Wie wird die Inflation berechnet?

Infaltion bedeutet einen KaufkraftverlustInflation bezeichnet die Teuerungsrate von (Konsum-)Gütern. Mit der Erhöhung der Preise wird gleichzeitig die Kaufkraft des Geldes reduziert. Neben Wirtschaftsdaten wie der Arbeitslosenquote und dem Brutto-Inlandsprodukt gibt die Inflationsrate Auskunft über die Entwicklung der wirtschaftlichen Verhältnisse eines Landes. Eine hohe Inflation schränkt das Konsumverhalten der Verbraucher ein, deren Einkommen zunehmend wertloser wird. Die Folgen hoher Inflation sind politische, wirtschaftliche und gesellschaftliche Instabilität. Aus diesem Grund sind die Notenbanken der Länder bemüht, die Preise stabil und die Inflation in Zaum zu halten.

Wie wird die Inflation berechnet?

Durch die Inflation entsteht dem Anleger ein Kaufkraftverlust.Die bekannteste Form der Berechnung basiert auf dem sogenannten Warenkorb, mit dem der Verbraucherpreisindex definiert wird. Dazu stellt man für ein bestimmtes Jahr einen typischen Warenkorb zusammen, der in etwa dem durchschnittlichen Kaufverhalten der Verbraucher entsprechen soll. Nun kann man Jahr für Jahr die Preisentwicklung der Produkte dieses imaginären Warenkorbs neu ermitteln und damit die Entwicklung (im Vergleich zum Vorjahr und zum Ausgangsjahr) berechnen. Das Statistische Bundesamt, eine Bundesbehörde des Bundesinnenministeriums, geht dabei von Haushalten mit durchschnittlich 2,3 Personen aus und rechnet seit Mitte 2002 auch die Qualitätssteigerung von Produkten mit ein („hedonische Preisbereinigung“). Notenbanken und Politik brauchen Daten und Zahlen, um die Entwicklung einschätzen zu können und um ihre Maßnahmen planen zu können. Eine Statistik ist aber immer nur der Versuch, die komplexe Realität abzubilden. Einige Gedankenspiele zeigen diverse Probleme bei der Berechnung auf:

  • Bei der hedonischen Preisbereinigung geht man davon aus, dass die IT-Technik ständig besser wird. Ein aktuelles Notebook ist mobil, internetfähig und erheblich leistungsfähiger als etwa ein Tower-PC von 1998. Allerdings verlangen die gestiegenen Anforderungen seitens Betriebssystem, Spielen und Internet nach besseren IT-Geräten.
  • Beim Autokauf lassen sich ähnliche Vergleiche heranziehen. Ein Kompaktwagen kostete 1980 rund 12.500 DM. Ein mittleres Vergleichsmodell kostet heute rund viermal so viel. Das aktuelle Fahrzeug bietet mehr Technik und Bequemlichkeit. Die Anfahrt zur Arbeitsstelle hat sich dagegen nicht auf ein Viertel reduziert und es können immer noch nicht mehr als 4 Kollegen mitfahren.
  • Der tatsächliche Warenkorb verändert sich mit der Entwicklung des Marktes. So versucht man auch den Inflations-Warenkorb anzupassen, was nicht einfach ist. Denn nicht generell stehen alle Angebote des Marktes allen Verbrauchern zur Verfügung. Der Inflationswert wird über alle Gesellschaftsgruppen gleich errechnet. Eine niedrige Inflation ergibt sich aber auch, wenn Yachten günstiger und Lebensmittel teurer würden. Für Haushalte mit recht hohem Einkommen wäre die Ausnutzung günstiger Autopreise möglich. Haushalte mit geringeren Einkommen würden dagegen von der Teuerungsrate der Lebenshaltungskosten stärker getroffen.

Veröffentlichungstermine

Das Statistische Bundesamt errechnet den Verbraucherpreisindex monatlich neu und stellt Verbrauchern, der Wirtschaft und der Politik so zeitnah die Daten zur Entwicklung der Preise bereit. Natürlich braucht die Berechnung ihre Zeit. Deshalb veröffentlicht das statistische Bundesamt jeweils am Ende des laufenden Monats ein geschätztes und deshalb vorläufiges Ergebnis für diesen Monat. Das endgültige Ergebnis wird in der Mitte des nachfolgenden Monats veröffentlicht.

Vorläufiger Verbraucherpreisindex Verbraucherpreisindex
Monat/Jahr Veröffentlichungstermin Veröffentlichungstermin
Januar 2016 04. Jan –> Dez 2016
28. Jan –> Jan 2016
19. Jan –> Dez 2015
Februar 2016 26. Feb –> Feb 2016 12. Feb –> Jan 2016
25. Feb –> Jan 2016
März 2016 30. Mär –> Mär 2016 11. Mär –> Feb.2016
April 2016 28. Apr –> Apr 2016 12. Apr –> Mär 2016
Mai 2016 30. Mai –> Mai 2016 13. Mai –> Apr 2016
Juni 2016 29 Jun –> Jun 2016 10. Jun –> Mai 2016
Juli 2016 28. Jul –> Jul 2016 12 .Jul –> Jun 2016
August 2016 30. Aug –> Aug 2016 12. Aug –> Jul 2016
September 2016 29. Sep –> Sep 2016 13. Sep –> Aug 2016
Oktober 2016 28. Okt –> Okt 2016 13. Okt –> Sep 2016
November 2016 29. Nov–> Nov 2015 11. Nov –> Okt 2016
Dezember 2016 13. Dez –> Nov 2016

Die aktuellen Veröffentlichungstermine von Destatis (Statistisches Bundesamt) gibt es hier:

Gefühlte Inflation

Die Unstimmigkeiten zwischen der vom Statistischen Bundesamt berechneten Inflation und der Wahrnehmung der Verbraucher wird als „gefühlte Inflation“ beschrieben. Gerade wer ein gutes Gedächtnis für Preise besitzt, mag sich bei seinen Einkäufen über Preissteigerungen wundern, obwohl die offiziellen Angaben zur Inflation vorher nicht ins Auge gestochen sind. Statistiken bilden eben nur einen Durchschnittswert ab und der Verbraucher selbst ist eben nicht immer durchschnittlich, sondern liegt über oder unter diesem Wert. Wer gerade Güter kauft, die überdurchschnittlich im Preis gestiegen sind, sollte sich diesen Effekt vor Augen halten und nicht an eine böswillige Täuschung glauben!

Einfache Berechnung der Inflation

Der WarenkorbFür die Berechnung der Inflation in einem Land gibt es aber noch einen anderen Rechenweg, der an Wirtschaftsuniversitäten gelehrt wird. Dabei subtrahiert man das Wirtschaftswachstum vom Geldmengenwachstum. Inflation und Deflation drücken das (Miss-)Verhältnis zwischen Geldmenge und Gesamtwarenwert aus. Wird etwa durch den Staat die Geldmenge erhöht (Neuverschuldung), so steht den Gütern eine größere Menge Geld gegenüber: Die Warenpreise nehmen zu, das Geld wird entwertet.
Bei einem Geldmengenwachstum von rund 12 Prozent und einem Wirtschaftswachstum von 2,2 Prozent ergibt sich so eine Inflation von 9,8 Prozent. Das ähnelt der gefühlten Inflation und erstaunlicherweise sogar dem Wert der Diätenerhöhung der Bundestagsabgeordneten in Höhe von 9,4 Prozent (alle Zahlen 2007).

Europäische Inflation

Der Leitzins der EZB beeinflusst die Zinsen der SparprodukteIn der Europäischen Union ist das Statistische Amt der EU, Eurostat, für die Berechnung der Inflationsraten der EWWU-Staaten (Europäische Wirtschafts- und Währungsunion) zuständig. Hier verwendet man den harmonisierten Verbraucherpreisindex (HVPI, international HICP für Harmonised Index of Consumer Prices). Berechnet wird der HVPI EU-weit einheitlich, allerdings wird der jeweilige Warenkorb ländertypisch definiert. Der HVPI ergibt einen Zahlenwert, mit dem man die Preisniveauentwicklung europaweit aufzeigt. Doch der statistische Wert ist nur begrenzt vergleichbar und die Berechnungsgrundlagen werden stetig verfeinert.

Wofür ist die Berechnung der Inflationsrate gut?

frau_beim_einkaufEine leichte Inflation bis hin zu 5 Prozent regt Wirtschaft und Konsum an. Das mag angesichts der fortlaufenden Geldentwertung seltsam erscheinen. Der Angestellte arbeitet im Mai, bekommt Ende Mai sein Gehalt und gibt es überwiegend im Juni aus. Irgendwelche Preise im Bereich Lebensmittel und Haushalt sind teurer geworden. Billigere Ersatzprodukte oder Konsumverzicht sind eine mögliche Folge. Für größere Investitionen von Elektrogeräten bis zum Auto ist es sinnvoll, möglichst schnell zu kaufen, um dem Wertverlust des Lohns entgegenzuwirken. Eine Deflation, etwa durch die Reduzierung der Gesamtgeldmenge seitens des Staates, wirkt sich dagegen rezessiv aus. Eine politische Führung wird während einer Wachstumsphase kaum abgewählt.
Die Wechselwirkung zwischen offizieller Inflationsrate und Kauf- und Investitionsverhalten der Verbraucher sind Grund genug, die Berechnung der Inflation so zu gestalten, dass eine allgemein als gesund anerkannte Inflation (1-3 Prozent) eingehalten wird. Die Diskrepanz zwischen offiziell berechneter und gefühlter Inflation mag den Verbraucher verunsichern.

Dem Kaufkraftverlust entgegenwirken

Der Kaufkraftverlust zeigt seine Wirkung aber vor allem bei Geldern, die der Verbraucher anspart. Geld, das auf Konten deponiert wird, die keine Zinsen abwerfen, sind keine gute Wahl. Selbst bei moderaten Inflationsraten kann mit dem Ersparten immer weniger Gegenwert eingekauft werden. Das gilt vor allem dann, wenn das Geld über viele Jahre hinweg nicht angelegt wird. Mit Tagesgeld und Festgeld kann der Kaufkraftverlust selbst in Zeiten niedriger Zinsen noch ausgeglichen werden. Es ist deshalb ratsam, sich mit den unterschiedlichen Formen der Geldanlage auseinanderzusetzen und Investitionsmöglichkeiten mit geringem Risiko in jedem Fall zu nutzen. Eine einfache Anlagestrategie mit Tagesgeld und Festgeld, die wirklich jeder nutzen kann, ist selbst für Neueinsteiger leicht umzusetzen. Riskantere Anlageformen bieten höhere Renditechancen, sind aber nicht für jeden geeignet. Wer mit dem Gedanken spielt auch an der Börse durchzustarten, kann einige Grundlagen in dem Artikel „An der Börse mit dem eigenen Depot durchstarten“ nachlesen.

Zinsentwicklung

Das Zinsbild zeigt die Spitzenzinssätze von Tagesgeld und Festgeld für die jeweilige Kalenderwoche. Außerdem wird die Inflation (Deutschland) ausgewiesen. Der Wert für die Inflation bezieht sich dabei auf bekannte und geschätzte Werte aus dem Vormonat. Schließlich müssen die Statistiker die Daten erst sammeln und auswerten.

Bildquelle

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Hier schreibt Thomas Gödert

Online-Redakteur Finanzen. Arbeitet seit 2012 bei BergMedia.net. Thomas Gödert ist auch auf Google+ und Twitter aktiv.
Kategorie: Festgeld, Girokonto, Tagesgeld

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