Was bedeutet die Miniinflation und eine drohende Deflation für mein Geld?

Durch die Inflation entsteht dem Anleger ein Kaufkraftverlust.Bis vor wenigen Monaten kam es für jeden Sparer einem Horrorszenario gleich: Das anhaltend steigende Preisniveau sorgte dafür, dass der Euro jeden Tag ein bisschen an Wert verliert. Jetzt allerdings zeigt sich am Markt ein ganz anderes Bild. Die schleichende Geldentwertung ist kein Thema mehr. Vielmehr droht allenfalls eine Miniinflation, die sich schnell in eine Deflation umwandeln kann. Doch was ist das, und was bedeutet eine Deflation für angespartes Geld?

Deflation: Das unbekannte Phänomen

Mit dem Begriff der Inflation kann wohl jeder Sparer etwas anfangen. Mit dem kontinuierlichen Anstieg des allgemeinen Preisniveaus wird unser Geld langsam und unmerklich immer weniger wert. Besonders deutlich war der Preisanstieg für Autofahrer an der Tankstelle zu erkennen. Konnte man einen Mittelklassewagen vor fünf oder sechs Jahren mit 50 Euro noch volltanken, war dies vor ein oder zwei Jahren nicht mehr möglich. Die Preisspirale für Benzin wies unaufhörlich nach oben, der 50-Euro-Schein schien an der Zapfsäule allein aufgrund des steigenden Benzinpreises täglich an Wert zu verlieren. Auf lange Sicht greift dieser Effekt noch weitaus deutlicher, deshalb wurde jedem Anleger beim Aufbau seiner privaten Altersvorsorge dringend ans Herz gelegt, unbedingt eine Inflation von zwei bis drei Prozent pro Jahr zu berücksichtigen. Noch in den Jahren 2011 und 2012 galt diese Tendenz, lag doch die Inflationsrate (» Auswirkungen) im Jahr 2011 bei 2,3 Prozent und in 2012 bei zwei Prozent.

Anhand dieser Zahlen wird deutlich, dass die Tendenz zu steigenden Preisen sich zu diesem Zeitpunkt langsam umkehrte. Im Jahr 2013 betrug die Teuerungsrate nur noch 1,5 Prozent, in 2014 lag sie bei rekordverdächtigen 0,9 Prozent. Getragen wurde diese geringe Rate vor allem durch den unerwarteten Verfall des Ölpreises, der für fallende Benzinkosten sorgte. Angesichts dieser Zahlen wird deutlich, dass sich Anleger und Finanzexperten offenbar mit einem neuen Phänomen beschäftigen müssen: Die Angst vor einer Deflation geht um.

Vereinfacht gesagt versteht man unter einer Deflation den Verfall der Preise auf der ganzen Linie. Sinkende Rohstoffpreise, fallende Immobilienpreise und ein immer geringeres Preisniveau sind die wichtigsten Kennzeichen einer Deflation. Eine kontinuierlich fallende Inflationsrate kann ein Indiz für eine drohende Deflation sein. Doch was ist eigentlich so schlimm daran, wenn beim Einkaufen im kleinen und großen Stil alles günstiger wird?

Preisverfall: Er verleitet zum Sparen

Wer sein Sparschwein liebt - kümmert sich!Auf den ersten Blick scheint es paradox zu sein, aber eine beginnende Deflation kann die Sparneigung der Konsumenten erhöhen. Schließlich geht man als Käufer davon aus, dass der Einkauf in kurzer Zeit noch günstiger wird, weil die Preise weiter fallen. Weitaus sinnvoller scheint es dann zu sein, das Geld auf die Bank zu bringen und dort anzulegen. Dadurch würden viele Banken enorme Guthaben ihrer Kunden aufbauen. Kredite aufzunehmen kommt in einer Deflation dagegen nicht in Frage. Mit dem Verfall des Preisniveaus geht nämlich ein realer Anstieg der Schulden einher.

Die größte Gefahr birgt eine Deflation allerdings für die Wirtschaft und für die Unternehmen eines Landes. Da immer weniger Haushalte konsumieren und Geld ausgeben, brechen die Gewinne ein, es drohen Unternehmenspleiten im großen Stil. Selbst eine Wirtschaft, die relativ robust ist und Schwankungen der Konjunktur recht gut verkraftet, leidet unter einer Deflation erheblich. Es drohen Arbeitslosigkeit, Massenkonkurse, sinkende Einkommen und weiter fallende Nachfrage. Bis heute steht die Weltwirtschaftskrise der Jahre 1929 bis 1933 mit der damaligen Deflation stellvertretend für eine der größten wirtschaftlichen Krisen, die die moderne Gesellschaft je erlebt hat. Allein in Deutschland fielen die Preise um 23 Prozent, in den USA sah es ähnlich aus. Spätestens in diesem Stadium sind die Notenbanken der Länder gefordert, steuernd in die Wirtschaft einzugreifen.

Notenbanken: Der Retter in der Not

Leitzinsentscheid - Europäische ZentralbankUm eine drohende Deflation zu bekämpfen, greifen viele Notenbanken zu zweischneidigen Methoden. Sie reduzieren die Zinsen und pumpen immer mehr Geld in den Markt. Unterstützt wird das durch die Regierungen, die mit Ausgaben- und Konjunkturprogrammen für eine steigende Nachfrage und für eine Rettung der Unternehmen sorgen wollen. Langfristig allerdings steigen genau dadurch die Staatsverschuldung und die Inflation. Es scheint also, als müsse man das Schreckgespenst der Deflation mit Maßnahmen bekämpfen, die eine erneute Geldentwertung auslösen.

Der Blick auf die Marktlage zeigt, dass derzeit offenbar genau das passiert. Die Zinsen bleiben in den vergangenen Jahren auf einem historisch günstigen Stand, die Notenbanken geben immer wieder Massen an Geld in den Markt. Tatsächlich scheint es, als könnte sich die europäische Wirtschaft am Rande einer Deflation befinden.

Ersparnisse: So wirkt sich eine Deflation aus

Die Zinsen sinken und scmälern die RenditeSinkende Preise können dazu führen, dass private Anleger ihr Geld auf der Bank parken. In dieser Situation hat der Sparer keinen Anreiz, sein Geld in den Markt zu bringen und zu konsumieren. Allerdings muss er in einer drohenden Deflation mit niedrigen Guthabenzinsen rechnen. Der Blick auf die aktuellen Zinsen am Markt für Tages– und Festgelder bestätigt diesen Trend. Als Anleger erhält man auch bei den besten Tages- und Festgeldanbietern derzeit nur eine Rendite von gut einem Prozent für Tagesgelder. Somit wird das Geld letztlich dem Wirtschaftskreislauf und dem Konsum entzogen und bringt trotzdem keine akzeptablen Zinsen. Spätestens jetzt stellt sich für den Anleger die Frage, ob er seine Ersparnisse nicht sinnvoller anlegen kann als zu niedrigen Tages- und Festgeldzinsen.

Finanzexperten greifen in dieser Situation meist zu einer etablierten Empfehlung: Sie setzen auf eine Diversifizierung des Risikos. Wer sein Portfolio für den privaten Vermögensaufbau mischt und Tages- und Festgelder mit Aktien, Fonds und Anleihen kombiniert, dürfte letztlich die höchste Rendite aus seinem Vermögen erzielen. Das Geld untätig auf dem Konto zu lassen, weil man auf weiter fallende Preise spekuliert, dürfte in jedem Fall die schlechteste Alternative sein.

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Hier schreibt Mischa Berg

Mischa Berg ist Herausgeber von Bankenvergleich.de und veröffentlicht seit 2007 News und Kommentare zur Geldanlage in Tagesgeld und Festgeld. Mischa Berg ist auch auf Google+ und Facebook aktiv.
Kategorie: Festgeld, Tagesgeld

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