Quantitative Lockerung – Geldpolitik der EZB

Quantitative Easing„Quantitative Easing“ (auch Monetäre oder Quantitative Lockerung) hat vor dem Hintergrund der weltweiten Finanz- und Wirtschaftskrise eine große Bedeutung als geldpolitisches Instrument von Zentralbanken gewonnen. In den letzten Jahren wurde Quantitative Easing von den Notenbanken der USA, Japans, Großbritanniens und einiger Schwellenländer in erheblichem Umfang eingesetzt.

Was ist unter dem geldpolitischen Instrument Quantitive Easing zu verstehen?

Der Internationale Währungsfonds (IWF) definiert Quantitive Easing als Ankauf von Staatsanleihen oder staatlich verbürgten Wertpapieren durch eine Zentralbank.
Der massive Erwerb insbesondere langlaufender Staatsanleihen lässt die Anleihenkurse steigen und die langfristigen Marktrenditen entsprechend fallen. Quantitive Easing führt also zu einer Senkung des Zinsniveaus an den Anleihemärkten. Das Bankensystem erhält zusätzliche Liquidität, so dass Liquiditätsengpässen bei einzelnen Banken oder Bankengruppen vorgebeugt bzw. entgegengewirkt werden kann. Mit einer Quantitativen Lockerung ist jedoch keine Ausgabe neuer Banknoten verbunden.
Quantitative Easing wird von Notenbanken dann eingesetzt, wenn sich die kurzfristigen Zinsen bereits auf einem sehr niedrigen Niveau befinden (oft nahe Null Prozent) und daher der Einsatz von herkömmlichen Geldmarkt-Instrumenten durch eine Zentralbank nicht mehr in Betracht kommt, die Notenbank jedoch eine expansive Geldpolitik fortführen will.
Der Ankauf von Wertpapieren im Rahmen des Quantitative Easing führt zu einem Anstieg der Bilanzsumme der jeweiligen Notenbank. So erhöhte sich z. B. die Bilanzsumme der Federal Reserve Bank („Fed“), der Notenbank der USA zwischen 2006 und 2014 um etwa 400 Prozent (sh. http://www.wallstreet-online.de/nachricht/6744588-huefners-wochenkommentar-das-geldmengen-paradox). Die Fed will ihre gewaltig aufgeblähte Bilanzsumme innerhalb der nächsten acht Jahre wieder normalisieren.
Vom Quantitative Easing unterscheidet der IWF das „Liquidity Easing“, das auf Maßnahmen zur Liquiditätsversorgung zielt, die über herkömmliche Notenbankinstrumente hinausgehen (z. B. durch unbegrenzte Liquiditätsversorgung zu einem festen Zinssatz), und das „Credit Easing“, das den Ankauf von Wertpapieren von privaten Wirtschaftssubjekten oder die Gewährung von Krediten an Privatpersonen umfasst.

Welche Ziele verfolgt eine Zentralbank mit Quantitative Easing?

Ziele verfolgenNotenbanken setzen Quantitative Easing als Maßnahme zur Liquiditätssicherung und/oder zur Belebung der Konjunktur ein. Quantitative Easing wird insbesondere auch zur Abwehr deflationärer Tendenzen eingesetzt. Bei Deflation halten sich die Marktteilnehmer mit Kauf- bzw. Investitionsentscheidungen zurück, da sie für die Zukunft ein niedrigeres Preisniveau erwarten. Daher forderte beispielsweise der IWF die Europäische Zentralbank im Juni 2014 angesichts niedriger Inflationsraten in der Eurozone zum massiven Einsatz von Quantative Easing auf, um eine möglicherweise drohende Deflation in Europa abzuwenden.
Bei einem niedrigen langfristigen Zinsniveau (und möglicherweise sogar negativen Guthabenzinsen) erhöht sich die Umlaufgeschwindigkeit des Geldes: Die Bereitschaft von privaten Haushalten und Unternehmen zur Reduzierung ihrer langfristigen Geldanlagen und zur Aufnahme von Krediten zwecks Ausweitung ihres Konsums bzw. Tätigung von Investitionen wird gestärkt. Kreditinstitute sollen durch niedrige Anleihenzinssätze zur Ausweitung ihrer Kreditvergabe animiert werden. Eine Senkung der langfristigen Zinsen erleichtert Staaten die Finanzierung ihrer Haushalte durch Aufnahme zinsgünstiger langfristiger Kredite.

Welche Kritik gibt es am Instrument des Quantitative Easing?

berechtigte KritikAm geldpolitischen Instrument des Quantitativen Easing wird erhebliche Kritik geübt:
Die Ausweitung der Geldmenge durch Quantative Easing kann zu einem Anstieg der Inflation führen, soweit die erhöhte Geldmenge tatsächlich nachfragewirksam wird. Fundamental ungerechtfertigte Preiserhöhungen beschränken sich zuweilen aber auch auf bestimmte Teilmärkte (z. B. Aktien-, Anleihe-, Immobilien- oder Rohstoffmarkt). Fehlanreize durch eine hohe Geldmenge können in diesen Marktsegmenten leicht zur Bildung von gefährlichen Spekulationsblasen mit völlig überhöhten Preisen führen. Platzen diese Spekulationsblasen, so hat dies regelmäßig erhebliche negative Auswirkungen auf eine gesamte Volkswirtschaft.
Sobald Anleihen-Kaufprogramme einer Notenbank auslaufen, stehen möglicherweise nicht in ausreichendem Umfang Mittel anderer Marktteilnehmer für eine Refinanzierung bereit, so dass starke Kursbewegungen entstehen können.
Der Druck auf das Bankensystem, mehr Kredite zu künstlich niedrig gehaltenen Zinsen zu vergeben, kann Kreditinstitute zu risikoreichen Kreditvergaben veranlassen, die die Stabilität von Banken oder Bankengruppen langfristig bedrohen können. Die Bonität von Kreditnehmern stellt sich bei künstlich niedrigen Zinsen nicht der Realität entsprechend günstig dar. Potenzielle Kreditnehmer lassen sich möglicherweise aufgrund momentan niedriger Zinsen zum Erwerb beispielsweise von überteuerten Wertpapieren und Immobilien auf Kredit hinreißen.
Eine Notenbank, die Quantitive-Easing-Maßnahmen ergreife, konzentriere sich, so die Kritiker, nicht mehr auf ihre Kernaufgabe der Geldwertsicherung, sondern nehme Aufgaben der staatlichen Wirtschafts- und Konjunkturpolitik wahr. Besser wäre es, wenn die Wirtschafts- und Finanzpolitiker der einzelnen Staaten ihre „Hausaufgaben“ erledigten und nicht die Folgeprobleme einer mangelhaften Wirtschaftspolitik auf die Notenbanken verlagerten. Auch etwaige Konstruktionsfehler des Euro-Systems (z. B. eine nicht harmonisierte nationale Wirtschafts- und Finanzpolitik der Mitgliedsstaaten) müsse die EZB durch Auslösung einer gefährlichen Liquiditätsflut wieder ausgleichen.
Versicherungsunternehmen können bei langanhaltend niedrigen Zinsniveau nicht die ihren Kunden zugesagten Renditen erwirtschaften und geraten so eventuell in wirtschaftliche Schwierigkeiten.
Altersvorsorgevermögen werfen nur noch geringe Renditen ab. Ein Anstieg der Altersarmut ist daher bei dauerhaft niedrigen Zinsen wahrscheinlich.
Zudem wird die Wirksamkeit von Quantative Easing grundsätzlich in Frage gestellt: So setzte die Zentralbank Japans als erste Notenbank weltweit ab März 2001 Quantitive Easing ein und finanzierte so Konjunkturmaßnahmen. Dennoch befindet sich Japan seit Jahren in höchster Deflationsgefahr und weist laut IWF unter allen OECD-Staaten mit mittlerweile 244 Prozent des Bruttoinlandsproduktes die höchste Schuldenquote auf (Stand April 2014; zum Vergleich: Die Schuldenquote des finanziell stark angeschlagenen Griechenland liegt bei 175 Prozent).

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Hier schreibt Thomas Gödert

Online-Redakteur Finanzen. Arbeitet seit 2012 bei BergMedia.net. Thomas Gödert ist auch auf Google+ und Twitter aktiv.
Kategorie: Festgeld, Kredit, Tagesgeld

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