Rost oder Rendite – Oldtimer als Geldanlage

Taugt der Oldtimer als Geldanlage?Der Wunsch beste Zinsen zu erwirtschaften ist weit verbreitet und verständlich. Einige Geldanlagen, wie Tagesgeld oder Festgeld, sind ohne Risiko und für jeden zu handhaben. Andere Geldanlagen locken mit besseren Renditen, erfordern dafür aber Risikobereitschaft und auch Wissen.

Je extravaganter eine Geldanlage daherkommt, desto plausibler scheint auch die höhere Rendite, die damit zu erwirtschaften ist. Das trifft mit Sicherheit auch auf Oldtimer zu, doch wer hier erfolgreich sein will, braucht nicht nur Finanzwissen um am Ende erfolgreich zu sein.

Wertverluste und Wertsteigerungen

Gefragt ist, wer sich rar macht – das ist in der Welt der Automobile nicht anders als bei vielen Menschen. Eine Wertsteigerung erfahren Autos, wenn sie zum Beispiel in limitierter Stückzahl auf den Markt gegangen sind. Mindestens 20 Jahre müssen sie alt sein, damit sie als Youngtimer eingestuft werden können. Als Oldtimer werden Fahrzeuge ab 30 Jahren bezeichnet (angehoben von einst 25 Jahren). Die Fahrzeuge erfreuten sich größter Beliebtheit, als sie auf den Markt kamen, waren damals allerdings sehr teuer. Nach und nach wurden sie aufgrund des üblichen Wertverlustes günstiger – Alter und Laufleistung spielen hier mit hinein. Gefragt sind heute Oldtimer, die sich gut gehalten haben. Sie müssen über die Jahre perfekt instand gehalten und gepflegt worden sein.
Wenn auch selten, sind Fahrzeuge in sogenannten Fehlfarben weniger gefragt. Wer mag schon mit einem violetten Porsche oder einem quietschgelben Jaguar fahren? In der Regel liegt bei solchen Fahrzeugen keine Wertsteigerung vor und jeder Anleger sollte seine Finger von diesen Autos lassen. Vorsicht ist geboten, wenn kein emotionaler Bezug zu den Fahrzeugen besteht. Sie einfach nicht genügend bekannt sind. Dann schwindet natürlich auch die Zahl der potentiellen Käufer dahin und damit auch eine mögliche Rendite. Vorkriegsmodelle sind heute nur noch wenig gefragt, sie erzielen dementsprechend keinen besonders hohen Preis mehr. Kenntnis von Modellen und Preisen ist deshalb Pflicht!

Für wen eignet sich die Investition in Oldtimer?

gibt es dazu Fragen?Oldtimer kosten erst einmal richtig viel Geld, ehe sie sich rentieren. Oft müssen die Fahrzeuge von Grund auf aufgebaut werden, brauchen neue Teile, Lackierungen oder Innenausstattungen. Da es Originalzubehörteile sein müssen, geht das ins Geld. Der Investor sollte also bereits über ein gewisses finanzielles Polster verfügen. Geld kostet auch die richtige Lagerung des Fahrzeugs, denn nicht jeder hat die ideale Garage zu Hause und muss einen entsprechenden Stellplatz mieten.
Außerdem sollte ein technisches Verständnis vorhanden sein. Sicherlich kann auch die kleinste Reparatur in der Werkstatt vorgenommen werden, womit wir wieder beim Faktor Geld wären. Außerdem ist es nur ein wahres Liebhaberstück, wenn auch die eigene Kraft drin steckt. Nicht wenige Anfänger der Kfz-Mechanik sammeln durch das Basteln an Oldtimern Erfahrungen und werden so zu Profis.
Anleger sollten Geduld mitbringen, denn bei einem Oldtimer kann nicht jährlich auf einen Kontoauszug geschaut und die Zinsentwicklung bestaunt werden. Oldtimer sind nichts für das schnelle Geld, sie brauchen Zeit, um sich zu entwickeln. Wer Oldtimer als Geldanlage in Betracht zieht, sollte daher Zeit und Geduld haben, er sollte keinesfalls auf die Rendite angewiesen sein.
Zu guter Letzt sollte der Anleger auch mit Enttäuschungen leben können. Denn nicht jeder Oldtimer lässt sich zum gewünschten Preis verkaufen. Was lieb und teuer ist, muss für andere noch längst nicht diesen Wert haben.

Was muss beachtet werden?

Achtung!Viele Oldtimer verbringen die meiste Zeit ihres Lebens in der Garage und werden nicht zu regelmäßigen Fahrten, sondern nur zu Showzwecken herausgeholt. Es kommt daher auf eine gut belüftete Garage an, damit die üblichen Standschäden – Rost, poröse Dichtungen oder Schimmelbildung – nicht auftreten. Eine gemietete Garage kann ins Geld gehen, wobei anzumerken ist, dass sich ein Vergleich der Garagenanbieter durchaus lohnt. Wichtig ist in jedem Fall, Oldtimer bei darauf spezialisierten Profis einzulagern, denn diese übernehmen nach Absprache auch fällige Arbeiten. Vor dem „Einmotten“ für den Winter müssen umfangreiche Reinigungs- und Pflegemaßnahmen durchgeführt werden, wobei sich diese im Einzelfall durch die Bauart des Fahrzeugs unterscheiden. Fahrzeuge mit Blechtank müssen noch einmal vollgetankt werden, damit sich kein Kondenswasser bilden kann. Einen Benzin-Stabilisator bekommen die Autos, die über eine mechanische Benzineinspritzung verfügen. Nicht vergessen werden darf, dass zum Beispiel Verdecke nicht ganz geschlossen werden, damit im Auto eine ausreichende Belüftung gegeben ist. Mausefallen werden zur Sicherheit aufgestellt, denn die kleinen Nager lieben das Innere von Fahrzeugen. Die genannten Maßnahmen sind nur Beispiele für umfangreiche Vorbereitungen zur Lagerung und Konservierung der Oldtimer. Dies kostet natürlich sehr viel Geld. Doch ohne Investitionen wird kein Oldtimer ein Erfolg, er entpuppt sich so höchstens als Kostenfalle.

Ein Beispiel für eine erfolgreiche Rendite

Die Ente von PeugeotHohe Wertzuwächse sind nicht selten aber auch nicht die Regel. Ein Beispiel: Als Enzo Ferrari starb, wurden für einige Modelle zum Teil mehr als 100.000 Euro gezahlt – so viel kosteten die Modelle nicht einmal als Neuwagen. Heute sind sie schon für 50.000 bis 60.000 Euro erhältlich. Ab und an ist der Markt auch überreizt, wie sich zeigt! Insgesamt ist bei dieser Geldanlage aber ein moderater Gewinn möglich. Wer im Jahr 1995 eine Ente kaufte, zahlte dafür rund 2.000 Euro, wenn sie sich im sogenannten Zustand 2 befand. Ein vergleichbares Modell kostet heute etwa 8.000 Euro. 300 Prozent Rendite sind hier also möglich. Auch der Mercedes 300 SL macht hier mit und konnte in 15 Jahren 214 Prozent Rendite erreichen (Marktpreis einst: 165.000 Euro, Marktpreis heute 518.000 Euro).

Fazit

Oldtimer und Youngtimer als Geldanlage taugen nur für Profis! Amateure, die als Liebhaber über die Jahre schon fast zu Experten geworden sind, haben sicher auch gute Karten. Auch Investoren, die das nötige Kleingeld in der Tasche haben, um Experten langfristig mit der Aufbereitung und der Pflege der Schmuckstücke zu beschäftigen, können in diesem Segment bestehen. Für die breite Masse kann keine Empfehlung ausgesprochen werden, denn nicht jedes Modell hat das Zeug zum Rendite-Wunder, nur weil es alt ist. Wer den technischen Zustand sowie die Echtheit der verbauten Teile eines Fahrzeugs nicht beurteilen kann, wird wohl schon beim Kauf den ersten Fehler begehen. Wenn das Fahrzeug Potenzial hat, anschließend aber nicht fachgerecht behandelt wird, wird die Investition ebenso scheitern. Nicht gut für die Rendite und erst recht nicht für das an sich wertvolle Fahrzeug! Fehler bei der Geldanlage gibt es zahlreiche, wer sie kennt, kann sie vermeiden.

Anlagemix – Auf der Suche nach der optimalen Mischung

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Hier schreibt Thomas Gödert

Online-Redakteur Finanzen. Arbeitet seit 2012 bei BergMedia.net. Thomas Gödert ist auch auf Google+ und Twitter aktiv.
Kategorie: Festgeld, Tagesgeld

1 Kommentar zu Rost oder Rendite – Oldtimer als Geldanlage

Hallo Thomas,

ich möchte zu den Ausführungen noch eine Ergänzung machen:
Autos, die fast ständig in einer Garage stehen, sind permanent einer erhöhten Luftfeuchtigkeit ausgesetzt. In gemauerten oder Beton-Garagen beträgt die Luftfeuchte durchschnittlich 90 Prozent und mehr, und zwar das ganze Jahr über. Hintergrund ist die Lage der Entlüftungsöffnungen, die im Regelfall aus statischen Gründen nicht an der höchsten Stelle in der Garage liegen.
Anders ist es bei Fertiggaragen aus Stahl. Obwohl man dort an der Decke gelegentlich Wassertropfen sieht (weil der Stahl sie nicht einfach aufsaugt) beträgt die durchschnittliche Luftfeuchte nur 60 Prozent.
Informationen zum Lüften von Garagen sind unter http://www.omicroner-garagen.de/stahlgaragen.php zu finden.
Das ist für ein ständig eingelagertes Auto immer noch zu hoch, daher sollte zusätzlich regelmäßig gelüftet und das Fahrzeug gut konserviert werden.

Viele Grüße

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