Ist Festgeld für Sparer das Gebot der Stunde?

© vege - Fotolia.comNach der letzten Leitzinssenkung am vergangenen Donnerstag geht die Angst um in Deutschland. Es ist die Angst vor noch weiter fallenden Sparzinsen, die viele Bundesbürger aufschreckt und um ihr Erspartes bangen lässt. Der Vorsitzende des EZB Rates Mario Draghi hat den EZB-Leitzins auf ein neues Rekordtief von 0,5 % gesenkt.

Wer sich nur in unregelmäßigen Abständen mit dem Thema Sparzinsen beschäftigt und sich in der vergangenen Woche nochmal ein Zinsvergleich im Internet angeschaut hat, dürfte darüber erschrocken sein, auf welches Niveau die Tagesgeld-und Festgeldzinsen mittlerweile gefallen sind. Während Anfang des Jahres noch bis zu 2,75 % Zinsen pro Jahr möglich waren, liegt das Zinsniveau aktuell bei gerade einmal bei höchstens 1,65 %. Doch es gibt auch gute Nachrichten für die Sparer. Auch die offizielle Inflationsrate der Bundesrepublik Deutschland ist in den vergangenen Monaten gesunken. Für den Monat April lautet die vorläufige Schätzung der Statistiker, dass die Inflationsrate bei nur noch 1,4 % liegt. Wenn Anleger ihr Geld also bei einem der besten Anbieter aus dem Tagesgeldvergleich parken, bleibt immerhin noch eine positive Realrendite. Eine weitere positive Nachricht für Sparer ist, dass bei dem aktuellen Zinsniveau der gesetzlich vorgegebene Rahmen der Freibeträge auf Zinseinkommen wohl nur bei den wenigsten erreicht werden kann.

Grafik: Tagesgeld-Spitzenszins und Inflationsrate

Tagesgeld-Spitzenzins und Inflationsrate

Des deutschen liebstes Vorsorgeprodukt „Lebensversicherung“ ist gefährdet

Jeder kritische Leser merkt, man kann auch aus den schlechtesten Nachrichten noch ein paar positive Ansätze ableiten. Jedoch wollen wir an dieser Stelle nicht in Galgenhumor verfallen. Das historisch tiefe Zinsniveau ist für Sparer und für Versicherte ein nicht gerade positives Marktumfeld. Warum auch für Versicherte? Des Deutschen liebstes Produkt zur Altersvorsorge, die Kapitallebensversicherung, leidet auch unter den niedrigen Zinsen. Die Versicherungen nehmen das Geld der Sparer und legen es in solide Anleihen an. Dazu wurden in den vergangenen Jahren vor allem Staatsanleihen gezählt. Bei den Staatsanleihen verhält es sich aber momentan so, dass entweder die Zinsen so niedrig sind, dass keine ordentliche Rendite erwirtschaftet werden kann, wie es zum Beispiel bei Anleihen von Deutschland, Niederlanden oder Norwegen der Fall ist. Staatsanleihen der Südländer der Eurozone dagegen bieten zwar ordentliche Zinsen, gelten aber zunehmend mit dem Verlauf der Staatsschuldenkrise nicht mehr als sicher. In den vergangenen Jahren konnten die Versicherungen Anleger vor allem deshalb gewinnen, weil sie mit verlockend hohen Garantiezinsen werben konnten. Doch was passiert, wenn diese Garantiezinsen nicht erreicht werden können? Dazu gibt es zwei Möglichkeiten:

Versicherungssterben oder gesetzliche Eingriffe? Es wird jedenfalls teuer

reißender Strick. Die Versicherungen sind gefährdetDurch die hohen Garantiezinsen und die niedrigen realen Renditen geraten immer mehr Versicherer in eine finanzielle Schieflage. Bleibt das Zinsniveau so niedrig, käme sicher auch der Konkurs einzelner Versicherungen. Das wäre Szenario Nummer eins, welches der Staat vermutlich jedoch nicht zulassen würde. Gingen mehrere Versicherungen in Deutschland pleite, wäre mitunter die Altersvorsorge einer ganzen Generation gefährdet und es würde zu Altersarmut führen. Also bleibt noch Szenario Nummer zwei: Die einst so plakativ beworbenen Garantiezinsen würden durch den Gesetzgeber gestutzt werden. Anleger bekommen dann nicht mehr den versprochenen Zinsertrag, sondern müssten sich mit viel weniger zufrieden geben. Durch die hohen Abschlusskosten, die be Versicherungsprodukten immer gegeben sind, ergibt sich dann bei einer ehrlichen Rechnung jedoch eine negative Rendite.

 

Was also ist das Gebot der Stunde? In welche Anlageform sollen sich konservative Anleger retten? Wer zu jedem Zeitpunkt mindestens den eingesetzten Betrag wieder haben möchte, für den verbietet sich eine Anlage in Gold, Aktien oder Staatsanleihen. Wie oben bereits beschrieben, lässt sich mit Tagesgeld in der aktuellen Situation zumindest noch eine positive Realrendite erwirtschaften. Aber was ist wenn die Zinsen weiter fallen? Wie bei Tagesgeld üblich, kann sich der Zinssatz jeden Tag ändern. Dies gilt mit Ausnahme der Neukundenangebote, die oftmals eine Zinsgarantie beinhalten, bei denen Anleger im Anschluss an den garantierten Zeitraum jedoch auf einen niedrigeren Bestandskundenzinssatz zurückfallen.

Negative Zinsen auf dem Sparbuch? Forenwitz oder bald Realität?

Das Beispiel Japan hat um die Jahrtausendwende gezeigt, dass auf Bankeinlagen auch negative Zinsen möglich sind. Schon liest man die ersten Witze in Internetforen, dass man bald wohl möglich der Bank noch Geld dafür bezahlen muss, dass sie das Geld für einen verwahrt. Was heute als Witz im Internet taugt, könnte für Sparer schon bald bittere Realität bedeuten. Für Festgeld gibt es bei einigen Banken aktuell noch bis zu 2,5 % Zinsen pro Jahr. Das ist ein Zinssatz, für den vor einigen Jahren noch niemand sein Geld für mehrere Jahre fest angelegt hätte. Aktuell jedoch erfreut sich Festgeld wieder steigender Beliebtheit und ein Zinssatz von 2 % wird von vielen Anlegern als attraktiv angesehen. Hier einige Beispiele (Stand 06.05.2013): Bei der C & A Bank gibt es für 12-monatiges Festgeld und einer Einlagensumme ab 10.000 Euro noch 1,85% Zinsen pro Jahr. Die französische Renault Bank direkt zahlt für die beliebte Laufzeit über 24 Monate runde 2,00% Zinsen pro Jahr.

 

Festgeld – nicht besonders flexibel, langweilig, aber 100% sicher

Bleibt die Anlagesumme im Rahmen der gesetzlichen Einlagensicherungssysteme bis 100.000 €, dann wird die Sicherheit der Anlage gesetzlich garantiert und der Sparer kann sich sicher sein, dass er zum Ende der Laufzeit wirklich seine Sparsumme zuzüglich Zinsen wieder ausgezahlt bekommt. Niemand kann hellsehen und voraussagen, wohin es mit den Zinsen in den nächsten Monaten weiter geht. Die neuerdings gestiegene Abschlussbereitschaft für Festgeld zeigt jedoch, dass viele Anleger den gerade gesponnen Gedankengang so, oder so ähnlich ebenfalls durchdacht haben und sich bei ihrer Geldanlage denken: Lieber den Spatz in der Hand, als die Taube auf dem Dach. Zumindest für einen Teilbetrag des eigenen Vermögens scheint eine Anlage in Festgeld das Gebot der Stunde zu sein. In unserem Festgeldvergleich finden Sie die Konditionen der Banken übersichtlich aufgelistet.

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Hier schreibt Mischa Berg

Mischa Berg ist Herausgeber von Bankenvergleich.de und veröffentlicht seit 2007 News und Kommentare zur Geldanlage in Tagesgeld und Festgeld. Mischa Berg ist auch auf Google+ und Facebook aktiv.
Kategorie: Festgeld

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