Amtliche europäische Statistiken 
Eurostat – Inflation in der Eurozone

Das Logo von EurostatDas Statistische Amt der Europäischen Union Eurostat ermittelt monatlich den “Harmonisierten Verbraucherpreisindex” (HVPI), der der einheitlichen Messung der Inflationsrate innerhalb der Eurozone und in den übrigen Staaten der Europäischen Union sowie des Europäischen Wirtschaftsraums dient. Bedeutsam ist der HVPI auch als Maßstab für die Einhaltung des “EU-Konvergenzkriteriums” Geldwertstabilität.

Was ist Eurostat?

Eurostat ist das Statistische Amt der Europäischen Union. Die in Luxemburg ansässige Verwaltungseinheit der EU erstellt amtliche europäische Statistiken, darunter auch den “Harmonisierten Verbraucherpreisindex” HVPI. Eurostat ist eine Generaldirektion der Europäischen Union, die dem EU-Kommissariat für Wirtschaft und Währung angegliedert ist. Während die Statistikbehörden der EU-Mitgliedsstaaten für die Erhebung der jeweiligen nationalen Daten zuständig sind, führt Eurostat auf der Grundlage der erhaltenen nationalen Daten Berechnungen und Analysen auf europäischer Ebene durch.


Die offizielle Seite von Eurostat finden sie hier:


Der “Harmonisierte Verbraucherpreisindex”

Frau beim EinkaufEurostat errechnet monatlich den “Harmonisierten Verbraucherpreisindex” (HVPI) für die Eurozone. Der HVPI wurde für den Bereich der gesamten Europäischen Union und darüber hinaus auch für die übrigen Staaten des Europäischen Wirtschaftsraums (Island, Norwegen und Schweiz) entwickelt, um die Geldwertstabilität international vergleichen und zu einer Inflationsrate für Europa und speziell auch für die Euro-Zone zusammenfassen zu können. Die Bezeichnung “harmonisiert” weist darauf hin, dass alle beteiligten Staaten ihre nationalen HVPI nach einer gemeinsamen gesamteuropäischen Methodik berechnen. Rechtsgrundlage für diese einheitliche Berechnung ist die EG-Verordnung 2494/95 des Rates über harmonisierte Vebraucherpreisindizes vom 23. Oktober 1995.
Als Datengrundlage des europäischen HVPI dienen die von den Statistikbehörden der EU-Staaten ermittelten nationalen HVPI. Die Einhaltung der für alle EU-Staaten verbindlichen Methoden bei der Ermittlung der nationalen HVPI wird von Eurostat überwacht. Die Veröffentlichung des HVPI nimmt Eurostat jeweils drei Wochen nach einem Monatsende vor.
Vor der Einführung des Euro als gemeinsamer Währung wandte jeder EU-Mitgliedsstaat individuelle nationale Methoden zur Messung der Inflation an, die von geschichtlichen Besonderheiten, unterschiedlichen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen und voneinander abweichenden Statistiksysteme geprägt waren. Die Schaffung einer gemeinsamen Währung erforderte jedoch eine einheitliche Vorgehensweise aller EU-Mitgliedsstaaten bei der Ermittlung der Geldwertstabilität in der Euro-Zone. Die Berechnungs-Standards, die dem HVPI zugrunde liegen, stellen diese europaweite Einheitlichkeit sicher.

HVPI: Datenerhebung und Berechnungsmethodik

nachrechnen lohnt sichMonatliche Preiserhebungen – EU-weit einheitlicher Warenkorb
Allmonatlich erheben Preisermittler in nahezu 1.600 Orten in allen Staaten der Eurozone etwa 1,8 Millionen Preisangaben in mehr als 200.000 Verkaufsstellen. Ermittelt werden die Preise von durchschnittlich 700 Waren und Dienstleistungen, die für den Konsum der privaten Haushalte repräsentativ sind. Der dem HVPI zugrunde liegende Warenkorb findet EU-weite Anwendung.

Die Gewichtung von Produktgruppen

Die im Warenkorb vertretenen Produktgruppen werden gemäß ihrer Bedeutung für die Budgets privater Haushalte gewichtet. Damit der Inflations-Index stets das aktuelle Ausgabeverhalten widerspiegelt, wird die Gewichtung der Produktgruppen fortlaufend überprüft. Seit Anfang 2012 erfolgt eine jährliche Aktualisierung der Grobgewichtungen innerhalb des HVPI-Warenkorbes. Dabei fließen jeweils die vorläufigen Daten zur volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung des Vorvorjahres ein. Neben der Anpassung der Grobgewichte werden alle fünf Jahre die Feingewichte der einzelnen Produkte adjustiert. Nach vorgenommenen Grob- und Feinjustierungen erfolgt jedoch keine Anpassung von Vergangenheitswerten.
Die dem derzeitigen Konsumverhalten entsprechenden Gewichtungen werden aufgrund von Umfragen festgelegt, bei denen private Haushalte um Informationen über diejenigen Produkte und Dienstleistungen gebeten werden, für die sie Geld ausgeben. Die Gewichtungsdaten werden separat für jedes am HVPI-Verfahren teilnehmende Land ermittelt. Bei den Produktgruppen-Gewichtungen handelt sich also um nationale Durchschnittswerte, die alle Haushaltstypen repräsentativ erfassen – z. B. Haushalte mit hohem und mit niedrigem Budget und Verbraucher aller Altersklassen.

Aktuelle Produktgruppen-Anteile am HVPI-Warenkorb

So wirkt die Geldpolitik auf den EuroMit einem Warenkorb-Anteil für die Eurozone von jeweils 15,6 Prozent verfügen die Produktgruppen “Wohnung” sowie “Nahrungsmittel und alkoholfreie Getränke” über das größte Gewicht, gefolgt von “Verkehr” (15,1 Prozent), “Freizeit und Kultur” (9,7 Prozent) sowie “Beherbergung und Gastronomie” (9,4 Prozent). Ein mittleres Gewicht besitzen die Produktgruppen “Hausrat” (7,1 Prozent) und “Bekleidung und Schuhe” (6,8 Prozent). Die kleinsten Anteile am Warenkorb haben die Produktgruppen “Gesundheitspflege” (4,2 Prozent), “Alkohol und Tabak” (3,7 Prozent), “Nachrichtenübermittlung” (3,2 Prozent) sowie “Erziehung und Unterricht” (1,0 Prozent). (Datenstand: Mai 2015)

Zusammenfassung der nationalen HVPI-Daten zum HVPI der Euro-Zone

Jedes nationale Statistikamt meldet seine HVPI-Daten an Eurostat, das dann den HVPI für das gesamte Euro-Währungsgebiet ermittelt. Der Berechnung des Gesamt-HVPI für den Euroraum liegen Gewichtungen der nationalen HVPI zugrunde, die dem Anteil der jeweiligen Staaten an den Konsumausgaben der Euro-Zone entsprechen.

Wozu werden die HVPI-Daten benötigt?

HVPI: EZB-Instrument zur Überwachung der Geldwertstabilität

Aus dem HVPI lässt sich die europadurchschnittliche, nach Produktgruppen und Länderanteilen an den Konsumausgaben gewichtete Entwicklung der Geldwertstabilität ablesen. Die Europäische Zentralbank verwendet den HVPI-Index zur Beobachtung der Geldwertstabilität innerhalb der Europäischen Wirtschafts- und Währungsunion.

Geldwertstabilität: Wichtigstes “EU-Konvergenz-Kriterium”

Europa - FlaggenAußerdem dient der HVPI der Beurteilung des Maßes an wirtschaftlichem Gleichlauf (Konvergenz) zwischen den Mitgliedsstaaten der Europäischen Union und von Beitrittskandidaten. Im Vertrag von Maastricht vom 7. Februar 1992 verpflichteten sich auch die EU-Mitgliedsstaten untereinander zur Einhaltung bestimmter “EU-Konvergenzkriterien”. Danach soll die Inflationsrate (ablesbar am HVPI) von Mitgliedsstaaten oder von Beitrittskandidaten nicht mehr als 1,5 Prozentpunkte oberhalb der Geldentwertungsrate der drei Mitgliedsstaaten mit der höchsten Preisstabilität liegen. Alljährlich veröffentlicht die Europäische Zentralbank einen Konvergenzbericht, in dem sie zu den Fortschritten von Mitgliedsstaaten in den Bereichen Preisstabilität, öffentliche Finanzen, Wechselkurse und rechtliche Konvergenz Stellung bezieht.

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Hier schreibt Mischa Berg

Mischa Berg ist Herausgeber von Bankenvergleich.de und veröffentlicht seit 2007 News und Kommentare zur Geldanlage in Tagesgeld und Festgeld. Mischa Berg ist auch auf Google+ und Facebook aktiv.
Kategorie: Festgeld, Tagesgeld

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