Mini-Inflation und Börsenturbulenzen 
Der Leitzinsentscheid vom 3. September 2015

Mario Draghi bei einer PressekonferenzHeute hat der Rat der Europäischen Zentralbank in Frankfurt getagt, um über die zukünftigen geldpolitischen Maßnahmen der EZB zu beraten. Der Leitzins verharrt seit September 2014 auf dem Rekordtief von 0,05% und ein wirksamer Impuls geht von den Leitzinsen schon lange nicht mehr aus. Das sollen mächtigere geldpolitische Instrumente vollbringen.


  • Zinssatz für die Hauptrefinanzierungsgeschäfte: 0,05%
  • Zinssätze für die Spitzenrefinanzierungsfazilität: 0,30%
  • Einlagefazilität:-0,20%

Die Bedeutung der einzelnen Werte erklären wir in der Artikelserie zur Europäischen Zentralbank. Für eine Übersicht der bisherigen Leitzinsentscheide folgen Sie bitte dem Verweis!


Das Anleihekaufprogramm (QE) der Europäischen Zentralbank läuft! Jeden Monat erwirbt die Zentralbank Anleihen im Wert von 60 Milliarden Euro. Das soll  bis September 2016 fortgesetzt werden. Das wären dann immerhin Ankäufe im Wert von 1,1 Billionen Euro. In der aktuellen Pressekonferenz hat der Präsident der Europäischen Zentralbank aber deutlich gemacht, dass auch über dieses Datum hinaus Anleihekäufe stattfinden können, und zwar solange, bis die geldpolitischen Ziele der EZB erreicht seien.

Die nächste GeldspritzeDie Banken können sich –  gemäß dem Zinssatz für Hauptrefinanzierungsgeschäfte  – sehr günstig mit Zentralbankgeld versorgen. Während sie für Einlagen weiterhin einen „Strafzins“ zahlen. All diese Bemühungen haben nur ein Ziel. Die Banken sollen Geld an Unternehmen und Privatpersonen verleihen. Das soll den stotternden Wirtschaftsmotor und den Konsum vorantreiben und letztendlich für ein spürbares Wirtschaftswachstum sorgen.

Eine echte Erfolgsmeldung konnten die Notenbanker seitdem noch nicht verkünden. Diesmal verhagelt die niedrige Inflation, ausgelöst durch gesunkene Energiepreise, die Statistik und damit eine Erfolgsmeldung. Die Börsenturbulenzen der letzten Wochen, mit der Sorge, dass der wichtige Absatzmarkt China zusammenbrechen könnte, machen deutlich, dass die europäische Wirtschaftsentwicklung ein zartes und sensibles Pflänzchen ist. Trotz einer sehr intensiven Pflege, bei der keine Kosten gescheut werden, können die Verantwortlichen bisher kaum Erfolge vorweisen. Eine positive Wirtschaftsentwicklung der Eurozone ist, auch mit wohlwollen, nicht auszumachen und die Lenker zeigen sich schon optimistisch, wenn eine weitere Krise ohne nachhaltigen Schaden vorbeigezogen ist. Solange die Prognosen ein Miniwachstum in Aussicht stellen, scheint die Welt in Ordnung.

In der Pressekonferenz räumte Mario Draghi ein, dass die Erholung schwächer ausfalle als erwartet und auch dass die Inflation langsamer anziehe als erwartet. Insgesamt gebe es mehr Abwärtsrisiken als in den Monaten zuvor zu beobachten. Er bekräftigte aber, dass die EZB die Bereitschaft und Fähigkeit habe zu handeln. Er wies aber erneut darauf hin, dass auch andere Politikbereiche ihren Teil zum Gesamterfolg beitragen müssen.

Der Neubau der EZB in FrankfurtDie Zentralbank bleibt weiter im Modus der Krisenbewältigung. Noch mehr Geld muss in die Märkte gepumpt werden. Derweil zeigt sich Mario Draghi, der Präsident der Europäischen Zentralbank, in den Pressekonferenzen wenig aufgeregt. Das ist eben die „Geldpolitik der ruhigen Hand“!

Der Erfolg der geldpolitischen Maßnahmen ist jetzt nicht an konkreten Markern auszumachen. Im Gegenteil, im Vergleich zu den vergangenen Monaten, haben sich die Bedingungen eher verschlechtert. Selbst eine negative Inflationsrate wollte Draghi kurzfristig nicht ausschließen, weist Spekulationen um eine drohende Deflation aber zurück. Was letztlich bleibt, ist das Versprechen der Zentralbank, ihre ultralockere Geldpolitik so lange fortzusetzen, bis die Inflation in der Eurozone wieder an das Zwei-Prozent-Ziel heranreicht. Das wird innerhalb der EZB als Marker für eine gesunde Wirtschaft angesehen. „Whatever it takes“ , verkündete Draghi im Juli 2012. Die Euro-Krise begleitet uns jetzt schon lange und auch mit dem Wissen, dass die Maßnahmen der Zentralbank nicht unmittelbar ihre Wirkung zeigen können, fragt man sich doch insgeheim, wie lange der Krisenmodus noch gefahren werden kann.

Inflation

  • Deutschland: 0,20% (vorher:0,20%)
  • Euro-Zone: 020% (vorher: 0,20%)

Auswirkungen auf die Zinsen von Sparprodukten wie Tagesgeld oder Festgeld

verstanden!Für den Sparer bleibt die Situation angespannt. Die Zinsen bleiben im Keller und lediglich die sehr niedrige Inflation sorgt dafür, dass noch immer ein kleines Plus herauskommt, wenn der Sparer den Ertrag seiner Geldanlagen in Tagesgeld und Festgeld zusammenrechnet. Ein Blick auf unser Zinsbild (Kalenderwoche 36) zeigt, dass die Spitzenzinssätze für Tagesgeld und Festgeld in den vergangenen Wochen stabil geblieben sind. Durch den Marktstart neuer Anbieter können Sparer kurzfristig mit leicht höheren Zinsen rechnen. Insgesamt bleibt das Zinsniveau aber niedrig und nur aktive Sparer können durch regelmäßige Anbieterwechsel auf Dauer den Kaufkraftverlust durch die Inflation ausgleichen. Wenn die Inflation sich allerdings dem Zwei-Prozent-Ziel der EZB annähert, hat der Sparer das Nachsehen.

Der Präsident der EZB erwartet, dass die Inflation am Ende dieses Jahres anzieht. Die Zinsen für Sparprodukte werden –  wenn überhaupt  – verzögert anziehen. Solange die Kassen der Banken gefüllt sind und das Zentralbankgeld weiterhin so billig zu bekommen ist, haben die Banken wenig Grund, die Zinsen zu erhöhen und Kundengelder einzusammeln.

Die Rahmenbedingungen den „Notgroschen“ oder die „eiserne Reserve“ mit Hilfe von Tagesgeld und Festgeld vor dem Kaufkraftverlust zu bewahren oder sogar zu vermehren bleibt schwierig. Der Sparer kann nur mit dem arbeiten, was ihm zur Verfügung steht. Das ist allemal besser, als das Geld unverzinst auf dem Girokonto oder einem Sparbuch zu belassen.



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Hier schreibt Thomas Gödert

Online-Redakteur Finanzen. Arbeitet seit 2012 bei BergMedia.net. Thomas Gödert ist auch auf Google+ und Twitter aktiv.
Kategorie: Festgeld, Kredit, Tagesgeld

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