Forward Guidance – Geldpolitik der EZB

DIe Forward Guidance der EZBDie Zinsen, die von Banken und Finanzdienstleistungsunternehmen am Markt angeboten werden, hängen maßgeblich vom Leitzins ab. Der Leitzins wird in Europa durch die Europäische Zentralbank festgelegt. Kreditinstitute und auch Verbraucher wussten bisher jedoch nie, wie lange der Leitzins auf einem von der EZB festgelegten Niveau stagniert. Im Juli 2013 führte der EZB-Rat zusätzlich die sogenannte Forward Guidance ein.

Mit der Forward Guidance kommuniziert der EZB-Rat nun die Einschätzungen der Zentralbank bezüglich der langfristigen Entwicklung des Leitzinses. Was genau verbirgt sich hinter diesem neuen geldpolitischen Steuerungsinstrument und welche Bedeutung hat es für Anleger?

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Was ist die Forward Guidance?

Die Europäische Zentralbank (» zur Artikelserie) kann den Leitzins im Euroraum jederzeit anheben oder senken. Diese Möglichkeit ist eine der wichtigsten Hilfsmittel, um die Geldmenge und somit die Inflation in Europa zu steuern. Nach der weltweiten Finanzmarktkrise wurden die Leitzinsen weltweit auf historische Niveaus gesenkt. Auch die EZB musste den Leitzins in Europa immer wieder senken. Da der Kapitalmarkt mit großen Summen „geflutet“ wurde, drohte eine Inflation. Außerdem befanden sich viele Länder in Rezessionen. Mit der kontinuierlichen Senkung der Leitzinsen hat die EZB versucht, die Wirtschaft der einzelnen Länder im Euroraum anzukurbeln und eine Deflation zu verhindern. Bisher haben diese Maßnahmen Wirkung gezeigt, wurden allerdings auch kritisiert.

Das Problem ist jedoch, dass Finanzdienstleistungsunternehmen und auch Anleger bestimmte Erwartungen haben, wenn die EZB die Senkung des Leitzinses bekannt gibt. Viele Kreditinstitute und Anleger gehen davon aus, dass der niedrige Stand des Leitzinses nicht von langer Dauer sein wird. Mit Einführung der Forward Guidance teilt der EZB-Rat seit dem 04.07.2013 jedoch ihre Prognosen zum zukünftigen Verlauf des Leitzinses mit. Die Forward Guidance ist also die Einschätzung und Kommunikation der Einschätzung der zukünftigen Entwicklung des Leitzinses aus Sicht des EZB-Rates. So teilte der EZB-Rat seit Einführung des neuen Instrumentes immer wieder mit, dass der Leitzins langfristig auf dem niedrigen Niveau stagnieren wird. Diese Einschätzung bedeutet, dass die EZB ihre Strategie zur Kommunikation der Leitzinsen geändert hat. Außerdem hat sie weitreichende Folgen für Anleger und Kreditinstitute.

Gründe für die Einführung einer Forward Guidance

Der Grund für die aktuelle ZinsentwicklungDer EZB-Rat gibt seit dem 04.07.2013 nicht nur seine Einschätzung über die aktuelle wirtschaftliche Situation, die Preisstabilität und die Leitzinsen bekannt, sondern informiert auch über die zukünftige Entwicklung. Verschiedene Gründe führten zur Einführung dieser neuen Forward Guidance. Der Hauptgrund der Einführung liegt darin, dass die Finanzmarktkrise zu schweren wirtschaftlichen Veränderungen geführt hat. Das Finanzsystem rund um den Globus stand kurz vor dem Zusammenbruch. Mit verschiedenen geldpolitischen Maßnahmen konnte dieser Zusammenbruch verhindert werden. Eine der zahlreichen Maßnahmen war die Senkung der Leitzinsen. Die Senkung der Leitzinsen hat weitreichende Folgen für die Wirtschaft und das Verhalten von Banken und Anlegern. Normalerweise können Banken und Verbraucher anhand historischer Entwicklungen abschätzen, wie lange der Leitzins auf einem Niveau stagniert. Sie richten ihre Portfolios danach aus und versuchen, ihre Rendite entsprechend der aktuellen und zu erwartenden Situation zu maximieren. Die Finanzkrise stellt historisch allerdings ein völlig neues Ereignis dar. Verbraucher können aktuell nicht abschätzen, wie lange der Leitzins auf dem niedrigen Niveau verbleibt. Der EZB-Rat hat daher die Forward Guidance eingeführt, um die zukünftige Entwicklung des Leitzinses zu prognostizieren. Finanzdienstleistungsunternehmen und Verbraucher können ihre Anlageentscheidungen nun daran ausrichten. Der EZB-Rat hat somit ein neues Kommunikationsinstrument, welches dem Krisenmanagement dient.

Ziele und Steuerungsfunktion durch die Forward Guidance

So erreichen Sie ihre ZieleNoch wichtiger ist allerdings die Steuerungsfunktion, die der EZB-Rat mit Einführung einer Forward Guidance erlangt hat. Durch die Kommunikation der zukünftigen Leitzinsentwicklung kann die EZB das Verhalten des kompletten Marktes zusätzlich steuern. Bis zur Einführung einer Forward Guidance konnte die EZB lediglich über die Senkung oder Erhöhung des Leitzinses direkten Einfluss auf das Verhalten der Marktteilnehmer nehmen. Wenn der EZB-Rat jetzt allerdings zusätzlich bekräftigt, dass der Leitzins langfristig niedrig bleibt, werden auch die Marktteilnehmer, die kurzfristig von steigenden Zinsen ausgehen, geplante Anlageentscheidungen überdenken. Diese Tatsache ermöglicht es dem EZB-Rat, das Verhalten der Marktteilnehmer in die erhofften Pfade zu lenken. Die EZB hat also durch die Foward Guidance das Ziel, den Markt ohne die Veränderung der Leitzinsen zu beeinflussen. Dieses neue geldpolitische Steuerungsinstrument ist für die EZB wichtig, da sie auf diese Weise die Preisstabilität steuern kann. Oberstes Ziel der EZB ist es nämlich, langfristig eine Inflation von ca. 2 % zu halten.

Die Einführung einer Foward Guidance hat dazu geführt, dass die Marktteilnehmer ihr Verhalten nicht nur an dem Leitzins und an Nachrichten und Ereignissen der Weltwirtschaft ausrichten, sondern vor allem die Prognose des EZB-Rates in ihre Entscheidungen einfließen lassen. Außerdem hat die Unsicherheit der Marktteilnehmer nach der Einführung abgenommen. Die EZB sorgt seit der Einführung des neuen geldpolitischen Instruments für mehr Transparenz am Markt.

Quellen: Aufsatz im EZB-Monatsbericht 04/2014 ab Seite 73

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Hier schreibt Mischa Berg

Mischa Berg ist Herausgeber von Bankenvergleich.de und veröffentlicht seit 2007 News und Kommentare zur Geldanlage in Tagesgeld und Festgeld. Mischa Berg ist auch auf Google+ und Facebook aktiv.
Kategorie: Festgeld, Kredit, Tagesgeld

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