Dürfen Banken für den Kontoauszug Geld verlangen?

Was darf der Kontoauszug kosten?Seit einiger Zeit sind die Gebühren relativ umstritten, die manche Banken dafür berechnen, dass sie Inhabern eines Girokontos Kontoauszüge zur Verfügung stellen. Grundsätzlich stellen sich immer mehr Bankkunden die Frage, ob die Kreditinstitute für die Bereitstellung des Kontoauszuges überhaupt Geld verlangen dürfen.

In einem Punkt ist die Gesetzeslage diesbezüglich relativ eindeutig, nämlich hinsichtlich der Tatsache, dass Banken ihren Kunden grundsätzlich die Möglichkeit geben müssen, zumindest auf einem Weg kostenlos einen Kontoauszug zu erhalten. Auch zahlreiche Gerichte haben bereits festgestellt, dass Bankkunden prinzipiell das Recht haben, sich sowohl über ihren aktuellen Kontostand als auch über erfolgte Buchungen zu informieren, ohne dass dafür Gebühren berechnet werden dürfen.

Aktuelle Situation bezüglich der Kosten für Kontoauszüge

Grundsätzlich besteht dieses Recht auf kostenlose Kontoauszüge bereits seit vielen Jahren, sodass sich in dieser Hinsicht aktuell nichts geändert hat. Da die Kunden allerdings immer preissensibler werden, ist der kostenpflichtige Versand von Kontoauszügen seit geraumer Zeit in der Diskussion, was sicherlich auch daran liegt, dass es unterschiedliche Wege gibt, auf denen die Bankkunden zu ihren Kontoauszügen gelangen können. Relativ einig sind sich die Gerichte in der Hinsicht, dass die Kunden ihre Auszüge definitiv kostenlos am Bankschalter abholen können müssen. Ist diese persönliche Abholung nicht möglich, so muss die Bank zumindest einen Kontoauszugsdrucker zur Verfügung stellen, an dem der Kunde sich die Auszüge ebenfalls kostenlos ausdrucken kann. Besteht für den Kunden jedoch die Möglichkeit, die Auszüge kostenlos am Bankschalter abzuholen, so ist es den Kreditinstituten nicht grundsätzlich verboten, dann für die Entnahme der Auszüge am Kontoauszugsdrucker ein Entgelt zu verlangen. Darüber hinaus dürfen die Kreditinstitute auch unter der Voraussetzung Geld für den Kontoauszug verlangen, dass der Kunde explizit wünscht, dass die Auszüge per Post versendet werden, da es sich dann um einen Sonderservice handelt.

Versand der Kontoauszüge muss teilweise ebenfalls kostenlos sein

Sie haben Post!Besonders beim Versand der Kontoauszüge muss also differenziert werden, aus welchem Grund bzw. zu welchem Anlass der Versand erfolgt, wenn es darum geht, ob die Bank dem Kunden dafür ein Entgelt berechnen darf. Kommt die Bank beispielsweise ihrer Pflicht nach, dem Kunden anhand der Kontoauszüge den vierteljährlichen Rechnungsabschluss bereitzustellen, so darf sie in diesem Fall kein Geld verlangen. Für die individuelle Erstellung eines Kontoauszuges, die auf Wunsch des Kunden erfolgt, dürfen zwar Gebühren berechnet werden, jedoch dürfen diese eine bestimmte Grenze nicht überschreiten. So stellte beispielsweise der Bundesgerichtshof in einem aktuellen Urteil (Az.: XI ZR 66/13) fest, dass von einer Bank berechnete Gebühren in Höhe von 15 Euro für einen nachträglich erstellten Kontoauszug deutlich zu hoch sind.

Gängige Praxis und kostenlose Kontoauszüge

Die gängige Praxis stellt sich bei den meisten Banken derzeit so dar, dass sowohl die persönliche Abholung der Kontoauszüge als auch der Abruf am Kontoauszugsdrucker meistens kostenlos sind. Dies gilt ebenfalls für Kontoauszüge, die sich der Kunde in vielen Fällen mittlerweile online betrachten und ausdrucken kann, was im Zuge des Online-Bankings möglich ist. Werden Kontoauszüge allerdings per Post versendet, so gibt es nach wie vor zahlreiche Banken, die dafür Gebühren in Rechnung stellen, unabhängig vom Grund des Versandes. Dies gilt mitunter ebenfalls für die bereits angesprochene Zusendung des regelmäßigen Rechnungsabschlusses.

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Hier schreibt Mischa Berg

Mischa Berg ist Herausgeber von Bankenvergleich.de und veröffentlicht seit 2007 News und Kommentare zur Geldanlage in Tagesgeld und Festgeld. Mischa Berg ist auch auf Google+ und Facebook aktiv.
Kategorie: Girokonto

11 Kommentare Dürfen Banken für den Kontoauszug Geld verlangen?

Mein Vater ist verstorben. Cousine hat Bankvollmacht über den Tod hinaus. Trotz Erbschein rückt die Bank Kontoauszüge nur gegen Gebühr (5 Euro /Auszug heraus. Ist das rechtens?Wie Steht es mit Auskünften über andere Konten aus?

    Thomas Gödert 31. März 2015 at 10:25

    Hallo!

    Unser herzliches Beileid!

    Hohe Gebühren für die nachträgliche Erstellung von Kontoauszügen sind durchaus üblich. Entscheidend ist dafür, was im Preisaushang der Bank angegeben ist. Die ING-DiBa verlangt von ihren Kunden lediglich das Porto, andere Banken weisen höhere Gebühren aus. Das gilt es zu prüfen. Am besten ist es deshalb, nach den Unterlagen zu suchen. Um herauszufinden, welche Konten noch existieren, hilt es natürlich die Unterlagen zu sichten. Mühsam, aber nötig.
    Die Bafin gibt auf Ihrer Seite den Hinweis:
    „Bei der Ermittlung der Konten von verstorbenen oder betreuten Personen sind die Spitzenverbände des Kreditgewerbes behilflich (Bundesverband deutscher Banken (BdB), Deutscher Sparkassen- und Giroverband (DSGV) oder Bundesverband der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken (BVR))“

am 24.April 2015 erhielt ich Nachricht von der KSK Köln, dass mein Business-Konto zum 1.7.2015 auf das neue Kontomodell s-business umgestellt wird. Darin wird auch eine Gebühr von 0,10 € für den Kontoauszug am Kontoauszugdrucker (sowie von 0,40 € für den zugesandten Kontoauszug) erhoben. Lediglich der elektronische Kontoauszug ist kostenfrei.
Aus meiner Sicht ist der elektronische Kontoauszug aber nicht buchungssicher, weil er gedruckt eigentlich nur eine Kopie darstellt, in elektronischer Form aber erst aufwendig unveränderbar gesichert werden muss. Dafür sind umfangreiche technische Änderungen notwendig.

Da es sich um ein Business-Kontomodell handelt, wird sich die Verbraucherzentrale wohl nicht für den Fall interessieren, da muss ich das wohl selbst durchboxen.

Können Sie mir Urteile benennen, die belegen, daß ein Kontoauszug am Drucker oder am Schalter kostenfrei sein muss?

Herzliche Grüße, Malte K.

Ab o1.o7.muss ich als Mitarbeiter einer Volksbank für meine eigenen Auszüge am Kontoauszugsdrucker Gebühren zahlen.
Es wird damit begründet,dass wir Elektronicbanking machen und nutzen sollen.
Gibt es nicht ein BGH-Urteil,dass besagt,dass die Erstellung am Drucker (Schalterdruck ist nämlich kostenpflichtig ) in diesem Fall kostenlos sein muss…Oder kann man mich zwingen, Electronicbanking zu machen.?

Vielen Dank

    Thomas Gödert 17. Juni 2016 at 09:22

    Hallo Waltraut,

    soweit uns bekannt ist, muss die Bank dem Kunden mindestens eine Möglichkeit einräumen, kostenlos an Kontoauszüge zu gelangen. Für zusätzliche Möglichkeiten darf eine Gebühr verlangt werden.

Hallo,

aufgrund der Behinderung meines Vaters kann er seine Kontoauszüge nicht mehr bei der Bank abholen. Die Bevollmächtigten dürfen bei dieser Bank kein online banking machen. Deshalb wurde vereinbart, dass die Bank die Auszüge kostenpflichtig zuschickt. Bis wann muss die Bank diese kostenpflichtigen Auszüge übermittelt haben? Wenn ich den Kontoauszug z.B. für Mai am 24. Juni noch nicht habe, nützt er mir auch nichts mehr, weil er völlig veraltet ist.

    Thomas Gödert 27. Juni 2016 at 16:55

    Hallo Birgitt!

    Das ist natürlich nicht optimal und es ist davon auszugehen, dass es dort zu einem Fehler oder einem Missverständnis gekommen ist. Daher ist es ratsam, den Vorgang erneut mit der Bank zu klären und eine regelmäßige Versendung der Auszüge zu erwirken. Denn schließlich hat der Kunde ja auch Pflichten zu erfüllen und dazu gehört es, die Umsätze auf ihre Richtigkeit zu überprüfen. Hier gelten Fristen und in diesem Fall muss auch der Schutz der finanziellen Interessen des Betreuten gewährleistet sein.

Für das Finanzamt brauche ich eine Info bzw. Kontosauszug vom Treuhandkonto der Bank. Wir sind damals aus der Schweiz zurückgewandert und haben unser sog. Altersguthaben dort aufgelöst, um unseren Hauskauf in Deutschland zu finanzieren. Das Finanzamt möchte jetzt den Nachweis haben, dass diese Zahlung noch 2013 erfolgte, damit wir diesen Betrag nicht für 2014 versteuern müssen- ist etwas kompliziert.
Nun die Frage: Die Bank erhebt für die Bestätigung des Geldeingangs (vor 2,5 Jahren) satte 50 Euro Gebühren. Angeblich mussten die Mitarbeiter aufwendig recherchieren…. Ist das rechtens? Zumal wir nie eine Art Kontosauszug bekommen haben.
Über eine Rückmeldung würde ich mich sehr freuen.

    Thomas Gödert 9. August 2016 at 14:50

    Hallo Tim!

    Üblicherweise stehen die Kosten für solche Recherchen und die Anfertigung von Kontoauszügen im Preis- und Leistungsverzeichnis der Banken. Für Nachforschungen und ältere Auszüge sind hohe Gebühren aber eher üblich. Wie das genau in der Schweiz geregelt ist, können wir nicht sagen.

Meine Bank bietet die Kontoauszüge kostenlos online an, wenn ich diese jedoch nicht z.B. alle 4 Wochen herunter lade werden sie mir zugeschickt, hierfür wird dann eine Gebühr fällig. Ist dies rechtmäßig wenn ich nicht verlangt habe dass mir solch ein Auszug zugeschickt wird?
Ich habe mal nachgefragt und sie meinten es wäre eine gesetzliche Pflicht mir diese zukommen zu lassen wenn ich sie nicht downloade.

    Nach unserem Wissensstand ist diese Praxis noch nicht abschließend richterlich geklärt. Der Tenor ist, dass in diesem Fall eigentlich nur die Portokosten berechnet werden dürfen. Aber wo liegt denn das Problem? Es besteht doch die Möglichkeit, die Kontoauszüge online herunterzuladen und eine regelmäßige Kontrolle der Transaktionen ist ebenfalls sinnvoll.

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