dürfte Visco wohl gewusst haben. Der Euro-Dollarkurs stand zu Beginn des Tages bei rund 1,30 und sank als Folge der Aussagen Viscos zunächst unter 1,2945.

Negativer Einlagenzins eine Art Strafzins für Banken?

Doch was ist der Einlagenzins eigentlich und inwiefern betrifft das auch den Privatanleger? Der Einlagenzins ist der Zinssatz, den Banken erhalten wenn sie ihr Geld, welches sie nicht benötigen, über Nacht bei der europäischen Zentralbank einlagern. Zu Beginn der Bankenkrise und vor der Pleite von Lehman Brothers, war das überaus unüblich. Dafür war es für die Banken wesentlich lukrativer, das nicht benötigte Geld anderen Banken zur Verfügung zu stellen. Diese täglich fälligen Einlagen wurden hin und her gereicht, gerade dorthin wo sie benötigt wurden. Damit gab es einen funktionierenden Interbankenmarkt. Durch die brachial aufgekommene Krise, verloren die Banken jedoch das Vertrauen in andere Banken. Statt das Geld mit Zinsgewinnen weiter zu verleihen, wurde das Geld lieber über Nacht bei der europäischen Zentralbank geparkt, auch wenn es dort viel weniger Zinsen gab. Der Einlagenzins liegt heute schon bei 0,0 %. Es gibt also keinerlei Zinsgewinne für Banken, wenn das Geld über Nacht der EZB zur Verfügung gestellt wird. Dennoch sind die Einlagen bei der EZB weiter auf Rekordhöhe. Ein negativer Einlagenzins kann also als eine Art Strafzins angesehen werden, den Banken bezahlen müssten, wenn sie ihr Geld, das sie nicht benötigen, nicht wie von der EZB gewünscht, anderen Banken zur Verfügung stellen, sondern der Zentralbank zur Verwahrung überlassen. Die Europäische Zentralbank möchte also lediglich erreichen, dass der Interbankenmarkt wieder ins Rollen kommt und richtig funktioniert.

Täglich fällige Einlagen, kann daran auch der Privatanleger partizipieren?

Letztendlich sind diese täglich fälligen Einlagen nichts anderes als Tagesgeld. Über ein Geldmarktkonto, zum Beispiel ein Tagesgeldkonto, stellt der Anleger den Banken ebenfalls Geld zur Verfügung, dass er jeden Tag wieder zurückverlangen kann. Genauso wie die Banken es tun, sollte jedoch auch der Privatanleger darauf achten, welcher Bank er sein Geld anvertraut. Es ist möglich das Banken in die Insolvenz gehen, das mussten sowohl Banken, als auch Anleger im Verlauf der Finanzkrise erfahren. Anders als für die Banken, bestehen für Privatanleger jedoch noch zusätzliche Sicherungssysteme. Wenn Bank A der Bank B Geld leiht und Bank B insolvent wird, dann muss Bank A die komplette Summe abschreiben. Wenn jedoch ein Privatanleger Bank B das Geld leiht, sind seine Einlagen im Falle einer Insolvenz durch Einlagensicherungssysteme geschützt. Innerhalb der Eurozone ist die Höhe der gesetzlichen Absicherung überall gleich. Einlagen bis 100.000 € sind durch die jeweilige gesetzliche Einlagensicherung des Herkunftslandes zu 100 % abgesichert. Einlagen die über diese gesetzliche Einlagensicherungsgrenze hinausgehen, wären nur durch zusätzliche freiwillige Einlagensicherungssysteme geschützt. In Deutschland gehören viele Banken einer freiwilligen zusätzlichen Einlagensicherung an. Im Ausland sind diese jedoch nicht üblich.

Wie ist ein negativer Einlagenzins aus der Sicht des Sparers zu bewerten?

Ob ein negativer Einlagenzins aus Sicht des Sparers nun positiv oder negativ zu bewerten ist, kann wie fast immer in der Finanzwelt nicht so einfach beantwortet werden. Sollte ein negativer Einlagenzins den Wettbewerb unter den Banken vorantreiben und gut mit Liquidität ausgestattete Banken verleihen das Geld wieder an Banken die Geld benötigen, dann kann sich die EZB aus ihrer Rolle als Hauptrefinanzierungsquelle der europäischen Banken wieder ein wenig zurückziehen. Das würde also auch solideren Banken den Zugang zu immer mehr und immer günstigerem Geld erschweren und letztendlich die Rolle des Sparers aufwerten. Dadurch würde es auch zunehmend interessanter für die Banken werden, wieder Geld von Privatanlegern einzusammeln und diese mit guten Konditionen zu locken. Andererseits droht ein negativer Einlagenzins die ohnehin lockere Zinspolitik der Zentralbanken weiter aufzuweichen, denn wenn ein negativer Einlagenzins möglich ist, wäre es wohl nur eine Frage der Zeit, bis Notenbanker der südlichen Eurozone nach einem weiter sinkenden – oder eventuell auch negativen – Leitzins rufen würden. Ein negativer Leitzins würde Banken jedoch sogar dazu ermutigen, auch die Einlagen der Kunden negativ zu verzinsen. Das würde bedeuten, dass Sparer Monat für Monat zuschauen können, wie der Betrag auf diesem Sparkonto geringer wird und das nicht nur weil ein negativer Realzins die Kaufkraft mindert.

Grafik: Tagesgeld-Spitzenszins und Inflationsrate

Grafik: Tagesgeld-Spitzenszins und Inflationsrate

Hohe Rendite? Nein, aber Tagesgeld schützt vor Kaufkraftverlust

Es sind keine einfachen Zeiten für Sparer, doch das Schildern von Extremszenarien macht deutlich, dass wir uns eigentlich aktuell noch in einem sehr guten Sparumfeld befinden. Die besten Anbieter aus dem Tagesgeldvergleich bieten Zinsen, die sogar noch die Inflationsrate ausgleichen. Das sollte bei einer Anlage in Tagesgeld das oberste Ziel sein. Bei den Zinsen für Festgeld gibt es für viele Laufzeiten noch mehr als 2 % Zinsen, so dass bei heutigem Abschluss eines Festgeldkontos ein Inflationsausgleich vermutlich für die gesamte Laufzeit möglich sein wird.

Bildquelle:

© Calado – Fotolia.com © Banca Italia

Hier schreibt Mischa Berg

Mischa Berg ist Herausgeber von Bankenvergleich.de und veröffentlicht seit 2007 News und Kommentare zur Geldanlage in Tagesgeld und Festgeld. Mischa Berg ist auch auf Google+ und Facebook aktiv.
Kategorie: Tagesgeld

1 Kommentar zu Wird es schon bald einen negativen Einlagenzins für Banken geben?

Der Artikel bedarf einer kleinen Korrektur.
Die Einlagefazilität wird seit Mitte Dezember 2011 gegenüber früher nicht mehr verzinst (0%). Soweit stimmt der Artikel. Aus der Statistik http://kuerzer.de/sQ5w9xqeU S. 14* ergibt sich aber, dass die Einlagefazilität seit Mai 2012 drastisch zurückgegangen ist.

Interessanter ist die Idee, man könne mit negativen Zinsen (falls dies rechtlich überhaupt zulässig wäre), die Banken bewegen, anderen KI oder gar Nichtbanken mehr Kredite zu gewähren. Das dürfte ein Trugschluss sein. Denn die Banken könnten ihre Einlage bei der EZB doch sowieso jederzeit auf null fahren (indem sie sich von der ZB Bargeld kommen lassen oder ihre Refinanzierung bei der EZB reduzieren).

Die monetären Probleme (auch) in Euro-Land liegen ohnehin ganz woanders. http://www.meudalismus.dr-wo.de/html/nil.htm

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